Bei der Schülerbeförderung bleibt die Corona-Hygiene auf der Strecke
Kreis sieht die Verantwortung beim Land
Neuwied. Für viel Ärger sorgen dieser Tage die Zustände bei der Schülerbeförderung und an den Haltestellen in Stadt und Kreis Neuwied. Abstandswahrung ist hier Fehlanzeige. In vielen Bussen drängeln sich die Kinder dicht aneinander, so wie immer, aber jetzt ist Corona-Pandemie. Viele Eltern bringt das auf die Palme. Vor allem jene, die zu einer Risikogruppe zählen, bringen ihre Kinder lieber selbst zur Schule. Auch wenn das zusätzliche Umstände bereitet und die Verkehrssituation vor den Schulen verschärft. Besonders ärgerlich an der Situation ist, dass in den Schulen mehr oder weniger gute Hygienekonzepte eingeführt wurden. Das fängt bei den Laufwegen an, geht über bauliche Veränderungen, die Anordnung der Stühle in den Klassen, bis hin zur Regelung, wann und an welcher Stelle das Frühstück verzehrt werden darf. Mit Ausnahme des Unterrichts gilt überall die Pflicht zum Tragen des Mund- und Nasenschutzes. BLICK aktuell ist der Frage nachgegangen, warum bei der Schülerbeförderung keine Maßnahmen ergriffen wurden. Fenster, die sich nicht öffnen lassen, beschlagene Scheiben und schweißtreibende Temperaturen sind ideale Voraussetzungen, dass sich der Covid 19 Virus überträgt. Verantwortlich für den Busverkehr ist der Kreis Neuwied. Den Vorwurf wochenlanger Untätigkeit lässt der zuständige Erste Kreisbeigeordnete Michael Mahlert nicht gelten. Vielmehr, so erklärt Sprecherin Helga Zoltowski, seien dem Kreis aufgrund fehlender finanzieller Mittel die Hände gebunden. „Auf hochfrequentierten Strecken können wir nicht einfach zwei statt einem Bus losschicken“, sagt Helga Zoltowski. Haushaltstechnisch sei das gar nicht zulässig. Selbstverständlich möchten die Busunternehmen die Kosten für zusätzliche Fahrten erstattet haben. 15.000 Schüler werden täglich im Kreis Neuwied befördert. Für die allermeisten übernimmt der Kreis die Ticketkosten. Außerdem gibt Helga Zoltowski zu bedenken, wären zwar Busse noch zu organisieren aber an Fahrern mangelt es. Und zwar bundesweit. Auf Hinweise einiger Eltern sind die Mitarbeiter der Kreisverwaltung derzeit an hochfrequentierten Bushaltestellen unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen und die Bedarfssituation zu prüfen. Allzu oft versäumen Kinder und Jugendliche, den Mund- und Nasenschutz schon beim Warten zu tragen.
Kommen 30 zusätzliche Busse?
In einer aktuellen Pressemitteilung informiert Landrat Achim Hallerbach, dass der Kreis Neuwied dreißig sogenannter „Verstärkerbusse“ vom Land angefordert hat. Ob und wann diese Busse kommen, ist derzeit völlig offen. Immerhin stellt die Landesregierung für ganz Rheinland-Pfalz insgesamt nur 250 Fahrzeuge aus dem Bus-Pool zur Verfügung. Achim Hallerbach spricht von einer „Zugabe in homöopathischen Dosen“. Der Landrat ist skeptisch. „Es ist mir ein Rätsel, wie das Land die 250 Busse auf die Kreise verteilt. Zumal erst 170 Busse vom Wirtschaftsminister besorgt wurden“. Der Landrat spricht auch das Problem mit den Nachlässigkeiten beim Maskentragen an und verweist dabei abermals auf die Landesregierung, konkret das Bildungsministerium. Es sei realitätsfremd, dass der Busfahrer Schülerinnen und Schüler ohne Mund- und Nasenschutz trotzdem mitnehmen muss, normale Fahrgäste hingegen bei fehlendem Schutz von der Fahrt ausgeschlossen und mit einem Bußgeld belegt werden können. „Wer sich jetzt noch dieser Maskenpflicht verweigere, müsse auch die Konsequenzen tragen – ohne Wenn und Aber,“ unterstreicht der Kreischef. FF
