Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion im Rat der Stadt Remagen
Politik beginnt schon in der Schule
Europa-Abgeordnete Ska Keller machte engagierten Bürgern Mut
Remagen. „Politik beginnt in der Schülervertretung bei der Mitbestimmung über schulische Angelegenheiten und setzt sich bei der Elternvertretung im Kindergarten fort, wo es um die Gestaltung der Kinderbetreuung und damit das Wohl der Kinder geht. Wenn sich Jugendliche oder Erwachsene zusammentun und gemeinsam etwas in ihrer Stadt auf die Beine stellen wie den Remagener Tag der Demokratie, dann ist auch das ein Beitrag zur Politik, der sehr erfolgreich ist. Tun sich noch mehr Bürger zum gemeinsamen Ziel zusammen, so kann dies sogar die ganz große Politik aufrütteln. Das beste Beispiel ist der Hambacher Forst, der jetzt möglicherweise doch nicht für den Braunkohle-Tagebau und damit die weitere Schädigung des Klimas vernichtet werden muss“, so Ska Keller im Remagener Jugendbahnhof. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Europaparlament stellte sich auf Einladung der Remagener Grünen zwei Stunden lang den Fragen des Publikums. Dabei forderte die bereits mit 27 Jahren in das Europaparlament eingezogene Politikerin die vorwiegend jüngeren Gäste auf, sich ebenfalls politisch einzumischen und zum Beispiel auf die Radwegegestaltung Einfuss zu nehmen. Sie selbst bemühe sich zur Zeit, den Jugendaustausch auf europäischer Ebene zu verbessern. Das Modell des sehr erfolgreichen Deutsch-Französischen Jugendwerks solle vor allem auf osteuropäische Länder übertragen werden.
Keller ging auch auf andere europäische Themen ein, die gerade für die jüngere Generation von Bedeutung seien. So engagierten sich viele im Tierschutz, aber in Europa würden immer noch viele Tiere tagelang von einem Land ins andere gefahren. Viele würden dabei elendig umkommen. Hier müsse der Protest gegen eine Agrarlobby unterstützt werden, die in Deutschland gerade auch ein Ende der Kastration von Ferkeln ohne Betäubung verhindert habe. Die Abgeordnete brach allerdings auch eine Lanze für Europa, das in vielen Umweltfragen viel fortschrittlicher als Deutschland sei. So sei im Europaparlament seit Jahren für echte Abgastests bei Autos gestritten worden, die aber gerade die deutschen Politiker verhindert hätten. „Wäre auf das Parlament gehört worden, dann würden Autos im Verkehr auf Abgase getestet und nicht in Labors. Der Abgasskandal wäre dann gar nicht erst aufgekommen, Millionen von Menschen müssten jetzt nicht um die Nutzung ihrer Fahrzeuge zittern.“
Auch auf das in Remagen und umliegenden Gemeinden wiederholt kritisierte nächtliche Ausbringen von Gülle aus dem Ausland ging die Referentin ein. Dies sei zwar noch gerade so legal, aber es sei wieder Deutschland, das sich strengeren Auflagen bei Gülle widersetzt habe. Nun sei es Deutschland, das ein Verfahren wegen unzulässiger Überschreitung der Nitrat-Grenzwerte im Trinkwasser am Hals habe. Schließlich forderte die Grünen-Abgeordnete ein Ende der Subventionierung des sehr umweltschädlichen Fliegens und stattdessen einen schnellen Ausbau des europäischen Eisenbahnnetzes.
Nach der sehr lebhaften Diskussion und dem Beifall des Publikums wurde Keller mit einer Flasche Bio-Wein aus dem Ahrtal als Dankeschön auch für die weite Anreise aus Berlin verabschiedet.
Pressemitteilung der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen
im Rat der Stadt Remagen
