Politik | 19.12.2017

Zum Gedenken an Sinti und Roma

OB Hofmann-Göttig: In Koblenz wird Toleranz gelebt

Kranzniederlegung als Appell, dass die Erinnerung an das Geschehene weiterlebt

Jacques Delfeld erinnerte die Anwesenden an die Grauen von 1943.

Koblenz. Am vergangenen Sonntag legte der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, Jacques Delfeld, zusammen mit dem Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig sowie einigen Familienmitgliedern der Koblenzer Familie Reinhardt am Gedenkstein für die ermordeten Sinti und Roma am Peter-Altmeier-Ufer einen Kranz nieder.

Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig mahnte in seiner Begrüßung, dass dieses Thema nicht in Vergessenheit geraten dürfe, sondern zukünftig ein solches Verbrechen an der Menschheit verhindert werden muss. Im Bezug auf Koblenz meinte er: „Koblenz ist eine Stadt, in der nicht nur über Toleranz gesprochen wird, sie wird auch in dieser Stadt gelebt. Das beste Beispiel für die gelebte Toleranz ist Familie Reinhardt, allen voran Django Reinhardt, der mit seiner Musik und seinem sozialen Engagement viel zum Zusammenleben in Koblenz beiträgt. Die Kranzniederlegung ist ein Appell, dass die Erinnerung an das Geschehene weiterlebt“.

Im Anschluss an die Rede des Oberbürgermeisters bedankte sich Jacques Delfeld für die Worte und erinnerte die Anwesenden noch einmal an das Geschehene: „Am 16. Dezember vor 75 Jahren wurde von dem damaligen „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler mit dem sogenannten „Auschwitz-Erlass“ angeordnet, dass alle Sinti und Roma, die sich im Machtbereich der Nationalsozialisten befanden, direkt in das Konzentrationslager Auschwitz verbracht werden sollten. Angesichts der Kriegsereignisse war Eile geboten, sodass die sofortige Umsetzung des Erlasses angeordnet wurde.

Bereits im Morgengrauen des 10. März 1943 wurden die Koblenzer Bürger aus ihren Häusern geholt und an mehreren Orten im Stadtgebiet gesammelt. Von der damaligen Polizeistation an der Liebfrauenkirche wurden sie in Lastwagen zum Hauptbahnhof gefahren. Die Sinti aus der Umgebung waren bereits einen Tag zuvor in die Stadt gebracht worden. 149 Männer, Frauen und Kinder wurden in die bereitstehenden Waggons der Reichsbahn gestoßen.“ In seiner Rede erinnerte er auch an den im vergangenen Jahr verstorbenen Daweli Reinhardt, der als Überlebender von Auschwitz einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung und Verständigung zwischen Sinti und Nicht Sinti geleistet hat. „Daweli Reinhardt gehörte zu den bekanntesten Gitarristen seiner Zeit und konnte in den

60-iger Jahren internationale Erfolge feiern. Er wurde als Mitbegründer des deutschen Schnuckenack-Reinhardt-Quintett zu einem der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Sinti-Swing. Sein Name steht wie kaum ein anderer für den kulturellen Beitrag unserer Minderheit zu ihrem Heimatland. Sein Leben für Versöhnung und Verständigung hat hier in Koblenz den Weg dafür bereitet, dass die Sinti aktiv und anerkannt im Leben der Stadt mitwirken. Koblenz ist ein positives Beispiel für die Anerkennung der Sinti und steht somit für ein gutes Miteinander“, so Jacques Delfeld weiter.

Seine große Sorge sieht er in der heutigen Zeit im Anwachsen des Einflusses nationalistischer und populistischer Kräfte, die erneut ein menschenverachtendes „völkisches“ Denken propagieren. Dies birgt seiner Meinung nach für Minderheiten eine gewisse Gefahr, stets in der Rolle des Sündenbocks zu sein. Zum Schluss richtete er an den Oberbürgermeister den Wunsch, im Stadtrat über eine Straßennennung für Daweli Reinhardt nachzudenken.

(V.r.) Prof. Dr. Hofmann-Göttig, Jacques Delfeld, Django Reinhardt und Angehörige. Hermann Hünerfeld

(V.r.) Prof. Dr. Hofmann-Göttig, Jacques Delfeld, Django Reinhardt und Angehörige.Fotos: Hermann Hünerfeld

Jacques Delfeld erinnerte die Anwesenden an die Grauen von 1943.

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