Wirtschaftsrat Rheinland-Pfalz hatte zur Jahrestagung nach Koblenz eingeladen

Mut und Gründergeist entwickeln

Gastrednerin Julia Klöckner stellte ihre Thesen zu Entwicklung und Zukunft des Mittelstands vor

16.11.2016 - 09:08

Koblenz. Zur Jahrestagung des Wirtschaftsrats Rheinland-Pfalz hatte der Landesvorsitzende Frank Gotthardt, Vorstandsvorsitzender der CompuGroup Medical SE, in das Koblenzer Innovationsforum des Unternehmens geladen. Als Referentin zum Thema „Bessere Chancen für Rheinland-Pfalz – mit neuen Ideen, Innovationsfreude und Mut zu Investitionen“ konnte Julia Klöckner, CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende in Rheinland-Pfalz und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende, gewonnen werden. Nach der Landtagswahl im März 2016 nicht einfach „hingeschmissen“ zu haben, rechnete ihr Gotthardt in seinen einführenden Worten hoch an.


Bevor er Klöckner das Wort überließ, gab er eine Einschätzung der wirtschaftlichen Lage des Landes aus Sicht des Wirtschaftsrats ab. „Einige wenige Ideologen blockieren für unser Land wichtige Entscheidungen“, sagte er und verwies beispielhaft auf die Diskussionen um den Bau der Mittelrheinbrücke. Da gehe es jetzt nicht mehr um ein „Ob“, sondern um ein „Wann“. Die Politik sei dringend gefordert, ein wirtschaftsfreundliches Klima zu schaffen, um das Wirtschaftswachstum in Rheinland-Pfalz, das sich im Vergleich zu anderen Bundesländern in den unteren Rängen bewegt, in ein nachhaltiges und qualitativ hohes, Arbeitsplätze rettendes Wachstum zu wandeln. Für ein Bestehenkönnen im internationalen Wettbewerb und zur Sicherung des Industriestandorts sei es unabdingbar, dem flächendeckenden Breitbandausbau die notwendige Beachtung zu schenken.


Den Menschen die Angst vor Veränderungen nehmen


Julia Klöckner blickte zunächst über den Tellerrand Europas hinweg auf die Präsidentschaftswahl in den USA. Es sei „beachtlich, was in dieser stolzen Nation geschehen ist“, meinte sie, sowohl bezogen auf die erschreckenden, den Wahlkampf begleitenden Parolen als auch auf die hohe Zustimmung für Donald Trump. Ihr Kommentar: „Jede Nation ist für die Politiker verantwortlich, die sie hervorbringt.“ Auf das Ergebnis der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz eingehend, gestand Klöckner ein, „eine Schramme abbekommen“ zu haben, jedoch „abhauen“ sei nicht ihr Ding gewesen, denn „wir brauchen eine starke Opposition, weil wir eine so schwache Regierung in Mainz haben“. Sie rief etliche, von der CDU Rheinland-Pfalz schon früh eingebrachte Vorschläge in Erinnerung, die zunächst abgelehnt worden waren, mittlerweile von der Regierung aber zielgerichtet diskutiert würden. Wie zum Beispiel die Einführung von Flüchtlingskontingenten. Als Nächstes müsse es geschafft werden, die hier lebenden Geflüchteten dem Arbeitsmarkt und nicht der dauerhaften Arbeitslosigkeit zuzuführen. Weil die schnellen Veränderungen in der Gesellschaft vielen Menschen Angst machten, müsse es den Politikern gelingen, die Gedanken und Emotionen der Bürger aufzugreifen. Anderenfalls führe es zu weiterer Polarisierung zwischen „Gutmenschen“ und denen mit weniger christlichem Gesicht. Die Lücke, die sich da auftue, sei leicht von AfD und ähnlich ausgerichteten Parteien nutzbar. Klöckner betrachtet es als Aufgabe der CDU, der Bevölkerung die Ängste vor Veränderungen zu nehmen, indem sie den Wandel so gestalte, dass er den Schrecken für die Menschen verliere. Beispielhaft führte sie die „Genmanipulation“ an. Den Bedenkenträgern und Kritikern hielt sie entgegen, dass die Welt mit den herkömmlichen Produktionsweisen schon in dreißig Jahren nicht mehr zu ernähren sein wird.


Plädoyer für Freihandelsabkommen


Das Land Rheinland-Pfalz, kam Klöckner dann zum Thema ihrer Rede, verfüge mit traditionsreichen mittelständischen Unternehmen und weltweit agierenden Konzernen über eine gesunde Wirtschaftslandschaft. Das Rückgrat der heimischen Wirtschaft bilde jedoch der Mittelstand, zu dem neben vielen anderen auch die CompuGroup zählt.

Ihr CEO Frank Gotthardt stehe geradezu für gelebte Innovationen. Unternehmen wie diesem, die zum Erfolg des Landes von der Spitze aus beitragen, gelte es, den Rücken zu stärken. Genauso sei eine engere Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen, weil ohne Forschung kein Vorankommen möglich sei. Klar positionierte sich Klöckner pro Freihandel. Sie verstehe die Sorge der Menschen angesichts des Freihandels mit den USA und des Welthandels nicht, denn mit einer Exportquote von 54 Prozent sei Deutschland auf Handel angewiesen. Auch zu hohe Standards und zu viel Bürokratie hält die Christdemokratin für wenig förderlich. Sie plädiert anstelle eines steten Misstrauens für Offenheit gegenüber neuen Technologien bei einer gesunden Abwägung ihrer Gefahren und Chancen. Ein zu langes Nachdenken über mögliche Gefahren lasse am Ende womöglich die Mutigeren das Geschäft machen und „unser Wissen nutzen, das wir dann in einigen Jahren teuer zurückkaufen müssen“.


IT-Kompetenz und Datensicherheit verbessern


Das betreffe besonders die IT-Technik und ihre Entwicklung. Schon die Schulen sollten sich öffnen für die „Nerds“ und „Hacker“ unter ihren Schülern, um die im Land bestehenden IT-Kompetenzen zu retten. Zugleich müsse an der Verbesserung der Datensicherheit gearbeitet werden. Denn ein fahrlässiger Umgang mit ihr könne einen Wissensvorsprung (der Unternehmen) schnell den Mitbewerbern zuspielen.

Der dringend benötigte Mut zum Wandel werde vielfach durch den Wohlstand des Landes und die Zufriedenheit mit dem, was ist, ausgebremst. Wagnisse einzugehen und einen gesunden Gründergeist zu entwickeln, daran hindere vor allem junge Leute oftmals ihr ausgeprägtes Sicherheitsdenken und die Angst vor einem möglichen Scheitern. Mit der Bereitstellung von Risikokapital für Start-ups will Klöckner dem entgegenwirken. Zur Förderung der klugen Köpfe, die das Land braucht, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sei ein gutes Bildungsangebot vonnöten. Die berufsbildenden Schulen sollen gestärkt werden, und die schulische Bildung müsse mit einem breiten Spektrum die individuellen Anlagen der Schüler berücksichtigen. Ein Gleichmachen aller sei abzulehnen.

Neben dem Aufstocken der Lehrkräfte im Land forderte Klöckner ein aussagekräftiges Notensystem, mit dem sich der jeweilige Wissens- und Bildungsstand klar ablesen lässt.

Gerne hätte sie, wie sie sagte, noch etliche weitere ihrer politischen Standpunkte vorgestellt, doch ein Folgetermin ließ ihr nicht die Zeit. Gotthardt schloss somit die Veranstaltung und drängte darauf, die angesprochenen Punkte so schnell wie möglich in Angriff zu nehmen. Nachfolgend hatte die CompuGroup Medical SE die rund 150 Tagungs-Teilnehmer zu einem Imbiss eingeladen, der rege für einen Gedankenaustausch genutzt wurde.

BSB

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Kommentare
Gabriele Friedrich:
Klar, den Kindern die Natur beibringen und wie Papier hergestellt wird, das der Regenwald schon abgegrast ist und man achtsam sein muss... und dann bunten Krempel und *bling*bling* aus China kaufen. Oder Fischstäbchen mit wenig Fisch und viel Panade in viel Verpackung. Hauptsache bunt... hört mir doch...
juergen mueller:
Da haben wir es wieder. Andere, wie hier Kinder, inspirieren zu wollen, mit einem tatsächlich wertvollen Material wie Papier sorgsam umzugehen, ihnen näherzubringen, woraus es eigentlich hergestellt wird u. sich selbst dessen ausgiebig u. verschwenderisch zu bedienen, weil man es für ein Festhalten...

„Gedanken...“

Gabriele Friedrich:
Ich kann da auch nichts mit anfangen, schon recht nicht wenn "Gott" genannt ist. Seelsorge -das ist ein Begriff, der die Tatsachen ausblendet, das der Mensch körperliche Leiden hat, existenzielle Sorgen, Probleme mit anderen oder eben einfach nur Hilfe sucht. Der Alltag sieht so aus, das man relativ...
juergen mueller:
Ich persönlich verzichte gerne auf solche Hilfe und das aus einem bestimmten Grund. Jeder, der das liest, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das alles mit Realität nichts zu tun hat. Unter Seelsorge stelle ich mir etwas anderes vor - greifbar, der Realität entsprechend, kein Gelaber von etwas,...
Gabriele Friedrich:
[ Zitat ] „Die Stärke der SPD war es schon immer, zuzuhören und nah bei den Menschen zu sein“ [ Zitat Ende ] Das muss aber mindestens über 50 Jahre her sein,, wenn nicht länger....
juergen mueller:
Klar ist hier garnichts. In Kontakt mit den Bürger*innen zu treten, zuzuhören, nah bei den Menschen zu sein ist keine Stärke der SPD u. war es nie. Selbstlob stinkt nun einmal. 3 Kriterien, die jeder Politiker für sich ins Feld führt, weil sie einfach zum politischen Leben dazugehören, für ihn persönlich...
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