CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 13. März kam zu Besuch nach Thür
Julia Klöckner kam, sah und siegte
Region/Thür. Sie hat sich große Ziele gesetzt: Julia Klöckner, CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am Sonntag, 13. März, will die rot-grüne Landesregierung um Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ablösen. Bis dahin bleibt noch viel Arbeit, schließlich will die CDU-Landesvorsitzende alle 51 Wahlkreise besucht haben. Am Sonntag machte sie Station im Wahlkreis 11 Andernach und stattete Hedi Thelen (MdL), Kandidatin für das Direktmandat, und dem CDU-Gemeindeverband Mendig einen Besuch ab. Und „Julia“ kam, sah und siegte.
Als um 11.48 Uhr, also genau zwölf Minuten vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung, ausgerechnet das Lied „Atemlos“ von Helene Fischer aus den Lautsprecherboxen dröhnte, schien das noch dem Zufall geschuldet. Der ein oder andere Besucher in der prall gefüllten und gut geheizten Thürer Gemeindehalle sah Julia Klöckner zwar nicht „durch die Nacht“, aber immerhin durch die Wahlkreise hetzen. Gerhard Bermel, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Thür, sprach um 12.09 Uhr in seiner Begrüßung das aus, was alle dachten: „Vor uns liegen noch 21 Tage Wahlkampf, und diese Zeit müssen wir bis zum Schluss nutzen.“
Als Jörg Lempertz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig und Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Mendig, um 12.19 Uhr das Rednerpult betrat und den Chor „Taktvoll Volkesfeld“ vorstellte, sah doch alles nach einem tieferen Sinn aus: „Der Chor hatte kaum noch Nachwuchs und nur zwei Möglichkeiten - zu resignieren oder sich zu verändern. Er hat sich neues Liedgut zugelegt und auf Moderne gesetzt. Mit seiner Dynamik passt er sehr gut zur heutigen Veranstaltung.“
Und was hatte der Chor „Taktvoll Volkesfeld“ im Gepäck? „Hungriges Herz“ von MIA. Wie hieß es so schön im Liedtext: „Du bist eiskalt. Mein hungriges Herz durchfährt ein bittersüßer Schmerz. Sag mir wie weit, wie weit, wie weit, wie weit willst du gehen?“
Als sich gegen 12.28 Uhr die Nachricht verbreitete, dass sich Klöckner wegen einer vorherigen Wahlkampfveranstaltung in Mülheim-Kärlich leicht verspäten würde, ergriff Landrat Dr. Alexander Saftig, aus dem benachbarten Kottenheim angereist, das Mikrofon und überbrachte die neuesten (positiven) Nachrichten des Kreises Mayen-Koblenz. Lange hielt sich Dr. Saftig allerdings nicht auf der Bühne auf, denn um 12.39 stürmte er mit Hedi Thelen, Gerhard Bermel, Ortsbürgermeister Rainer Hilger, Jörg Lempertz und Mechthild Heil nach draußen, um Klöckner in Empfang zu nehmen. Der Bus war, begleitet von der Freiwilligen Feuerwehr Thür, gerade die abschüssige Straße zur Gemeindehalle hinuntergerollt. Solche Gäste lässt ja schließlich niemand warten.
Als Klöckner dem Bus entstiegen war, fielen ihr alle nacheinander in die Arme. Die Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz (seit 2010) setzte mit einem Edding ihr obligatorisches Kreuzchen hinter den Wahlkreis 11 Andernach auf den Bus, klatschte die im Halbkreis versammelten Mitglieder der Jungen Union Mayen-Koblenz ab und zog schließlich unter den Klängen von „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani in die Gemeindehalle ein. Und wie heißt es im Liedtext: „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt, dass es das Beste für uns gibt.“ Das Lied sprach allen Christdemokraten aus dem Herzen.
Klöckner: „Wir werden nicht alles, aber das Entscheidende besser machen“
Punkt 12.50 Uhr betrat Klöckner, am 16. Dezember 1972 in Bad Kreuznach geboren, die Bühne. Die 43-Jährige, in ein schwarz-weißes Kleid und schwarze Lederstiefel gekleidet, hatte das Eis schnell gebrochen: „Ein Kardiologe ist da, ein Pfarrer ist da - was soll uns jetzt hier noch passieren?“ Danach lag ihr Schwerpunkt auf der Familien- und der Bildungspolitik. „Wir werden nicht alles besser machen, das wäre vermessen zu sagen. Aber wir werden das Entscheidende besser machen“, versprach Klöckner. Immer wieder brandete tosender Beifall auf, schließlich hatte der Chor „Taktvoll Volkesfeld“ im Vorfeld auch das Lied „Applaus, Applaus“ der Sportfreunde Stiller im Angebot.
Als politische Kernaussagen konnten die Gäste der Veranstaltung in Sachen Bildungspolitik: Folgendes mit auf den Weg nehmen: „Wir wollen keine Einheitsschule, es gibt schließlich auch keine Einheitskinder. Wir brauchen unterschiedliche Schulen für unterschiedliche Talente. Schreiben lernen nach Gehör wird es mit uns nicht geben. Wer Schreiben nach Gehör verordnet, rechnet Pi mal Daumen - und kriegt keinen ausgeglichenen Haushalt hin.“ Und Klöckner fuhr fort: „Das Studium ist nicht das allein selig machende. Es kann nicht sein, dass ein junger Mensch viel Geld in die Hand nehmen muss, um seinen Meister zumache, andere aber im 32. Semester studieren.“
In punkto Flüchtlingspolitik sagte die CDU-Spitzenkandidatin: „Wir von der CDU halten nichts davon, die Menschen abzuschotten und Mauern hochzuziehen, aber die EU-Außengrenzen müssen wesentlich besser geschützt und Fluchtanreize abgebaut werden.“
In Sachen „Familienpolitik“ betonte Klöckner: „Wir müssen uns mehr um Demenzkranke kümmern: Die Menschen haben ihr Erinnerungsvermögen verloren, aber nicht ihren Wert und ihre Würde.“
Fast eine Stunde lang stand die Deutsche Weinkönigin von 1995 auf der Bühne - und immer an der gleichen Stelle. Ihre Blicke gingen von rechts nach links und umgekehrt, das Mikrofon wechselte nur dann von der rechten in die linke Hand, wenn sie ihre blonden Haare zurückstreichen musste. Gegen 13.49 Uhr blickte Julia Klöckner zum ersten Mal auf die Uhr, ließ noch drei Fragen zu und war um 14.07 Uhr wieder aus der Thürer Gemeindehalle verschwunden. Der faszinierende Auftritt hatte ein Ende gefunden, die versammelten Christdemokraten hatten Klöckner mit im Stehen dargebrachten Ovationen verabschiedet. Mendigs Verbandsbürgermeister Lempertz, der ihr noch einen Basaltstein mit ihrem Namenszug überreicht hatte, versprach sie, spätestens bei „Rock am Ring“ wieder zurückzukehren. „Dann aber hoffentlich als neue Ministerpräsidentin“, entgegnete Lempertz.
Gruppenbild mit Damen (von links): Mechthild Heil, Dr. Adolf Weiland, Hedi Thelen, Julia Klöckner, Jörg Lempertz, Gerhard Bermel, Rainer Hilger und Dr. Alexander Saftig.Fotos: SK
Die CDU-Spitzenkandidatin zog in der Thürer Gemeindehalle alle in ihren Bann.
Die Mitglieder der Jungen Union im Kreis Mayen-Koblenz standen zum Abklatschen bereit.
