Verein Frankensiedlung Nithrindorp stellt Konzept für Frankensiedlung vor
Kleines Dorf mit neun Gebäuden sowie Ställen für Tiere soll entstehen
Verein reichte fehlende Unterlagen für noch notwendige Baugenehmigungsverfahren vor Ablauf der Frist ein
Nierendorf. Auf den letzten Drücker hat der Verein Frankensiedlung Nithrindorp die noch fehlenden Unterlagen für die Einleitung der notwendigen Baugenehmigungsverfahren bei der Gemeindeverwaltung Grafschaft eingereicht. Damit haben die Mittelalter-Freunde um den Vereinsvorsitzenden Mathias Heeb fürs erste verhindert, dass der Gemeinderat das Verfahren beendet. Das hatte das Gremium nämlich in seiner vorherigen Sitzung angedroht, wenn die Unterlagen nicht bis zum 1. Februar vorgelegt würden. Bürgermeister Achim Juchem (CDU) berichtete nun, dass am 1. Februar um 17:33 Uhr eine 33 Megabyte große E-Mail mit einer Fülle von Unterlagen im Rathaus angekommen sei. Darin enthalten sei der Flächennutzungsplan-Entwurf mit Begründungen ebenso wie ein Bebauungsplanentwurf für das Museumsdorf. Vorgelegt worden sei auch ein Bebauungsplanentwurf zum geplanten Parkplatz an der Landesstraße, hier fehlten jedoch Angaben zu einer möglichen notwendigen Linksabbiegerspur, und auch die Grundstücksangaben sind nur teilweise vorhanden. Zur Planung der Oberflächenentwässerung des Museumsdorfs und des Parkplatzes habe der Verein ebenfalls Konzepte eingereicht, bei denen jeweils der Erläuterungsbericht fehle. Noch nicht vorhanden seien Angaben über die naturschutzfachliche Eingriffs- und Ausgleichsbilanz, was im aktuellen Stadium aber auch noch nicht zwingend erforderlich sei, so Juchem.
Noch keine inhaltlicheAbstimmung erfolgt
Eine inhaltliche Abstimmung zwischen Verwaltung und Verein habe es bislang nicht gegeben, wofür man aber den Verein nicht die Schuld geben könne. Denn ein zuständiger Mitarbeiter im Rathaus sei erkrankt und ein weiterer mittlerweile ausgeschieden. Inhaltlich würden die Unterlagen derzeit geprüft, was aber wegen des Umfangs wohl bis Ende April dauern werde. Anschließend werde sich der Bauausschuss erneut mit dem Thema beschäftigen müssen.
Bekanntlich plant der Verein in der Gemarkung von Nierendorf eine Freizeit- und Lerneinrichtung, der die Kommunalpolitiker grundsätzlich positiv gegenüberstehen, während es in der Bevölkerung zum Teil große Widerstände gibt. Mit dem Einreichen der für die verschiedenen Genehmigungsverfahren notwendigen Unterlagen ließ sich der Verein jedoch Zeit. Unserer Zeitung liegen die Unterlagen bereits vor, aus denen hervorgeht, was auf dem rund 18.000 Quadratmeter großen Gelände in direkter Nachbarschaft zum Regenrückhaltebecken entstehen soll.
Das Alltagsleben im 5. bis 8. Jahrhundert
Mit dem Projekt „Frankensiedlung“ soll laut Nutzungskonzept das Alltagsleben im 5. bis. 8. Jahrhundert in unserer Region dargestellt werden. Dazu will man eine dörfliche Struktur aufbauen, wie sie in dieser Zeit üblich war. Der Besucher der Siedlung soll von der Lebensweise und dem Tagesablauf der einfachen Menschen auf dem Lande einen Eindruck bekommen. Die meist einfachen, teilweise aber auch überraschend aufwändigen Arbeitstechniken sollen verständlich machen, was alles zu dieser Zeit möglich war.
Das Projekt umfasst neben dem bereits vorhandenen Naturgarten auch ein kleines mittelalterliches Dorf mit bis zu neun Gebäuden. Als zentrales Gebäude der Frankensiedlung dient ein Langhaus der Durchführung von Veranstaltungen, Ausstellungen und Vorträgen. Innerhalb dieses Gebäudes ist eine historische Kochstelle in Form eines Lehmofens untergebracht, die der Veranschaulichung der Zubereitung von Speisen dient. Ein Pfostenspeicher dient der Lagerung von Vorräten. Zwei Grubenhäuser dienen der Unterbringung einer Web-Stube mit einem Gewichtswebestuhl zur Veranschaulichung und Darstellung des Web-Handwerks sowie der Unterbringung einer Pflanzen-Färberei zur Veranschaulichung und Darstellung des Färbevorgangs von Kleidern durch Pflanzen. Auch eine Töpferei soll es geben, in der das mittelalterliche Töpferhandwerk vorgestellt wird. Eine Schmiede soll das Schmiedehandwerk sowie die Gewinnung von Eisen präsentieren. Schließlich gibt es auch noch ein Verwaltungsgebäude und eine Werkhalle, die auch als Veranstaltungsraum und für die Gruppenarbeit vorgesehen ist.
Holzständer mit Ausfachung mit Lehmgeflecht
Als Erstes soll das Verwaltungsgebäude entstehen, in dem die zentralen Informationen zum Projekt vorgestellt werden. Außerdem befinden sich hier sanitäre Räume. Danach sollen nach und nach die einzelnen Gebäude entstehen wie Schmiede, Küchenhaus und Töpferei sowie weitere Gebäude mit verschiedenen Funktionen. Diese werden in der Regel mit einem Holzständerwerk und entsprechender Ausfachung mit Lehmgeflecht umgesetzt. Je nach Funktion werden die Dächer mit Stroh oder mit Holzschindeln eingedeckt. Die Böden werden grundsätzlich nicht vollversiegelt, da dies nicht der Bauweise des frühen Mittelalters entspricht. Am Eingang der Siedlung soll es Ställe geben für Esel, Ziegen und Hühner.
Die Verbindungswege innerhalb der Frankensiedlung werden in der Regel als Naturweg mit Rasen vorgesehen. Die Hauptverbindungswege werden teilversiegelt mit Holzbohlen oder wassergebundener Decke versehen, so dass sie auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden können. Als Zuwegung soll vom darunterliegenden Wirtschaftsweg aus ein zwei Meter breiter Fußweg im Rahmen der Kanalarbeiten angelegt werden mit wassergebundener Decke. Dieser Weg soll den „Eingang“ zur Frankensiedlung bilden, aber für PKW nicht nutzbar sein. Im unteren Bereich sollen die Stellplätze für Fahrräder untergebracht werden. Die fachmäßige Erschließung für den Lieferverkehr (Baumaterialien) erfolgt über einen bereits vorhandenen Weg am anderen Ende des Geländes.
Parkplätze auf der anderen Seite des Regenrückhaltebeckens
Die Parkplätze für die Besucher sollen westlich des Wirtschaftsweges angelegt werden, der von der Landstraße aus zum Technikhäuschen des Rückhaltebeckens führt. Für das Gelände hat der Verein bereits einen Pachtvertrag mit dem Besitzer, einem bekannten Bonner Unternehmer, geschlossen. Dort stellt sich der Verein 18 Stellplätze für PKW sowie einen Busparkplatz vor, wofür zusätzlich ein paar Quadratmeter eines gemeindeeigenen Grundstückes benötigt würden. Die Ein- und Ausfahrt soll über die Landesstraße 80 erfolgen. Hierzu muss noch mit dem Landesbetrieb Mobilität abgestimmt werden, ob die Errichtung einer Linksabbiegespur notwendig wird. Sollte dies der Fall sein, könnte dies die gesamte Planung angesichts der zu erwartenden Kosten im sechsstelligen Bereich zunichtemachen. Auf jeden Fall muss jedoch der vorhandene Wirtschaftsweg ausgebaut werden, damit er die künftige Verkehrsbelastung meistern kann.
Zulässig sein soll unter anderem das temporäre Aufstellen von Zelten an bis zu vier Wochen im Jahr zwischen März bis Oktober zur Durchführung von Veranstaltungen, etwa von Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche. Die Unterbringung in Wohnwagen oder Ähnlichem jedoch ist unzulässig. Mit dieser Klarstellung sollen insbesondere „campingartige“ Handlungen vor Ort vermieden werden. Zulässig sind auch pädagogische Erlebnistage, geführte Themenwanderungen, Workshops im Bereich Bogen-Bau, Schmieden, Pflanzenfarben, Töpfern für verschiedene Altersgruppen. Auch Vereinsfeste wie ein „Frankendorffest“ ist an bis zu drei Wochenenden erlaubt. Zugelassen werden soll auch eine Tierhaltung für pädagogische und tiertherapeutische Zwecke einschließlich der dazugehörigen Stallungen für Esel, Ziegen und Hühner. JOST
