Politik | 10.03.2022

Stadt Montabaur

Kompromiss im Stadtrat

Bürgerentscheid über die Wasserversorgung in den Stadtteilen Elgendorf und Horressen entfällt

Rund 46 Tiefbrunnen und Quellen dienen der Gewinnung von Trinkwasser in der Verbandsgemeinde Montabaur. Dort wird sogenanntes Rohwasser entnommen und anschließend zu Trinkwasser aufbereitet. Zu den technischen Einrichtungen, die vom Betriebszweig Wasserversorgung betreut werden, gehören unter anderem 31 Hochbehälter (hier der Hochbehälter Prinzenschlag) mit einem Speichervolumen von insgesamt 22.500 Kubikmeter Wasser. Quelle: VG Montabaur

Montabaur.Mit einem Bürgerbegehren wollten die Initiatoren aus dem Stadtteil Horressen bewirken, dass ein Bürgerentscheid über die Frage stattfindet: „Soll das Trinkwasser für Horressen und Elgendorf in seiner Zusammensetzung wieder derart bereitgestellt werden, dass dem Trinkwasser der/des Trinkbrunnen der Montabaurer Höhe Trinkwasser aus Vallendar beigemischt wird so wie vor der Umstellung im Jahr 2020?“

Bei einer Beschlussfassung über die Zulassung des Bürgerbegehrens hätte für den Stadtrat jedoch kein Entscheidungsspielraum bestanden: Die Mitglieder des Stadtrates wären gesetzlich dazu verpflichtet gewesen, die Nichtzulässigkeit des Bürgerbegehrens festzustellen, nachdem im Rahmen der Prüfung durchgreifende Mängel festgestellt wurden. Grund hierfür war insbesondere, dass die Begründung des Bürgerbegehrens in zentralen Punkten nicht der Wahrheit entsprach. So hatten die Initiatoren fälschlicherweise behauptet, die Stadtteile Elgendorf und Horressen erhielten „100 Prozent zugekauftes Wasser vom Rhein“ und hierbei handele es sich um Oberflächenwasser. Tatsächlich setzt sich das Trinkwasser in den beiden Stadtteilen zu etwa gleich großen Teilen aus Wasser, das die Verbandsgemeindewerke von den Vereinigten Wasserwerken Mittelrhein zukaufen, und aus Westerwälder Wasser aus dem Tiefbrunnen Kadenbach zusammen. Oberflächenwasser ist dabei nicht enthalten: Alle Wasser werden aus Brunnen und Quellen gewonnen.

Darüber hinaus war aus der Fragestellung heraus auch nicht ersichtlich, was genau gefordert werden sollte. Schließlich richtete sich das Bürgerbegehren an den falschen Aufgabenträger, da die Stadt selbst keine Entscheidungen in Fragen der Wasserversorgung treffen kann. Für ein Bürgerbegehren auf Ebene der Verbandsgemeinde hätte es jedoch mehr als doppelt so vieler Unterschriften bedurft als jetzt vorgelegt wurden.

Vor dem Hintergrund der erkennbaren Unzulässigkeit des Bürgerbegehrens stellte die die FWG-Fraktion im Stadtrat den Antrag, das Begehren zu erledigen und keinen Bürgerentscheid durchzuführen. Statt einen Bürgerentscheid über eine Veränderung der Wasserversorgung in Elgendorf und Horressen durchzuführen, sollte nunmehr ein Appell an die Verbandsgemeinde gerichtet werden. Die Forderung des Bürgerbegehrens, dass die Stadt selbst gegebenenfalls durch Bürgerentscheid über die Wasserversorgung in den Stadtteilen Elgendorf und Horressen entscheiden solle, gaben die Initiatoren damit auf.

Die CDU-Fraktion forderte hierüber hinaus, dass sich das Handeln der Stadt immer auf das ganze Stadtgebiet beziehen müsse. Die Stadtteile im Gelbachtal müssten deshalb ebenso berücksichtigt werden. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stellte heraus, wie wichtig ihr Transparenz in den ökologischen Belangen der Wasserversorgung sei.

Nach breiter Diskussion fasste der Stadtrat den Beschluss, an die Verbandsgemeinde zu appellieren, in der Kernstadt und allen Stadtteilen eine identische Wassermischung bereit zu stellen und einen Plan zur entsprechenden Umsetzung bis zum 31. März 2023 zu präsentieren. Außerdem solle „die ökologische Transparenz beim Thema Wasserversorgung“ hergestellt werden.

Stadtbürgermeisterin Gabi Wieland teilte zum Abschluss des Tagesordnungspunktes mit, dass sie das Bürgerbegehren mit den Unterschriften bereits vor der Sitzung dem für die Wasserversorgung zuständigen Ersten Beigeordneten, Andree Stein, zur Kenntnis gegeben habe.

„Ich nehme die große Zahl an Unterschriften, die zu diesem Thema gesammelt wurden, sehr ernst“, teilte Stein mit. Auch wenn das Vorgehen der Initiatoren zur Unzulässigkeit des Bürgerbegehrens geführt habe, könne er das grundlegende Bedürfnis nachvollziehen, das Wasser aus den heimatlichen Wäldern zu trinken. Leider sei gerade die Wassergewinnung auf der Montabaurer Höhe in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. „Ich halte es aber für angemessen, dass der Werkausschuss diese Unterschriften aus der Bevölkerung wahrnimmt“, betonte der Erste Beigeordnete. Bereits vor der Entscheidung des Stadtrates habe er deshalb die Thematik erneut auf die Tagesordnung des Werkausschusses der Verbandsgemeinde gesetzt.

In der anstehenden Sitzung des Werkausschusses der Verbandsgemeinde am 16. März steht außerdem die interkommunale Vernetzung im Versorgungsbereich Süd auf der Tagesordnung. Auch hier zeichnet sich ab, dass Versorgungsbereiche verändert werden müssen, um die Versorgung dauerhaft sicherzustellen.

Hintergrund

Hintergrund des Bürgerbegehrens war eine Umstellung in der Wasserversorgung. Die Ortsteile Elgendorf und Horressen gehören seit Anfang 2020 nicht mehr zum Versorgungsbereich Eschelbach-Kernstadt, sondern sind an den Versorgungsbereich Augst angeschlossen. Das Leitungswasser im Versorgungsbereich Augst hat einen höheren Härtegrad (mittel) als das im Versorgungsbereich Eschelbach-Kernstadt (weich). Die Wasserversorgung liegt bei der Verbandsgemeinde und ist in zahlreiche Versorgungsbereiche unterteilt, in denen Trinkwasser unterschiedlicher Zusammensetzung und mit unterschiedlichen Härtegraden zur Verfügung gestellt wird. Die politischen Verwaltungsgrenzen der Ortsgemeinden oder von Ortsteilen spielen dabei bisher keine Rolle. So bestehen zum Beispiel in der Stadt Montabaur mehrere unterschiedliche Versorgungsbereiche: Die Stadtteile Reckenthal, Bladernheim und Ettersdorf lagen bereits vor 2020 in einem Versorgungsbereich mit Wasser mittlerer Härte. Für den Stadtteil Wirzenborn wurde in 2021 beschlossen, ihn aus dem Versorgungsbereich Eschelbach-Kernstadt herauszunehmen, wodurch auch hier der Härtegrad von weich auf mittel ansteigt. Auch andere Ortsgemeinden sind in verschiedene Versorgungsbereiche aufgeteilt.

Auf Ersuchen der Stadt hatte sich bereits 2021 der für die Wasserversorgung zuständige Werkausschuss der Verbandsgemeinde erneut mit der Wasserversorgung im Stadtgebiet beschäftigt. Die Ausschussmitglieder sahen dabei jedoch keinen Anlass, die bisherige Beschlusslage in Zweifel zu ziehen, die eine Versorgung unabhängig von politischen Verhältnissen nach den Grundsätzen der Versorgungssicherheit, der Nachhaltigkeit, des Umweltschutzes und der Wirtschaftlichkeit vorsieht.

Pressemitteilung der

Stadt Montabaur

Rund 46 Tiefbrunnen und Quellen dienen der Gewinnung von Trinkwasser in der Verbandsgemeinde Montabaur. Dort wird sogenanntes Rohwasser entnommen und anschließend zu Trinkwasser aufbereitet. Zu den technischen Einrichtungen, die vom Betriebszweig Wasserversorgung betreut werden, gehören unter anderem 31 Hochbehälter (hier der Hochbehälter Prinzenschlag) mit einem Speichervolumen von insgesamt 22.500 Kubikmeter Wasser. Quelle: VG Montabaur

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Essen auf Rädern
Kleinanzeigen
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Ostergruß
Osterangebot
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Dauerauftrag 2026
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Empfohlene Artikel
Petra Schneider. Foto: privat
21

Kreis Ahrweiler. Am 23. April 2026 ist es wieder so weit: Der bundesweite Girls‘ Day/Boys‘ Day bietet jungen Menschen die Gelegenheit, spannende Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu erhalten. Auch die CDU-Landtagsfraktion beteiligt sich erneut an diesem Aktionstag und lädt Schülerinnen und Schüler ein, einen Blick hinter die Kulissen der Landespolitik zu werfen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2267

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Daueranzeige
Rund ums Haus
Dauerauftrag 2025
Dauerauftrag Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
Rund ums Haus
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Titel
Schulze Klima -Image
fit für`s Alter?
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Angebotsanzeige (April)
PR-Anzeige
Titelanzeige
Osteraktion
Anzeige Lange Samstage