Politik | 01.10.2026, 17:40 Uhr

Historische Walnussallee erhalten

Niederlahnstein. Geld verdirbt den Charakter – und manchmal auch den Blick auf die Geschichte.

Walnussbaum-Allee
278

Hier ein unveränderter Ausschnitt der europaweiten Ausschreibung der Stadt Lahnstein für die Neugestaltung des Rheinufers in Niederlahnstein, ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb. Nachzulesen im deutschen Vergabeportal.

Die bestehende Walnussbaum-Allee wird als ortsbildprägendes Natur- und Kulturgut integriert, erhalten und gesichert. Historischer Hintergrund zur Walnussbaum-Allee: Die Walnussallee in Niederlahnstein entlang der Rheinpromenade hat eine lange und bedeutende Geschichte. Sie erstreckt sich über etwa 1 bis 1,5 Kilometer und besteht fast ausschließlich aus Walnussbäumen, von denen einige mehr als 100 Jahre alt sind. Diese Allee war früher nicht nur ein idyllischer Spazierweg, sondern auch ein Ort, an dem die Einwohner von Niederlahnstein Bäume ersteigern konnten, um die Nüsse zu ernten und zu verkaufen. Diese Tradition prägte das soziale Leben der Stadt und war ein wichtiger Bestandteil der lokalen Wirtschaft. Heute ist die Allee ein geschütztes Kulturgut und ein beliebter Ort für Spaziergänge mit herrlichem Blick auf das Schloss Stolzenfels. Die Pflege und der Erhalt der Bäume sind daher ein zentraler Bestandteil der Neugestaltung. Um die biologische Vielfalt zu fördern und gleichzeitig den historischen Charakter der Allee zu bewahren, werden bei Ausfall eines Baumes neue Walnussbäume nachgepflanzt. Dies gewährleistet nicht nur den Erhalt der Allee als Naturdenkmal, sondern trägt auch zur Förderung der Biodiversität bei, indem es eine kontinuierliche Lebensgrundlage für verschiedene Tierarten bietet.

Eine Walnussbaum-Allee, über 100 Jahre gewachsen, ortsbildprägend und Teil der Geschichte Niederlahnsteins – soll erhalten, gepflegt und bei Ausfall nachgepflanzt werden. So steht es auf dem Papier.

Und nun ein bisschen etwas zur recherchierten Geschichte der Walnussbaum-Allee.

Die Befestigung des Rheinuferwegs durch Bäume und Pflanzen war in der nassauischen Epoche zwischen 1821 und 1849 in der Gemarkung Niederlahnstein ein zentrales und kostengünstiges Element des Wasser- und Wegebaus. Da rein steinerne Ufermauern extrem teuer waren, setzte die nassauische Landesregierung im Verbund mit der Gemeinde Niederlahnstein auf eine Kombination aus lebenden Ufergehölzen und Ingenieurbiologie. Dabei gab es eine strikte Aufteilung nach Baumarten und Zweckmäßigkeit, um den sensiblen Leinpfad (Treidelweg) vor den Fluten zu schützen.

Aus dieser rein funktionalen Schutzbepflanzung der nassauischen Zeit entwickelten sich im späten 19. und 20. Jahrhundert die typischen Uferalleen am Rhein. Diese verloren mit dem Ende der Treidelschifffahrt ihren Zweck als Betriebsschutz und wurden zu den heutigen

In der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und von Müffling (1803 – 1820 sind links und rechts des Weges Punkte im gleichen Abstand eingezeichnet. Das bedeutet in der Regel Baumreihen oder eine Allee.

Man kann davon ausgehen, die Verordnungen der nassauischen Epoche ab 1817 legten den Grundstein für das heutige Landschaftsbild: Die markante Baumreihe aus Walnussbäumen am Niederlahnsteiner Rheinufer ist der direkte, über Generationen hinweg nachgepflanzte Nachfahre dieser nassauischen Wegebau- und Bepflanzungspolitik des 19. Jahrhunderts.

Doch wenn eine in 200 Jahren gewachsene Allee plötzlich dem Rotstift, Bauplänen oder vermeintlichem Fortschritt im Weg stehen, stellt sich die Frage:

Was ist uns unsere Geschichte eigentlich wert?

Denn Bäume kann man neu pflanzen. 200 Jahre Geschichte nicht.

Und manchmal zeigt sich der Charakter einer Stadt nicht daran, was sie neu baut – sondern daran, was sie bereit ist zu erhalten.

Weitere Themen

Walnussbaum-Allee Foto: Judith Knoche

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Imageanzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Gesundheit im Blick // Anzeige Kinder
Gesundheit im Blick
Sonderseiten Wohnträume Kombi  WT Kreis AW
Heimat aktiv erleben 2026
Empfohlene Artikel
GRÜNE Mayen-Vordereifel unterstützen den Queeren Stammtisch.
73

Mayen. Die GRÜNEN in Mayen und der Vordereifel begrüßen die Einrichtung eines neuen Queeren Stammtisches in Mayen. Nach langer Zeit gibt es damit für queere Menschen in der Region wieder eine Möglichkeit, sich auszutauschen und kennenzulernen.

Weiterlesen

Sabine Steffens und Günter Groß vor dem Containerbau der Kita Kastanienplatz in Friedrichssegen.
118

Lahnstein. CDU-Ratsmitglieder begeistert von der Kita Kastanienplatz Am Tag der offenen Tür der Kita Kastanienplatz in Friedrichssegen machten sich die CDU-Ratsmitglieder Sabine Steffens und CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Groß ein Bild von der aktuellen Einrichtung.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Erntedank Feeling
628

Andernach. First Friday im goldenen Herbst Wenn Kürbisse die Straßen säumen, warmes Licht über die Fassaden wandert und der Herbst mitten in der Stadt Einzug hält, dann zeigt Andernach einmal mehr, wie schön Gemeinschaft sein kann. Der First Friday „Erntedank“ hat den Anfang des Oktobers in eine stimmungsvolle Herbstwelt verwandelt.

Von Birgit Hohmann aus Andernach

Weiterlesen