Forstwirtschaftsplan stand im Stadtrat zur Beschlussfassung an
Orkane, Trockenheit und Borkenkäfer reduzieren Holzerträge
Neuwied. Wer dieser Tage einen Spaziergang durch die heimischen Wälder macht, dem fällt der Kahlschlag an vielen Stellen auf. Freiwillig haben die Förster in den beiden Neuwieder Forstrevieren „Heimbach-Weiser-Gladbacher Wald“ und „Rodenbach mit Segendorf, Oberbieber, Feldkirchen und Altwied“ die Äxte in diesem Maß allerdings nicht angesetzt. In der letzten Stadtratssitzung berichtete Christoph Menzenbach (CDU) von der aktuellen Lage in den Wäldern. Seiner Empfehlung, den Forstwirtschaftsplan 2019 anzunehmen, stimmten alle Fraktionen geschlossen zu. Orkane, die Trockenheit und schließlich der Borkenkäfer, hätten dazu beigetragen, dass viel Holz eingeschlagen wurde. Das Überangebot sorgte für fallende Holzpreise und geringere Einnahmen für den Stadtsäckel. Lag das Ergebnis 2017 noch bei rund 82.152 Euro, ist es in diesem Jahr massiv eingebrochen und wird auch im nächsten Jahr prognostiziert bei nur rund 52.000 Euro liegen. Die Revierförster berichten, dass im Januar 2018 die Orkane „Burglind“ und „Friederike“ wüteten. Verschlimmernd kam hinzu, dass nach einer über zwei Monate andauernden Regenphase, die Böden derart wassergesättigt und aufgeweicht waren, dass nicht nur die Flachwurzler, wie die Fichten, Opfer der Stürme wurden, sondern auch vereinzelt Baumarten mit tiefreichenden, stabilisierenden Wurzeln wie beispielsweise die Eiche. Dennoch: Das Holz wurde im ersten Halbjahr zügig aufgearbeitet und vermarktet. Die Marktsituation war noch stabil, und das Holz konnte ohne merkliche Einbußen verkauft werden. Dann aber kam das zweite Halbjahr, dass von extremer Trockenheit geprägt war. Revierförster Ralf Winnen berichtet, dass der Wassermangel dazu führte, dass viele Baumarten, insbesondere die Fichte, in eine große Stresssituation geraten sind. Hinzu kam, dass die trockene und warme Witterung der Auslöser zu einer noch nie da gewesenen Massenvermehrung von Borkenkäfern war. In diesem Jahr wurden bis zu vier Generationen geboren. Der Baumexperte berichtet, dass der Borkenkäfer „Buchdrucker“ die Versorgungsleitungen unter der Baumrinde zerstört, was zum Absterben der Fichte führt. Bei „normalen“ Befall seien die meisten Fichten in der Lage, eine gewisse Anzahl von Borkenkäfern mit Harzfluss zu bekämpfen und dadurch zu überleben. Ralf Winnen befürchtet, dass die Problematik in den nächsten Jahren anhalten wird. Nur eine sehr kalte Frostperiode könnte einen Teil der Population abtöten. Danach sehe es derzeit aber nicht aus und auch die letzten Winter seien bereits ausgesprochen mild gewesen.
Lage dramatisch und besorgniserregend
„Die Lage ist derzeit als dramatisch und besorgniserregend zu betrachten“, so Ralf Winnen. Kollege Heinrich Kron aus dem Forstrevier Rodenbach spricht von einer „echten Katastrophe für die Baumart Fichte“. In diesem Jahr konnte das Fichtenborkenkäferholz noch schnell aufgearbeitet und aus dem Holz abgefahren werden. Das ist wichtig, weil der unter der Rinde lebende Borkenkäfer ebenfalls aus dem Wald geschafft wird und unschädlich gemacht wird. Aufgrund der schwierigen Marktlage in Europa, die Orkane richteten in anderen Ländern ähnliche Schäden an, mussten neue Absatzmärkte gefunden werden.
Neuwieder Holz wurde daher bis nach China exportiert. Das Überangebot führte bei der Borkenkäferfichte zu einer Preishalbierung. Für die Wiederaufforstung muss die Neuwieder Forstwirtschaft nun viel Geld in die Hand nehmen. Investiert wird insbesondere in die Wiederaufforstung, Pflege und den Schutz der geschädigten Fichtenflächen. Generell macht sich die Holzwirtschaft Gedanken über den richtigen Besatz. Durch den Klimawandel wird in Zukunft zunehmend auf andere Baumarten gesetzt.
Holzvermarktung neu geregelt
Neben dem Forstwirtschaftsplan stimmte der Stadtrat auch der Beteiligung an der neu zugründenden kommunalen „Holzvermarktungsgesellschaft Westerwald-Rhein-Taunus mbH“ mit einem Gesellschaftsanteil in Höhe von 3.000 Euro ab dem Jahr 2019 zu. Hintergrund ist eine Klage gegen das Land Baden-Württemberg. Der Kläger sieht in dem Verkauf durch die landeseigenen Forstämter die Ausnutzung einer Monopolstellung und den Verstoß gegen marktwirtschaftliche Prinzipien. Da die Vermarktung in Rheinland-Pfalz ganz ähnlich aufgestellt ist, hat die Landesregierung die Gründung von fünf kommunalen Holzvermarkungsgesellschaften angestoßen. Neuwied schließt sich der Westerwald-Rhein-Taunus GmbH mit 26 Städten und Verbandsgemeinden von A wie Asbach bis W wie Wirges an. Die Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen ist im Namen der Kommunen beauftragt, alle weiteren Schritte im Rahmen der Neustrukturierung/-organisation der Holzvermarktung abschließend durchzuführen.
Keine Änderung beim Brennholz
Die „Holzvermarktungsgesellschaft Westerwald-Rhein-Taunus mbH“ wird zukünftig die Vermarktung des Rundholzes übernehmen.
Unverändert bleibt der Verkauf von Brennholz. Privatleute die Bedarfe für ihre Kamine und Öfen haben, können sich weiterhin an das Forstamt vor Ort wenden. Neben dem rechtlichen Aspekt gibt es einen weiteren Grund für die Neuordnung in der Holzwirtschaft. Einzelne Gemeinden haben so wenig Holz aus kommunalen Besitz, dass sie auf dem Markt kein ernstzunehmender Anbieter sind. Ihre Mengen sind für Sägewerke oder die Papierindustrie uninteressant. Aus Kostensicht ist die neue Gesellschaft ebenfalls von Vorteil, da die Vermarktungskosten insgesamt deutlich geringer sind.
FF
