„CDU im Dialog“ beschäftigte sich mit der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum
Junge Nachfolger gibt es nicht
Bad Ems. Eine lebendige Gesellschaft lebt vom regen Austausch miteinander. Aus diesem Grund hatte die CDU-Kreistagsfraktion im Jahr 2014 „CDU im Dialog“ ins Leben gerufen. Vorsitzender Matthias Lammert (MdL) und die beiden Stellvertreter Günter Groß und Josef Oster luden diesmal nach Bad Ems ein.
Dr. Markus Holtel, ärztlicher Direktor der Paracelsus-Klinik, die als zentrale Einrichtung in Bad Ems die Funktion eines Kreiskrankenhauses wahrnimmt, gab einen kurzen Einblick in „sein“ Haus und erläuterte den Trend zur Spezialisierung.
Der CDU-Kreis- und Fraktionsvorsitzende Matthias Lammert (MdL) stellte fest, dass jeder, der einen Hausarzt hat, sich glücklich schätzen müsse: „Heute praktizieren viele Ärzte länger, als es die meisten zukünftigen Ärzte wollen.“ Im Rhein-Lahn-Kreis sind von 82 niedergelassenen Hausärzten 29 Ärzte älter als 61 Jahre und werden in absehbarer Zeit ausscheiden.
Junge Nachfolger, die die Praxis übernehmen und weiterführen wollen, gibt es nicht. Von den kassenärztlichen Vereinigungen aufgebaute hohe Hürden, Angst vor Regressionen, gepaart mit wenig familienfreundlichen Arbeitszeiten seien für junge Ärzte wenig attraktiv.
Auch Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen und ehemaliger Landtagsabgeordneter, sowie Dr. Thomas Klimaschka aus Nassau sehen für die Zukunft große Herausforderungen. Dafür gäbe es, so Dr. Rosenbauer, auch mehrere Gründe: Zum einen werde die Medizin weiblicher, was zur Folge hat, dass es mehr Ärzte geben werde, die in Teilzeit arbeiten wollen.
Zum anderen wandern Ärzte aus ländlichen Regionen ab. Dennoch wurde Dr. Rosenbauer nicht müde zu betonen, dass es sich in Deutschland um das beste Gesundheitssystem weltweit handele. Die Spezialisierung sei zwar gut und wichtig, helfe aber in ländlichen Regionen nicht.
Künftig würden Strukturen geschaffen, in denen mehrere Ärzte eine Praxis führen, dazu werden mehr und mehr Medizinische Versorgungszentren (MVZ) aufgebaut, die den Mangel ausgleichen sollen. Für die Patienten bedeutet das perspektivisch, dass sie nicht mehr immer den gleichen Arzt haben, sondern mehrere Ärzte. „Der direkte Bezug zum Arzt wird sich ändern. Wir müssen mit dem leben, was vorhanden ist. Wir werden in der Fläche eine andere Versorgung bekommen, darin eingebunden auch das Notarztsystem. Vor allem kleinere Krankenhäuser müssen Ankerpunkte für Gesundheit werden.“ Eine Aufgabe für die Politik sei es zu entscheiden, welche Standorte künftig zu stärken sind.
Die Fachleute waren sich einig, dass auch das Finanzierungssystem überarbeitet werden müsse. Viele - vor allem auch kleinere Häuser - hätten einen Investitionsstau, den sie nur dann auflösen können, wenn sie ein Plus erwirtschaften, das sie wiederum in die Lage versetzt, Fördergelder zu erhalten. „Rheinland-Pfalz“, so Dr. Rosenbauer, „steht bezüglich dieser Fördergelder leider bundesweit auf dem drittletzten Platz.“ Für ihn ist aber auch klar, dass sich das Anspruchsdenken der Patienten wird ändern müssen. „Die ärztliche Versorgung auf dem Land wird sich in den nächsten Jahren weiter dramatisch ändern.“
Landtagskandidat Dennis Maxeiner dankte in seinem Schlusswort den Referenten für ihre engagierten Beiträge und versprach, dass die CDU Rhein-Lahn das Thema weiterhin konstruktiv begleiten werde.Pressemitteilung der
CDU-Kreistagsfraktion
