Politik | 27.12.2023

Besuch einer KZ-Gedenkstätte sollte für alle Jugendlichen Pflicht sein

Jugend wurde politisch von Verbrechern missbraucht

50 Westerwälder aus dem Buchfinkenland und angrenzenden Regionen besuchten das KZ Buchenwald, wobei die Jugenderziehung der Nazis im Mittelpunkt stand.  Foto: Thomas Mockenhaupt

Buchfinkenland/Buchenwald. „Die Freiheit des Menschen ist eine Freiheit, die sowohl zum Guten als auch zum Bösen fähig ist!“ Was dieser Satz des spanischen Widerstandskämpfers und späteren Häftlings im KZ Buchenwald, Jorge Semprun, bedeutet, konnte eine große Gruppe aus dem Buchfinkenland im südlichsten Westerwald nach einem Besuch der Gedenkstätte des KZ besser einschätzen. Auf Einladung der heimischen Bundestagsabgeordneten Dr. Tanja Machalet in Zusammenarbeit mit dem SPD-Ortsverein Ahrbach-Stelzenbach setzen sich die 50 Wäller im meist fortgeschrittenen Alter überwiegend damit auseinander, wie die Jugend damals von einem Verbrecherregime für seine Zwecke missbraucht werden konnte.

Ein wichtiges Thema des Besuches bei einer Führung in Teilgruppen durch die Gedenkstätte war deshalb die Frage, wie nach 1933 aus Kindern und Jugendlichen glühende und kritiklose Nazis wurden, deren Verblendung bis zum freiwilligen Dienst in einem KZ wie Buchenwald führen konnte. „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft“, wusste die verbrecherische NSDAP wohl schon damals. Bei ihrer Machtausübung stützten sie sich auf einen weit verbreiteten Jugendmythos. Den Gästen wurde klar, dass das Nazi-Herrschaftssystem Jungen und Mädchen in historisch einmaliger Weise in seinen Dienst nahm, um sie zu Garanten der Zukunft des großdeutschen Imperiums heranzuziehen. Wichtigster Träger dieses Konzepts war die Hitlerjugend. Viele haben dabei mitgemacht, nur um nicht ausgeschlossen zu sein.

„Gemäß deren Grundsatz ‚Flink wie Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Krupp-Stahl‘ wurden zehnjährige ‚Pimpfe‘ unverzüglich mit dem ‚Programm der körperlichen Ertüchtigung‘ vertraut gemacht“, erläuterte eindrucksvoll Historiker und Autor Dr. Silvio Kobel beim Rundgang durch die Gedenkstätte . Für viele Jugendliche habe die organisierte Freizeitgestaltung der Nationalsozialisten hoch im Kurs gestanden. Romantische Lagerfeuer, Sportveranstaltungen, Geländespiele, Zeltlager und gemeinsame Ausflüge - das sei doch etwas ganz anderes gewesen als der gewöhnliche Schulalltag. Dass all diese vermeintlich harmlosen Aktivitäten der nationalsozialistischen Jugendbewegung nur Mittel zum Zweck waren, sei vielen „Hitlerjungen“ und „Pimpfen“ (wie man die Jüngeren nannte) zunächst verborgen geblieben, so der Referent.

Nach der nachhaltigen Prägung des Nachwuchses durch diese Staatsjugendorganisation ging der Irrsinn weiter: „Die Jugendlichen strömten mit 16 oder 17 Jahren kritiklos zur SS, da dies in schwieriger Zeit Vorteile und Anerkennung brachte - für die Jungs nicht zuletzt durch eine moderne Uniform auch bei dem Mädels“, so Dr. Kobel. Bis zum Untergang des Tausendjährigen Reiches hätten zu viele Jugendliche noch immer auf ihre Vorgesetzten gehört und kämpften im ernsten Glauben an den „Führer“ tatsächlich bis zum bitteren Ende. Historiker schätzen, dass etwa 60.000 bis 70.000 14- bis 18-Jährige aus den Reihen der Hitlerjugend in den Kämpfen des Zweiten Weltkriegs ihr Leben verloren. Bei dem nachhaltig auf viele Teilnehmende wirkenden Rundgang wurde auch das System der Schutzhaft in den KZ´s deutlich. Bis die Macht gesichert war, wurden zunächst viele Sozialdemokraten und Kommunisten inhaftiert, nach der totalen Machtsicherung auch andere Gruppen wie Juden, Roma oder „Asoziale“. Weggesperrt und oft gefoltert oder getötet wurden diejenigen, die nicht kritiklos mitmachten, so Historiker Dr. Kobel. Als besonders abscheuliches Beispiel für die menschenverachtenden Gräuel bleibt sicher die „Genickschussanlage“ in Erinnerung. Damit würden etwa 8.000 sowjetische Gefangene ermordet.

Bei der Auswertung des Besuches in vielen Gesprächen dreht sich viel um die Frage, ob so etwas in Deutschland wieder passieren kann. Obwohl Rechtspolulisten und Neonazis auch bei uns wie in anderen Ländern der EU auf dem Vormarsch sind, hoffen alle auf eine wehrhafte Demokratie. „Für alle Jugendlichen sollte es über Schule oder Jugendarbeit eine Pflicht sein, einmal eine solche Gedenkstätte gesehen zu haben“, so einer der Teilnehmenden. Dazu biete sich die Gedenkstätte in Hadamar an, wo an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie erinnert wird. Einige Teilnehmende bedauerten, das eine Fahrt von drei Vereinen aus dem Buchfinkenland organisierte Informationsfahrt nach Hadamar vor wenigen Wochen mangels Interesse abgesagt werden musste.

Pressemitteilung

SPD-Ortsverein

Ahrbach-Stelzenbach

50 Westerwälder aus dem Buchfinkenland und angrenzenden Regionen besuchten das KZ Buchenwald, wobei die Jugenderziehung der Nazis im Mittelpunkt stand. Foto: Thomas Mockenhaupt

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