Leserbrief zum Artikel „Der Einsatz für die Menschenrechte ist nie umsonst“
Menschenrechte sind unverhandelbar
BLICK aktuell Ausgabe 50, Seite 5
Das unermüdliche Engagement von Anmesty International ist unverzichtbar. In diesem Zusammenhang darf an den 1917 in Berlin geborenen (+ 2013), seit 1939 französischen Staatsbürger und Diplomaten Stéphane Hessel erinnert werden, der 2010/2011 die vielbeachtete Streitschrift ‚Empört Euch!‘ vorgelegt hat.
Hessel war Mitglied der Résistance, hat das KZ Buchenwald überlebt und war einer der Mitautoren der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen. In seiner Streitschrift wendet sich der damals 93-Jährige scharf und überzeugend gegen den Finanzkapitalismus/Neoliberalismus, der die Werte der Zivilisation bedroht und den Lauf der Welt diktiert. Hessel kritisiert die Umweltzerstörung auf unserem Planeten und prangert die völlig unbefriedigende Lage der Menschenrechte an. Im Abschnitt ‚Widerstand kommt aus Empörung‘ seiner Streitschrift führt Stéphane Hessel u.a. aus: „Man wagt, uns zu sagen, der Staat könne die Kosten dieser sozialen Errungenschaften nicht mehr tragen. Aber wie kann heute das Geld dafür fehlen, da doch der Wohlstand so viel größer ist als zur Zeit der Befreiung (Anm. d. Verf. = Ende des 2. Weltkrieges), als Europa in Trümmern lag? Doch nur deshalb, weil die Macht des Geldes (...) niemals so groß, so anmaßend, so egoistisch war wie heute, mit Lobbyisten bis in die höchsten Ränge des Staates. In vielen Schaltstellen der wieder privatisierten Geldinstitute sitzen Bonibanker und Gewinnmaximierer, die sich keinen Deut ums Gemeinwohl scheren.
Noch nie war der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten so groß. Noch nie war der Tanz um das goldene Kalb - Geld, Konkurrenz - so entfesselt. (...) Mischt euch ein, empört euch! Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die Intellektuellen, die ganze Gesellschaft dürfen sich nicht kleimachen und kleinkriegen lassen von der internationalen Diktatur der Finanzmärkte, die es soweit gebracht hat, Frieden und Demokratie zu gefährden. (...) Man verbindet sich mit dem Strom der Geschichte, und der große Strom der Geschichte nimmt seinen Lauf dank dem Engagement der Vielen - zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit, wenn auch nicht zur schrankenlosen Freiheit des Fuchses im Hühnerstall.
Die in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (...) von 1948 niedergelegten Rechte sind sinnvoll.
Wann immer sie jemandem vorenthalten werden, und ihr merkt es: Nehmt Anteil, helft ihm, in den Schutz dieser Rechte zu gelangen.“
Wir alle sind mehr denn je aufgerufen uns im Sinne von Stéphane Hessel zu empören und zu handeln.
Helmut Gelhardt,
Neuwied-Engers
