Gemeinderat Grafschaft beschließt Soforthilfe
Opfer der Überschwemmung erhalten fast 400.000 Euro
Zunächst sollen die Betroffenen 200 Euro pro Person bar erhalten für die Dinge des täglichen Bedarfs
Grafschaft. „Mit unserer heutigen Entscheidung kann im Prinzip ab morgen Geld ausgezahlt und den Betroffenen geholfen werden. Hier kann Politik einmal sofort helfen“, zeigte sich SPD-Sprecher Udo Klein stolz, dass der Grafschafter Gemeinderat einstimmig und ohne große Diskussion in einer Sondersitzung ein dickes Hilfspaket für die Opfer der Überschwemmungskatastrophe auf den Weg brachte. Demnach werden insgesamt mindestens 370.000 Euro als Soforthilfe den Betroffenen zur Verfügung gestellt. Das Hilfsangebot gilt für alle Überschwemmungsopfer, egal ob sie einen Versicherungsschutz genießen oder nicht. Die Summe setzt sich zusammen aus 200.000 Euro, die die Gemeinde aus Haushaltsmitteln aufbringt, und den Spenden für die Katastrophenopfer, die sich am Donnerstag bereits auf stolze 170.000 Euro beliefen.
Zunächst sollen die Betroffenen als Soforthilfe für Bekleidung und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs 200 Euro pro Person ausgezahlt bekommen, eine dreiköpfige Familie erhält also beispielsweise 600 Euro. Darüber hinaus beschloss der Rat, dass die Gemeinde auch die Mietkosten für Bautrockner übernimmt, mit denen die Gebäude so schnell wie möglich wieder bewohnbar gemacht werden sollen. Bislang hätten sich 93 betroffene Haushalte bei der Gemeinde gemeldet, so Bürgermeister Achim Juchem, doch er gehe fest davon aus, dass sich diese Zahl noch in den nächsten Tagen deutlich erhöhen werde.
Nierendorf mit den meisten Schadensfällen
Juchem berichtete dem Gemeinderat, dass die meisten Schadensfälle in Nierendorf mit 40 betroffenen Haushalten zu beklagen seien. In Birresdorf gab es 13, in Ringen und Beller 15 Haushalte, die stark in Mitleidenschaft gezogen worden waren. In den anderen Ortschaften liegt die Zahl der betroffenen Haushalte nach derzeitigen Erkenntnisstand im einstelligen Bereich. Insgesamt verzeichnete die Feuerwehr 132 Einsätze, die durch den Starkregen verursacht waren, auch hier die meisten in Nierendorf mit 63. Erfreulich sei die Unterstützung von mehreren hundert Freiwilligen bei den Aufräumarbeiten vor allem in Nierendorf, aber auch in den anderen betroffenen Ortschaften, lobte Juchem die Bürger.
Mittlerweile hatte das Deutsche Rote Kreuz 66 Bautrockner von der Logistikabteilung aus Schönfelde zum Bauhof nach Ringen geliefert. Die Geräte waren aus Spenden angeschafft worden, die nach Hochwasserkatastrophen in den neuen Bundesländern geflossen waren. Weitere 200 Bautrockner organisierte Ratsmitglied Constance Kunkel (SPD), obwohl die Bauunternehmerin aus Niederich selbst stark vom Hochwasser betroffen war.
Zahlreiche Abfallcontainer wurden aufgestellt
Aufgestellt wurden auch in Zusammenarbeit mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises zahlreiche Abfallcontainer, die auch regelmäßig abgeholt worden seien. Mittlerweile seien so bereits etwa 1200 Kubikmeter Sperrmüll entsorgt worden. Anfragen von Bürgern nach Containern seien aufgenommen und koordiniert worden. Zusätzlich durften die Bürger den Sperrmüll auf den Platz neben dem Sportplatz bringen, von wo aus der Abtransport erfolge.
Darüber hinaus stockt der Gemeinderat die Haushaltsmittel für die Unterhaltung der gemeindlichen Infrastruktur um eine halbe Million Euro auf, damit Schäden an Straßen und Brücken schnell beseitigt werden können. Zwei Architekten seien bereits zur Schadenseinschätzung bei den Häusern eingesetzt worden, außerdem habe man drei Ingenieurbüros mit der Koordination der Tiefbauschäden und mehrere Firmen zur ersten Behebung von Schäden an örtliche Infrastruktur beauftragt.
Land Rheinland-Pfalz soll sich auch beteiligen
Auch das Land Rheinland-Pfalz solle sich nach Möglichkeit darum kümmern, den Opfern unter die Arme zu greifen, wünschte sich zumindest SPD-Chef Udo Klein in einem Brief an Innenminister Roger Lewentz: „Nach den schlimmen Überflutungen unserer Gemeinde stehen die Grafschafter Bürger unter Schock, vor allem aber viele Haushalte vor dem wirtschaftlichen Ruin. Allein in Nierendorf haben 40 Familien ihren gesamten Hausrat verloren. Den Gesamtschaden können wir derzeit überhaupt noch nicht überblicken. Ich bitte Dich ganz persönlich um Deine Unterstützung und Hilfe für unsere Gemeinde. Ich zähle auf die Hilfe der Landesregierung.“
Die Antwort aus Mainz ließ nicht lange auf sich warten, der Minister schrieb: „Ich kenne Eure Situation ganz genau, wohne in der Rheinuferstraße, bin selbst mehrfach ‚abgesoffen‘ und war Bürgermeister einer Hochwassergemeinde und Mitbegründer der Hochwassernotgemeinschaft Rhein. Die Bilder von Euch sind echt schlimm. Als Abgeordneter habe ich das Thema Elementarschadensverordnung versucht anzugehen. Leider wird immer als erstes die Frage gestellt, ob die Betroffenen sich versichert haben. Landrat Dr. Jürgen Pföhler, mit dem wir in Kontakt waren und sind, hat einen Antrag auf Anerkennung als Elementarschadensereignis bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gestellt. Das muss jetzt geprüft werden.“
Diesen Antrag hatte Pföhler bereits am vergangenen Montag im Kreis- und Umweltausschuss angekündigt, dazu auch mehr als 50.000 Euro aus dem Hilfsfonds des Kreises „Nachbar in Not“. Die Verteilung der Mittel soll über die Kommunen erfolgen, die auch die Einzelfälle prüfen.
JOST
