Historische Walnussallee erhalten
Niederlahnstein. Geld verdirbt den Charakter – und manchmal auch den Blick auf die Geschichte.
aus Lahnstein
Hier ein unveränderter Ausschnitt der europaweiten Ausschreibung der Stadt Lahnstein für die Neugestaltung des Rheinufers in Niederlahnstein, ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb. Nachzulesen im deutschen Vergabeportal.
Die bestehende Walnussbaum-Allee wird als ortsbildprägendes Natur- und Kulturgut integriert, erhalten und gesichert. Historischer Hintergrund zur Walnussbaum-Allee: Die Walnussallee in Niederlahnstein entlang der Rheinpromenade hat eine lange und bedeutende Geschichte. Sie erstreckt sich über etwa 1 bis 1,5 Kilometer und besteht fast ausschließlich aus Walnussbäumen, von denen einige mehr als 100 Jahre alt sind. Diese Allee war früher nicht nur ein idyllischer Spazierweg, sondern auch ein Ort, an dem die Einwohner von Niederlahnstein Bäume ersteigern konnten, um die Nüsse zu ernten und zu verkaufen. Diese Tradition prägte das soziale Leben der Stadt und war ein wichtiger Bestandteil der lokalen Wirtschaft. Heute ist die Allee ein geschütztes Kulturgut und ein beliebter Ort für Spaziergänge mit herrlichem Blick auf das Schloss Stolzenfels. Die Pflege und der Erhalt der Bäume sind daher ein zentraler Bestandteil der Neugestaltung. Um die biologische Vielfalt zu fördern und gleichzeitig den historischen Charakter der Allee zu bewahren, werden bei Ausfall eines Baumes neue Walnussbäume nachgepflanzt. Dies gewährleistet nicht nur den Erhalt der Allee als Naturdenkmal, sondern trägt auch zur Förderung der Biodiversität bei, indem es eine kontinuierliche Lebensgrundlage für verschiedene Tierarten bietet.
Eine Walnussbaum-Allee, über 100 Jahre gewachsen, ortsbildprägend und Teil der Geschichte Niederlahnsteins – soll erhalten, gepflegt und bei Ausfall nachgepflanzt werden. So steht es auf dem Papier.
Und nun ein bisschen etwas zur recherchierten Geschichte der Walnussbaum-Allee.
Die Befestigung des Rheinuferwegs durch Bäume und Pflanzen war in der nassauischen Epoche zwischen 1821 und 1849 in der Gemarkung Niederlahnstein ein zentrales und kostengünstiges Element des Wasser- und Wegebaus. Da rein steinerne Ufermauern extrem teuer waren, setzte die nassauische Landesregierung im Verbund mit der Gemeinde Niederlahnstein auf eine Kombination aus lebenden Ufergehölzen und Ingenieurbiologie. Dabei gab es eine strikte Aufteilung nach Baumarten und Zweckmäßigkeit, um den sensiblen Leinpfad (Treidelweg) vor den Fluten zu schützen.
Aus dieser rein funktionalen Schutzbepflanzung der nassauischen Zeit entwickelten sich im späten 19. und 20. Jahrhundert die typischen Uferalleen am Rhein. Diese verloren mit dem Ende der Treidelschifffahrt ihren Zweck als Betriebsschutz und wurden zu den heutigen
In der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und von Müffling (1803 – 1820 sind links und rechts des Weges Punkte im gleichen Abstand eingezeichnet. Das bedeutet in der Regel Baumreihen oder eine Allee.
Man kann davon ausgehen, die Verordnungen der nassauischen Epoche ab 1817 legten den Grundstein für das heutige Landschaftsbild: Die markante Baumreihe aus Walnussbäumen am Niederlahnsteiner Rheinufer ist der direkte, über Generationen hinweg nachgepflanzte Nachfahre dieser nassauischen Wegebau- und Bepflanzungspolitik des 19. Jahrhunderts.
Doch wenn eine in 200 Jahren gewachsene Allee plötzlich dem Rotstift, Bauplänen oder vermeintlichem Fortschritt im Weg stehen, stellt sich die Frage:
Was ist uns unsere Geschichte eigentlich wert?
Denn Bäume kann man neu pflanzen. 200 Jahre Geschichte nicht.
Und manchmal zeigt sich der Charakter einer Stadt nicht daran, was sie neu baut – sondern daran, was sie bereit ist zu erhalten.
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Walnussbaum-Allee Foto: Judith Knoche