Verabschiedungen im Rheinbacher Stadtrat
Mehrere langjährige und verdiente Ratsmitglieder gehen in den Ruhestand
Neue Wahlperiode bringt einen umfassenden Generationswechsel im Rheinbacher Stadtrat - Bürgermeister dankte seinen beiden Stellvertretern sowie zwölf scheidenden Ratsmitglieder für ihr Engagement
Rheinbach. Die letzte Sitzung des Rheinbacher Stadtrats in der zu Ende gehenden Wahlperiode war geprägt von der Verabschiedung all jener, ehrenamtlicher Kommunalpolitiker, die in der kommenden Amtszeit nicht mehr in den Gremien der Stadt Rheinbach vertreten sind.
„Kommunalpolitik ist nicht immer einfach, sie erfordert viel Zeit und darüber hinaus auch noch ein dickes Fell“, wusste Bürgermeister Stefan Raetz (CDU) in der letzten von ihm geleiteten Ratssitzung. Kommunalpolitiker seien ganz nah dran an den Menschen vor Ort, was auch zur Folge haben, dass sie es als erste ausbaden müssten, wenn irgendwo etwas schieflaufe. Dabei sei das Ziel für alle gleich, unabhängig von der politischen Couleur: „Wir wollen für die Bürger da sein und die Stadt nach vorne bringen, denn das Gemeinwohl ist der entscheidende Maßstab.“
Zunächst waren die beiden stellvertretenden Bürgermeister an der Reihe.
Claus Wehage (fraktionslos, früher CDU) ist seit 1989 Mitglied im Stadtrat. Von 1999 bis 2009 war er zweiter und ist seit 2009 erster Vizebürgermeister. Darüber hinaus engagierte er sich in zahllosen Ausschüssen und vertrat die Stadt in mehreren Beiräten. Ihm wurde das Bundesverdienstkreuz am Bande ebenso verliehen wie der Ehrenring der Stadt Rheinbach. Wehage habe sich mit Vorliebe in Arbeitskreisen engagiert und so zahlreiche Dinge mit auf den Weg gebracht, so Raetz, der seinen scheidenden Stellvertreter so charakterisierte: „Er ist einer von der alten Schule, der alles zu mehr als 100 Prozent vorbereitet, damit es ganz sicher klappt.“
Karl-Heinrich „Kalle“ Kerstholt (SPD) ist ebenfalls seit 1989 Mitglied im Stadtrat. Von 1999 bis 2004 war er dritter stellvertretender Bürgermeister und ist seit 2014 zweiter Vizebürgermeister. Außerdem war er Ortsvorsteher in Neukirchen von 2011 für 2014. Vor allem die Arbeit für das Jugendrotkreuz habe ihm immer sehr am Herzen gelegen, zudem habe er sich immer stark für soziale Belange eingesetzt. Er erhielt ebenfalls das Bundesverdienstkreuz und den Ehrenring der Stadt Rheinbach. Raetz bewunderte den tatkräftigen Handwerker: „Wenn noch irgendwas anzupacken war bei einem Termin, hat er das auch noch gleich mit erledigt.“
Ein glattes Dutzend Stadtratsmitglieder wurde ebenfalls vom Bürgermeister verabschiedet, darunter einige langjährige und verdiente Kommunalpolitiker. „Damit wird klar, dass in der neuen Wahlperiode ein echter Generationenwechsel stattfindet“, so Raetz.
Klaus Beer (fraktionslos, früher CDU) ist seit 2004 Mitglied im Stadtrat und war zudem von 2015 bis 30. Juni 2020 Ortsvorsteher von Wormersdorf. Er habe sich sehr für die Vereine und in den Vereinen seines Heimatortes Wormersdorf eingesetzt, lobte ihn Raetz.
Bernd Beißel (CDU) hat fast fünf Jahrzehnte im Rheinbach Stadtrat verbracht, in denen er 1975 als Mitglied der Jungen Union gewählt wurde und als Mitglied der Senioren-Union jetzt in den kommunalpolitischen Ruhestand geht. Von 1999 bis 2017 war das dienstälteste Ratsmitglied nach dem Krieg, CDU-Fraktionsvorsitzender und zehn Jahre zuvor bereits Stellvertreter. 1997 erhielt er den Ehrenring der Stadt Rheinbach und 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er habe sich stark für die Integration der Aussiedler engagiert, außerdem habe der langjährige Schulleiter der Hauptschule die Jugendpolitik ebenso geprägt wie die Wirtschaftsförderung. Er sei nie unumstritten gewesen, habe dadurch aber auch die Pfeile der politischen Gegner auf sich gezogen und in einer schwierigen Zeit eine große Fraktion zusammengehalten. „Er hat immer weitergedacht als nur bis morgen und Entscheidungen mit Zukunft auf den Weg gebracht“, so Raetz.
Dietmar Danz (SPD) war in den letzten Jahren einer seiner Gegenspieler, der Sozialdemokrat ist seit 2013 im Stadtrat und seit 2014 als Nachfolger Beißels Vorsitzender des Ausschusses für Schule, Bildung und Sport. Er habe sich immer sehr intensiv mit den Vorlagen der Verwaltung beschäftigt. „Wir haben uns hin und wieder mal gekabbelt, aber das hatte immer mit der Sache zu tun und war nie persönlich“, so Raetz.
Uwe Federholzner (CDU) war nur kurz seit 15. Juni 2020 im Stadtrat, „aber seine kommunalpolitische Zeit kommt noch“, war Raetz überzeugt.
Birgit Formanski (SPD) sei die „Grande Dame der SPD und die Marie Curie der Stadt Rheinbach“, berichtete Raetz. Mit ihren interessanten Vorträgen zur Historie der Stadt habe sie vielen Menschen eine Freude gemacht und bemerkenswerte Geschichten von Menschen recherchiert. Sie gehört dem Stadtrat seit 1999 an und war bis 2018 SPD-Fraktionsgeschäftsführerin. 2019 erhielt sie den Ehrenring der Stadt Rheinbach.
Andreas Gebert (fraktionslos, früher CDU) ist seit 2009 Stadtratsmitglied und schaue sich die Welt gern auf den Kopf an, scherzte Raetz, denn das Markenzeichen des sportlichen Flerzheimers sei sein Kopfstand.
Karsten Logemann (FDP) ist ebenfalls seit 2009 im Stadtrat und seit 2013 Vorsitzender des Ausschusses für Standardförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Zudem ist er Vorsitzender der FDP-Fraktion. „Logemann hat das Bild der Rheinbacher FDP nach außen maßgeblich geprägt und ist immer akkurat auf die Sitzungen vorbereitet“, lobte ihn Raetz. Besonders hoch sei es dem Berufssoldaten anzurechnen, dass er jahrelang von Rostock nach Rheinbach gependelt sei, um seine kommunalpolitischen Aufgaben wahrzunehmen.
Michael Schneider (UWG, früher CDU) war von 1994 bis 1999 schon einmal im Stadtrat und rückte Anfang 2019 für David Maaß nach. „Er kommt immer wieder zurück“, war Raetz überzeugt, dass dies nicht sein letztes Gastspiel war. Installateurmeister Schneider sei die Stimme der Handwerker im Rat gewesen.
Joachim Schollmeyer (Grüne) war 2004 der erste grüne Ratsherr in Rheinbach und führt seine Fraktion bis heute als Fraktionsvorsitzender. Er habe sich nie zurückgehalten bei Nachfragen und Meinungsäußerungen, „sie waren mehr als ein grüner Farbtupfer im Rat“, resümierte der Bürgermeister anerkennend. Das Mandat bleibe allerdings in der Familie, denn seine Ehefrau Urte Seiffert-Schollmeyer wird seine Nachfolgerin.
Joachim Steig (SPD) gehört dem Stadtrat seit 2015 an und war ebenfalls in zahlreichen Ausschüssen aktiv. Der ehemalige Ministerialbeamte habe sich vor den Sitzungen immer intensiv mit den Vorlagen beschäftigt und der Verwaltung so manchen guten Hinweis gegeben.
Winfried „Buddy“ Weingartz (CDU) ist seit 1994 Mitglied des Rates, erhielt 2017 den Ehrenring der Stadt Rheinbach. Dem Gewerkschafter habe der soziale Aspekt stets sehr am Herzen gelegen, er habe sich immer wieder für benachteiligte Gruppen eingesetzt, wusste Raetz. Als Mitbegründer des Nordstadtfestes habe sich der stattliche Sympathieträger nachhaltig in seinem Bezirk eingebracht.
Axel Wilcke (UWG, früher CDU) gehört dem Stadtrat seit 2014 an und wurde gleich Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses. Als finanzpolitischer Sprecher der CDU habe er sich stark mit dem Haushalt der Stadt beschäftigt und wesentlich zur Konsolidierung der Finanzen beigetragen.
Verabschiedet wurden schließlich auch noch die Ortsvorsteher Peter Antkowiak (Flerzheim), Klaus Beer (Wormersdorf), Hans Joachim Bois (Neukirchen), Kurt Brozio (Oberdrees), Dr. Reinhard Ganten (Todenfeld), Holger Klöß (Niederdrees), Ilka Rick (Queckenberg), Dagmar Specht (Ramershoven) und Richard Tenorth (Hilberath).
Im Namen aller Verabschiedeten dankte Vizebürgermeister Claus Wehage dem Bürgermeister und stellte fest: „Wir waren von Herkunft, Beruf und politischer Heimat zu unterschiedlich, um ein Herz und eine Seele zu sein. Aber uns einte das ehrliche Bemühen, unserer Verpflichtung nachzukommen, die Stadt voranzubringen und für unsere Mitbürger dazu sein. Wir waren in sachlichen Fragen wahrlich nicht immer einer Meinung, und es ging bei Diskussionen auch schon mal heftig zu, aber umso wichtiger ist es, sachliche Auseinandersetzung und persönliches Verhalten voneinander zu trennen. Man kann auch mit einem politischen Kontrahenten befreundet sein oder zumindest ein Bier trinken.“ JOST
Foto: Volker Jost
