Informationsabend der BI Naturlandschaft Eifel
Nein zum geplanten Gewerbegebiet
Landkern. Gegen ein geplantes Industrie- und Gewerbegebiet in Landkern-Neuhof haben viele Bürgerinnen und Bürger ihre Bedenken geäußert. 1.360 Menschen haben eine Petition unterschrieben, um das sogenannte Interkommunale Gewerbegebiet (IGG) zu verhindern. Jetzt haben vier Experten im Auftrag der Bürgerinitiative für die Naturlandschaft Eifel darüber Auskunft gegeben, weshalb der Standort für ein IGG der falsche ist und warum in der derzeitigen Lage ein neues Gewerbegebiet in der Verbandsgemeinde Kaisersesch nicht angezeigt ist. Im Waldhotel Kurfürst in Kaisersesch nahmen zum Thema Horst Hoffmann, Reinhard Berwanger (Nabu Landkern) und Agnes Hennen (BUND) Stellung. Moderiert wurde der Informationsabend von der BI-Vorsitzenden Heidrun Hoffmann. Die BI hat in einem Zwölf-Punkte-Programm Argumente zusammengeführt, die gegen den Standort sprechen. Ein wichtiges Argument dagegen ist das 13.000 Quadratmeter große Wäldchen an der Kreuzung der L100 mit der L52 in Richtung Kaisersesch. Wie Horst Hoffmann ausführte, lagern in einer Tiefe von bis zu zehn Metern militärische Altlasten, die im Fall des Baus eines IGG kostenintensiv geborgen werden müssten. Hoffmann (81) ist Zeitzeuge und hat gesehen, wie die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg Munition und Treibstoffe in diesem Bereich versenkt haben. Später, nachdem der Kampfmittelräumdienst einen Teil der explosiven Stoffe unschädlich gemacht hatte, wurde die Fläche mit Raupen plan gemacht und mit Bäumen bepflanzt. Sollte der gesamte Bereich saniert werden, rechnet Hoffmann mit Kosten für die öffentliche Hand von mehreren Millionen Euro. Noch heute treten bei Ackerarbeiten Munitionsreste zutage.
Reinhard Berwanger, Nabu-Vorsitzender in Landkern, zweifelte den Bedarf für ein IGG an. Angesichts der Tatsache, dass das benachbarte Industrie- und Gewerbegebiet Masburg fast 20 Jahre lang zum Großteil brachgelegen habe, sei eine Flächenversiegelung im Bereich Neuhof nicht verantwortbar. Er erinnerte auch an Starkregenereignisse, die zu Überflutungen führen könnten. Im Bereich des insgesamt 33 Hektar großen Plangebietes seien mit dem Browelsbach und dem Biesselbach zwei Bachquellen. Außerdem erinnerte Berwanger daran, dass unmittelbar am Plangebiet ein Schwarzstorch nistet. Ferner sind in diesem Areal sowohl Wildkatzen als auch Rotmilane – Berwanger sprach von sechs Pärchen – nachgewiesen. Die BUND-Kreisvorsitzende Agnes Hennen hat nachgerechnet und festgestellt, dass allein in der VG Kaisersesch 47 Hektar an Gewerbeflächen unbebaut sind. Insofern sei eine Vorratsplanung ohne konkreten Hintergrund in Neuhof unsinnig. Sie zeichnete die aktuelle Entwicklung in Masburg auf, wo der künftige Eigentümer des Gros der Fläche den Boden bereite für einen Hallenbauer. Der errichte eine Halle von mehreren Hektar Größe, ohne dass zurzeit feststehe, wer einzieht. Das dürfte, mutmaßt Agnes Hennen, ein Logistiker sein, der nur Billigarbeitsplätze mitbringen. So etwas müsse in Neuhof verhindert werden. Der BUND steht, wie bei Marina Weingarten in Zell, mit Rat und Tat zur Seite. Die BI-Vorsitzende Heidrun Hoffmann sagte, viele Menschen in Landkern seien gegen die Versiegelung von Flächen und die Aufgabe von recht fruchtbaren Äckern. 305 Landkerner haben mit ihrer Unterschrift dokumentiert, dass sie dagegen sind. In den Ortsteilen Neuhof und Schöne Aussicht wohnen lediglich 90 Erwachsene. Im Gemeinderat Landkern ist angekündigt worden, dass wohl noch in diesem Jahr die grundsätzliche Entscheidung pro oder kontra fallen wird. Heidrun Hoffmann ist überzeugt davon, dass die Ratsmitglieder, die sich intensiv mit der Materie seit zwei Jahren befasst haben, eine Entscheidung treffen werden, die sich am Wohl der Menschen orientiert.
Als nächste Aktion plant die BI in Kürze einen Waldspaziergang im Gebiet, an dem alle Bürgerinnen und Bürger gern teilnehmen dürfen. Dabei werden die Eigenheiten des Gebietes, auch in puncto Fauna und Flora, erläutert.
Pressemitteilung
BI Naturlandschaft Eifel
