Bisheriger Wirtschaftsplan für 2023 sieht aufgrund stark gestiegener Stromkosten einen erheblichen Verlust vor
Kreiswasserwerk: Preise müssen neu kalkuliert werden
Die Kunden des Neuwieder Kreiswasserwerks (KWW) müssen sich auf höhere Gebühren einstellen. Das teilte Landrat Achim Hallerbach in der jüngsten Sitzung des Kreistags vorsorglich mit. Wie er ausführte, zwingen die massiven Energiepreissteigerungen zu einer Neukalkulation der Sätze. Die neuen Preise werden rückwirkend zum 1. Januar 2023 gelten. Die Mitglieder des Kreistags stimmten einstimmig zu.
Die bisherigen Stromverträge laufen zum Jahresende aus. Waren im Nachtragswirtschaftsplan des KWW für 2022 noch 1,6 Millionen Euro für den Energiebezug angesetzt, sind es nun satte vier Millionen Euro. Die Mehrkosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro führen dazu, dass im Wirtschaftsplan 2023 unter dem Strich ein nahezu identischer und damit erheblicher Verlust in Höhe von 2,54 Millionen Euro steht. Mit einer Genehmigung eines solchen Wirtschaftsplans durch das Land wäre nicht zu rechnen, waren sich auch die Fraktionen im Kreistag einig.
„Bereits vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle davor gewarnt, dass mit Auslaufen der Stromverträge zum 1. Januar ´23 mit einem Preissprung zu rechnen ist. Durch die vom russischen Angriffskrieg verursachten Entwicklungen werden die damaligen Befürchtungen nun in einer noch deutlich gravierenden Form Realität“, machte Landrat Achim Hallerbach deutlich. Er verwies darauf, dass eine Neukalkulation der Wasser- und Abwasserpreise zu einem früheren Zeitpunkt wünschenswert gewesen wäre. Allerdings stehen die Ergebnisse der Stromausschreibungen für den Landkreis samt KWW erst seit Ende November fest. Hinzu kommt, dass auch noch nicht feststeht, ob und, wenn ja, in welchem Umfang das KWW von der Strompreisbremse der Bundesregierung profitieren wird.
Wie Hallerbach weiter ausführte, geht es nicht nur um die wirtschaftliche, sondern auch um die technische Stabilität des KWW. Denn ohne einen von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) des Landes genehmigten Wirtschaftsplan könnten Investitionen in die Wasserversorgungsinfrastruktur, vor allem in das Leitungsnetz, erst einmal nicht in Angriff genommen werden. Dazu gehört auch die geplante Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem Hochbehälter in Willroth, die perspektivisch dazu führen soll, dass das KWW künftig zumindest einen kleinen Teil seines hohen Strombedarfs selbst decken kann.
Für die SPD-Fraktion führte Horst Rasbach im Kreistag aus, dass sich der Strompreis verdreifacht hat und man „wohl oder übel gezwungen“ wird, den Wasserpreis rückwirkend anzupassen. „Wir kommen an einer Erhöhung nicht vorbei, aber müssen es mit Augenmaß machen“, forderte er. Ähnlich sprach Viktor Schicker (CDU) davon, „dass uns nichts anderes übrigbleibt, als den Verlust auf ein haushaltsrechtlich vertretbares Maß zu reduzieren“. „In der Privatwirtschaft würde man kräftig auf die Bremse treten, den Leistungsbezug herunterfahren, das Kundenportfolio anschauen und nicht auskömmliches Geschäft kappen. Das darf das Kreiswasserwerk aber nicht. Es hat einen öffentlichen Versorgungsauftrag. Wasser ist ein Lebensmittel. Daher können wir nur auf Sicht fahren“, machte er deutlich.
