Politik | 20.02.2017

Prozess zum Fall Niklas P. fortgesetzt - Beweislage weiterhin schwierig

Niklas Freund ist sich 100-prozentig sicher: Walid S. ist der Schläger gewesen

Die beiden Angeklagten neben ihren Verteidigern. Foto: Archiv/DL

Bonn. Mit der Befragung eines Hauptbelastungszeugen ist am Mittwoch, 15. Februar, am Bonner Landgericht der Prozess um den zu Tode geprügelten Niklas fortgesetzt worden. Gehört wurde am fünften Verhandlungstag zunächst der 19-jährige Freund des Getöteten, der detailliert schilderte, wie die beiden Jugendlichen mit vier Mädchen nach dem Konzert in der Rheinaue Anfang Mai mit dem Bus zum Bad Godesberger Bahnhof gefahren waren, um von dort mit dem Zug nach Hause zu fahren. „ Am Bahnhof haben wir uns von Niklas Schwester und einer Freundin verabschiedet. Danach ist uns am Rondell die Gruppe mit fünf jungen Männern aufgefallen, die dort auf den Bänken saßen“, so der Schüler. Weil Niklas und er befürchteten, dass die Mädchen belästigt werden könnten, hätten sie ihnen geraten, außen am Rondell vorbeizugehen. „Wir selber hatten uns schon zu weit der Gruppe genährt, so dass es auffällig gewesen wäre, wenn wir zu dem Mädchen zurückgegangen wären, um eine Bogen um sie zu machen“, erinnerte er. Fast seien sie an der Gruppe vorbei gewesen, als sie von einem der fünf angesprochen worden: „Komm mal kurz her.“ Als sie nicht reagiert hätten, sei der Satz gefallen: „Komm her, sonst f*** ich dich!“

Dann habe ein weiß gekleideter junger Mann, den der Zeuge als Roman W. bezeichnete, den Pöbler zurückgehalten. „Als ich mich vor Niklas gestellt habe, kam der Weiße dann auf mich zugestürmt und schlug mir mit der Faust ins Gesicht“, sagte der Zeuge. Anschließend sei er auch von dem jungen Mann, der ihn zuerst angepöbelt habe, attackiert worden. „Ja, ich habe zurückgeschlagen“, gestand er ein. Dann sei Walid auf Niklas zugegangen. Sein Freund habe gefragt, ob man nicht mal eine rauchen können. Noch bevor er den Satz zu Ende habe sprechen können, sei auch schon der Faustschlag gekommen. „Niklas ist in sich zusammengesackt wie jemand, der sich auf’s Bett fallen lässt“, so der 19-Jährige. Als er seinen Freund an den Armen habe wegziehen wollen, habe Walid mit seinem Trekking-Schuh diesem „mit Vollspann“ gegen den Kopf getreten.

Zu 100 Prozent sicher

Die Frage des Kammervorsitzenden Volker Kunkel, ob er Walid im Gerichtssaal wiedererkenne, brachte den Zeugen in Schwierigkeiten. Es kostete ihn sichtlich Überwindung, dem Mann in die Augen zu sehen, in dem er zu 100 Prozent denjenigen erkennt, der den Tod seines Freundes verursacht hat. Einem Bekannten, mit dem er sich vor seiner Aussage über den Prozess unterhalten hatte, hatte er erklärt: „Meine größte Sorge ist, dass ich den Verstand verliere, wenn ich die beiden sehe!“ Denn auch den zweiten Angeklagten belastete der 19-Jährigen massiv. Roman sei hundertprozentig der Weißgekleidete, der nach Walids Tritt angestürmt gekommen sei, um auch zu treten. „Ich habe ihn weggeschubst und da hat eins der Mädchen von ihm einen Schlag ins Gesicht bekommen“, erinnerte er. Der Weiße habe noch etwas zu den Mädels gesagt und sei dann mit einem anderen durch den Tunnel Richtung Stadt, die drei anderen über die Rheinallee geflüchtet. Er sei hinterhergerannt, habe aber keinen mehr gesehen. Dann sei er zur Wohnung von Niklas‘ Schwester gelaufen, um diese zu informieren. „Als ich wieder am Tatort eingetroffen bin, waren schon Polizei und Notarzt vor Ort“, so der Schüler. Als er erfahren habe, dass Niklas wiederbelebt werden müsse, sei für ihn absolut Schluss gewesen. „Ich war total traumatisiert“, erinnerte der 19-Jährige.

Zeuge will Walid erkannt haben

Woran er Walid den erkenne, will dessen Verteidiger Martin Kretschmer wissen. An den krausen, seitlich kurzen Haaren, an der Gesichtsform und am Kinnbart, so der Freund von Niklas, der bei der Polizei noch von einem Vollbart gesprochen hatte. Es habe sich wohl eher um einen sehr dunklen Dreitagebart gehandelt, räumte er am Mittwoch ein. Als Täter identifiziert hatte er den mittlerweile 21-Jährigen bei seiner fünften Vernehmung. Schon in der Tatnacht habe ihm die Polizei insgesamt rund 700 Fotos von möglichen Tätern in vier Sequenzen vorgelegt und bei jeder sei Wald mit dabei gewesen, hielt der Anwalt dem Zeugen vor. Unmittelbar nach dem Vorfall sei er völlig neben sich, „gedanklich zu beschäftigt“ gewesen und kurz vor der zweiten Vernehmung habe er von Niklas‘ Schwester erfahren, dass sein Freund hirntot sei, erklärte der Schüler.

Angeklagter identifiziert

„Ich habe von Bekannten aus Bad Godesberg zahlreiche Fotos von möglichen Verdächtigen geschickt bekommen und auch selbst Nachforschungen angestellt“, so der Zeuge. Außerdem hätte der Freundeskreis von Niklas eine Whatsapp-Gruppe gegründet, um sich gegenseitig zu informieren. Auf so einer App von Niklas‘ Schwester sei auch ein Foto von Walid dabei gewesen. Da habe es bei ihm „klick“ gemacht, so dass er den inzwischen 21-Jährigen bei der Vernehmung am 17. Mai als Schläger ebenso eindeutig identifiziert habe, wie er in Roman den „Weißen“ eindeutig erkennen würde. „Ich würde nie jemand zu Unrecht belasten. Ich bin mir 100-prozentig sicher“, erklärte er.

19-Jährige seit Vorfall in psychologischer Behandlung

Während Niklas‘ Freund die vierstündige Befragung relativ gut überstanden hatte, musste die 19-jährige Frau, die den Schlag von dem weiß gekleideten Mann abbekommen hatte, am Nachmittag sichtlich um Fassung ringen. Seit dem Vorfall am Bad Godesberger Rondell ist sie wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in psychologischer Behandlung, ihre Erinnerungen an die Nacht sind nur noch bruchstückhaft. An den Tritt könne sie sich zwar noch erinnern, den Faustschlag habe sie aber nur aus dem Augenwinkel gesehen. „Niklas ist einfach so zusammengesackt, ohne sich abzustützen. Den, der geschlagen und getreten hat, habe ich nie richtig wahrgenommen“, erklärte sie mit erstickter Stimme. Aber dass Roman der weiß gekleidete Mann ist, der sie geschlagen habe, da sei sie sich ganz sicher. Sie habe ihn auf einem Foto bei der Polizei wiedererkannt. „Ich habe gezittert, als ich das Bild sah“, sagte die junge Frau, die weinend zusammenbrach, als die Verteidiger sie hinsichtlich vermeintlicher Widersprüchen in ihren Aussagen bei der Polizei und vor Gericht unter Druck setzten. Tränen im Zeugenstand gab es auch am Freitag immer wieder bei der Aussage der zweiten Zeugin. „Meine Erinnerungen sind sehr verschwommen“, erklärte sie, sie erkenne niemanden.

Verteidiger sehen Zweifel

Für Martin Kretschmer und Peter Krieger bestehen erhebliche Zweifel, dass die beiden Mittwoch-Zeugen ihre Mandanten als tatsächliche Täter wirklich erkannt haben. So sei der 19-jährige Schüler aus Bad Breisig im Verlauf der Ermittlungen schließlich auch sicher gewesen, zwei andere Tatbeteiligte identifiziert zu haben, was sich später dann als Irrtum herausgestellt habe. Man habe sich Fotos potenzieller Täter in Whatsapp-Chats und auf Facebook-Profilen angeschaut und sei dadurch beeinflusst worden, weil man die Angeklagten auf diese Weise schon mehrfach im Kreis der Verdächtigen gesehen hätten. Entsprechend stellte die Polizei auf Antrag der Rechtsanwälte die Handys von Niklas Freund und von der Freitags-Zeugin sicher, damit diese hinsichtlich der kursierenden Fotografien mutmaßlicher Täter ausgewertet werden können.

DL

Die beiden Angeklagten neben ihren Verteidigern. Foto: Archiv/DL

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