Swisttal beschäftigt sich mit Gewerbegebieten
Kooperation mit der Bundesstadt Bonn oder mit dem Kreis wäre empfehlenswert
Während auf der rechten Rheinseite keine Flächen mehr für Gewerbegebiete vorhanden sind, sieht es linksrheinisch schon anders aus
Swisttal. In Sachen Industrie- und Gewerbegebiete soll die Gemeinde Swisttal künftig enger mit der Bundesstadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zusammenarbeiten. Das empfahl zumindest Dominik Geyer, geschäftsführender Gesellschafter der Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH (Köln), den Swisttaler Kommunalpolitikern. Bei der jüngsten gemeinsamen Sitzung von Planungs- und Verkehrsausschuss mit dem Umweltschutz-, Wirtschaftsförderungs- und Energieausschuss stellte er das von ihm erarbeitete „Gewerbeflächenkonzept für die Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises 2035“ vor.
Demnach gebe es weder in der Stadt Bonn noch im rechtsrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises ausreichende Reserveflächen, um die Nachfrage nach Gewerbe- und Industriegebieten zu befriedigen.
Im linksrheinischen Teil hingegen sehe es anders aus, dort könne man noch einige brauchbare Flächen identifizieren, die über den jeweiligen örtlichen Bedarf hinausgingen. Allerdings könne man die Nachfrage aus dem östlichen Teil des Rhein-Sieg Kreises nicht so einfach mit dem Angebot aus dem westlichen Teil zusammenbringen, denn der Rhein sei nach wie vor eine starke Barriere ähnlich einer Grenze, sogar die Mentalität der Bewohner sei unterschiedlich, fand Geyer.
Die Nähe zu Bonn besser nutzen
Dennoch sei es ratsam für eine Gemeinde wie Swisttal, die Nähe zu Bonn zu nutzen, denn dort sei die Lage dramatisch. Es gebe keinerlei Platz mehr für neue Gewerbegebiete, und die Abwanderung von Haribo sei nur eine Folge dieser Situation.
„Die Nutzungskonkurrenz in der Bundesstadt ist so groß, dass Wohnen, Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung und ähnliche Dinge vorne stehen und für Industrie und Gewerbe kein Platz mehr übrig ist“, fasste Geyer die Lage zusammen. Was langfristig allerdings auch deutlich negative Folgen nach sich ziehen, denn eine große Bevölkerungsschicht könne auf diesem Arbeitsmarkt nicht fündig werden.
Mittlerweile sei Bonn eine prosperierende Stadt mit hohen Sozialausgaben - „Bonn ist eine polarisierte Stadt mit einigen Problemzonen.“
Da Bonn aber den eigenen Bedarf an Industrie- und Gewerbeflächen nicht decken könne, sei die Stadt gezwungen, Kooperationen mit den umliegenden Kommunen einzugehen. Allerdings machte Geyer auch klar: „Bonn sitzt hier nur auf dem Beifahrersitz, denn die Planungshoheit liegt bei der jeweiligen Nachbarkommune.“ Erste Ansätze einer interkommunalen Zusammenarbeit gebe es bereits zwischen Bonn und der Gemeinde Alfter, und auch in Rheinbach denke man darüber nach, eine Gewerbefläche gemeinsam mit der Stadt Bonn zu entwickeln und anschließend auch den Nutzen zu teilen.
Deshalb empfahl Geyer den Swisttalern, ebenfalls das Gespräch mit der Stadt Bonn zu suchen. „Jetzt gilt es, die Vorteile der prosperierenden Wirtschaftsregion zu nutzen, statt darauf zu warten, dass auf der anderen Seite der Landesgrenze die Raubritter mit fragwürdigen Angeboten das Rennen machen.“
Genehmigung der Bezirksregierung erkaufen
Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU) erinnerte daran, dass man schon vor vielen Jahren Gespräche mit der Stadt Bonn geführt habe, bislang aber ohne konkretes Ergebnis.
Der eigene endogene Bedarf der Gemeinde für neue Gewerbeflächen sei nämlich nicht so hoch, dass man größere Gewerbeflächen an den Start bringen könne. Deshalb sah auch sie eine Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn als eine Möglichkeit an, doch noch im Gemeindegebiet neue Gewerbeflächen ausweisen zu können. Bislang hatte sich nämlich die Kölner Bezirksregierung dagegen gesperrt, weil eben der eigene Bedarf nicht ausreichend sei. Was wiederum CDU-Fraktionschef Hanns-Christian Wagner zu der Bemerkung verleitete: „Können wir uns dadurch die Genehmigung der Bezirksregierung erkaufen?“
Was Geyer bejahte: „Das können Sie so formulieren - obwohl ich das Wort erkaufen nicht unbedingt verwenden würde.“ Kalkbrenner wies auch darauf hin, dass es durchaus mehrere Möglichkeiten einer Kooperation gebe, die man im Ernstfall dann konkret prüfen müsse.
Sven Kraatz (Grüne) wies seinerseits darauf hin, dass „Wachstum nicht unendlich ist“ und vielleicht schon bald wieder Brachflächen entstünden, wenn althergebrachte Industrien nicht mehr gebraucht und die Fabriken aufgegeben würden.
Abgesehen davon führe die Neuausweisung von Gewerbegebieten auch immer zu einer weiteren Flächenversiegelung - und das Schutzgut Boden sei nun einmal endlich. Das sah auch Geyer so: „Irgendwo wird es einen Punkt geben, über den hinaus es nicht geht.“
Ideale Lage zwischen Eifel und Bonn
Stefan Lütke wies als Vertreter des Swisttaler Gewerbevereins darauf hin, dass man nicht nur den rechtsrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises und die Bundesstaat Bonn als mögliche Kooperationspartner sehen dürfe, sondern auch den Kreis Euskirchen, der direkt an die Gemeinde Swisttal angrenze. Auch Kalkbrenner sah die Gemeinde Swisttal in idealer Lage zwischen der Eifel und Bonn, was vor allem für das Gewerbegebiet in Odendorf ein Vorteil sein könne. Ohnehin war Geyer der Ansicht, dass die Gemeinde Swisttal ein enormes Potenzial besitze als Teil der Metropolregion zwischen Düsseldorf und Bonn.
Doch letztlich, ergänzte Wagner, müsse man sich ohnehin sehr gut überlegen, welche Firmen man überhaupt in der Gemeinde ansiedeln wolle und welche lieber nicht. Zudem sprachen sich beide Ausschüsse dagegen aus, dass in dem Fachgutachten schon konkrete Partner für die Kooperationen genannt würden. Die sollen gestrichen werden, um die Optionen für die Zukunft offen zu halten, war man sich einig.
JOST
