Leserbrief zum Thema Abstand halten und geltende Coronaverordnungen
Mainz bleibt Mainz – auch in der Krise
Jetzt befinden wir uns seit fast einem Jahr in der schwersten Krise weltweit seit dem 2. Weltkrieg. Das öffentliche und gesellschaftliche Leben ist nahezu zum Erliegen gekommen. Wir alle sehen in diesen Einschränkungen aber einen tieferen Sinn, um uns und vor allem andere zu schützen. Gerade in den letzten Wochen aber haben wir festgestellt, dass die, die uns führen sollen, mit all ihren Fehlern tatsächlich auch nur Menschen sind. Fehlerhafte Bestellung von Impfstoff, Chaos bei der Terminvergabe, schleppende Auszahlungen von finanziellen Hilfen, Schulen auf, Schulen zu, usw. Die Friseure macht man ab dem 1. März wieder auf, um den Menschen wieder Würde zu geben (Markus Söder), die man ihnen dann vorher wohl genommen hat. Kurzum, es läuft manches nicht so, wie man sich ein Krisenmanagement vorstellt und nun wird vehement auch noch vor den Mutationen gewarnt. Wer aber jetzt glaubt, diese massiven Einschränkungen im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben würde alle treffen, der sieht sich getäuscht. Ein Beispiel ist der Profifußball. Ein weiteres ist auch der Karneval. Bundesweit finden keine Sitzungen, keine Veranstaltungen und sonstiges statt. Millionen von Karnevalisten halten sich schweren Herzens daran. Nur die Mainzer nicht. Mit größter Verwunderung und Verärgerung habe ich am Freitag, 12.02. sehen müssen, dass manche offenbar doch „gleicher“ sind oder wie es Helmut Schmidt einmal gesagt hat: „In der Krise zeigt sich der Charakter“.
Im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz hielt Sitzungspräsident Schmitt wie immer Hof, und dazu gesellten sich Auftritte, ein dezimierter Elferrat und auch offenbar abgezähltes Publikum, abstandsgemäß zwischen Pappkameraden. Ein bunter Reigen an Verstößen gegen die geltende Coronaverordnung war zu sehen, angefangen bei der fraglichen Zulassung einer solchen Veranstaltung nach der aktuellen Coronaverordnung. Beispielhaft sei genannt, dass bei öffentlichen Zusammenkünften in geschlossenen Räumen eine Maskenpflicht gilt. So denn Abstand gewahrt wurde, ist nämlich zu hinterfragen, warum die teilnehmenden Akteure fast drei Stunden lang ihre Aeorsole in den Raum pusten durften, während wir alle selbst auf einem Parkplatz an einem Einkaufsmarkt eine Maske anziehen müssen. Hier hilft vielleicht die Aussage des Sitzungspräsidenten Schmitt, der belustigend äußerte, dass er bei den Proben ständig getestet wurde. Gleiches dürfte für alle anderen Akteure gegolten haben. Also ein Umstand, von dem Lehrer und Erzieher nur träumen können. Und auch der Gesang kam nicht zu kurz. Während bundesweit sämtlicher Chorgesang, auch in Kirchen, untersagt ist, konnte man am Ende der Sitzung sehr schön sehen, wie alle Teilnehmenden lauthals, natürlich ohne Maske und Trennwände, noch zwei, drei Lieder miteinander sangen. Insbesondere der Titel der Mainzer Hofsänger „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ dürfte denen, die nicht mehr wissen, wie sie ihr Leben bestreiten sollen, das Herz erwärmt haben, um es mal sarkastisch auszudrücken. Vermutlich war dies eine Veranstaltung nach dem Motto, dass das Volk in der Krise Belustigung braucht. Da ich unterstelle, dass die Stadt Mainz als zuständige Ordnungsbehörde diese Veranstaltung, warum auch immer, genehmigt hat, hätte ich mir mehr Fingerspitzengefühl gewünscht, denn bei jeder Hochzeit und bei jeder Beerdigung dürfen weit weniger Menschen teilnehmen, und das Signal an die Menschen ist ein denkbar schlechtes.
Um zum Schluss nochmal auf die maskenlosen, über Stunden ausgepusteten Aerosole zurückzukommen: Mir ist jetzt nicht bekannt, ob die betreffende Räumlichkeit im Kurfürstlichen Schloss über eine Luftreinigungsanlage verfügt. Damit könnte man eventuell begründen, warum keine Masken getragen wurden. Für die rund 1000 Grundschüler*innen und Lehrer im Maifeld haben wir bereits im November 2020 für jeden der 66 Klassenräume eine Luftreinigungsanlage (WOLF, pro Stück 3000 Euro) angeschafft, plus die entsprechende Anzahl CO2-Warner. Insgesamt haben wir mit allen politischen Parteien und Gruppierungen im Maifeld in kürzester Zeit 250.000 Euro ausgegeben. Damit ist ein nahezu risikoloser Wechselunterricht machbar, ohne das alle 20 Minuten gelüftet werden muss und die Kinder während des Unterrichts Masken tragen müssen.
Auf meine Anfrage hin wurde dies in Bezug auf die Masken von den zuständigen Behörden in Mainz abgelehnt mit dem Verweis auf die kursierenden Mutationen und dem Umstand, dass die Kinder ihre Aerosole in den Raum abgeben und man erst behutsam ab dem 22. März öffnen wolle, um dann ggf. dies später nochmal in den Blick zu nehmen.
Ich konnte dieser Begründung bis Freitagabend folgen.
Maximilian Mumm
Bürgermeister
