Politik | 15.07.2013

Unwetter in Unkelbach blie nicht ohne Folgen

Keller erheblich beschädigt

Kronenholz der Pappeln verschlimmerte die Lage - Umlegungsverfahren für Baugebiet läuft

Durch die starken Regenfälle wurde Geäst in den Unkelbach gespült, was zu Verstopfungen führte. AB

Unkelbach. Da sind sie durch den Forst gestiegen, Remagens Bürgermeister Herbert Georgi und der städtische Bauamtsleiter Gisbert Bachem. Der Unkelbach entlang der Oedinger Straße war das Ziel der rheinstädtischen Verwaltungsspitze. Er plätschert wieder munter vor sich hin. Fast nichts weist mehr darauf hin, zu welch gefährlichem Gewässer sich die beiden Bachverläufe nach schwerem Regenfall entwickeln können, wenn sie zu Tal stürzen. Erosionen am Bachverlauf und Ansammlungen von Gestrüpp und Gehölz lassen allerdings noch ahnen, welchem Ungemach die Unkelbacher Bürger ausgesetzt waren - zuletzt geschehen Anfang Juni, als Freiwillige Feuerwehren und Technisches Hilfswerk ausrücken mussten, um den Remagener Ortsteil vor einer „Jahrhundertflut“ zu schützen. Unkelbachs Ortsvorsteher Klaus Olef (FBL) hatte die letzte Ratssitzung vor der Sommerpause zum Anlass genommen, um ausführlich über die Folgen und Ursachen der Flutwelle und durch mangelnde Vorsorge der Behörden zu referieren. Erheblichen Schäden in den Kellern von Privathäusern und Verstopfungen durch nicht abtransportierte Gehölzansammlungen galt sein Augenmerk. Diese Wogen der Aufregung zu glätten hatte Bürgermeister Georgi versucht, er verwies auf eine Gesprächsrunde, die für wenige Tage später anberaumt war, um die Ereignisse Revue passieren zu lassen. „Im Jahr 2010 war es noch schlimmer“, erläuterte auch Bauamtsleiter Gisbert Bachem nach dem Treffen von Feuerwehr, Bürgermeister und Ortsvorsteher sowie Verwaltungsmitarbeitern und Revierförster Guido Ebach. Georgi freute sich besonders darüber, dass Klaus Olef der Feuerwehr im Namen der Bürger für die Unterstützung bei dem Unwetter ein kleines finanzielles Dankeschön überreichte. Für die Bürger hatte sich Olef auch eingesetzt, so stellte sich bei dem Treffen heraus, als er den Revierförster gebeten hatte, das Kronenholz der gefällten umsturzgefährdeten Pappeln am Rande der Kreisstraße nicht abtransportieren zu lassen. Es sei gut als Brennholz zu benutzen, war des Ortsvorstehers Meinung. Der Revierförster entsprach dem Wunsch. Allerdings waren Holz und Blattwerk bis zum Unwetter nur unwesentlich abgeräumt worden, das Geäst nicht beseitigt. Der Starkregen spülte das Gehölz in den Bach, es kam zu Verstopfungen, und dies trug zur Verschlimmerung der Lage in Unkelbach bei. „Mangelnde Koordination kann also nicht den Behörden vorgeworfen worden“, sagte Herbert Georgi, da müsse man schon nach Unkelbach schauen. „Die Überflutungen der Keller wie von Olef in der Ratssitzung beschrieben, konnten wir so nicht nachvollziehen“, erläuterte Bachem nach Nachfrage bei den angeblich betroffenen Bürgern. Den Dank für den spontanen Einsatz an die freiwilligen Helfer bei der Aktion hatte der Bürgermeister sowie Stadtwehrleiter Michael Zimmermann bereits in der Ausschusssitzung ausgesprochen. Auch die Vorwürfe des Ortsvorstehers, die Stadt unternehme zu wenig für den Hochwasserschutz, wiesen Georgi und Bachem zurück. „Von einem Rückhaltebecken, wie von Olef angesprochen, war zwischen Oedingen und Unkelbach niemals die Rede,“ so die Verwaltungsspitze. „An dieser Stelle aufgrund der naturgegebenen Verhältnisse planerisch überhaupt nicht zu verwirklichen“, erläuterte der Bauamtsleiter.

„Renaturierung des Unkelbachs“ heißt das Stichwort, mit dem sich die Gremien intensiv befasst und das sie 2011 beschlossen haben. Bei der auch vom Land geförderten Maßnahme wartet die Stadt lediglich noch auf die wasserrechtliche Genehmigung und den Bewilligungsbescheid, um mit den Arbeiten beginnen zu können. „Das muss aber eigentlich dem Ortsvorsteher und den örtlichen Politikern bekannt sein, denn alle Pläne und deren Verlauf wurden bereits mehrmals vorgestellt“, so Georgi. Weitere „Renaturierungsmaßnahmen“ zur Eindämmung der Gefahrenpunkte bei Unwettern sind vom Bauamt geplant. Diese sollen mit „Bordmitteln“ ohne großen Planungsaufwand durchgeführt werden. „Das Gelände eignet sich dafür trefflich“, weist Bachem auch auf von Naturschützern vorgeschlagene Maßnahmen hin.

„Schade, dass manche Kommunalpolitiker ihre eigenen Beschlüsse nicht mehr kennen“, meint Georgi auch im Hinblick auf die Presseverlautbarung der Freien Bürgerliste in Bezug auf den „Alten Garten“ in Unkelbach. Schon immer ist das ausgewiesene Baugelände am Waldesrand ein Reizthema. Befürworter und Gegner der Fläche stehen sich seit Jahren gegenüber. Für eine weitere Bebauung in Unkelbach macht sich die FBL stark, fordert, dass schnellstmöglich mit dem Bau von Wohneinheiten begonnen wird. „Das Verfahren läuft doch, es gibt doch seit 2011 einen Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan“, versteht die Verwaltung die Forderung der FBL nicht. In mehreren Bauabschnitten sollen die 60 bis 70 Grundstücke nach einem Remagener Stadtratsbeschluss erschlossen werden. „Die Umlegung ist in vollem Gange“, sagt Bachem. Und bevor diese nicht abgeschlossen sei, können nicht gebaut werden. Allerdings, so der Ratsbeschluss auch, muss das Gebiet von einem „Erschließungsträger“ in Angriff genommen werden. Dieser trägt zum Beispiel die Straßenlastkosten, entlastet den Stadtsäckel. Ein „Träger“ ist aber noch nicht in Sicht. „Da können sich sehr wohl die Unkelbacher bauwilligen Bürger zusammentun, um in dieser Frage Zeit zu gewinnen,“ sagt Georgi. Politik und Verwaltung hätten aber in Sachen „Alter Garten“ ihre Hausaufgaben erledigt, so die Verwaltungsspitze unisono.

Durch die starken Regenfälle wurde Geäst in den Unkelbach gespült, was zu Verstopfungen führte. Foto: AB

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