Politik | 28.05.2018

Künftig mehr radelnde Wäller durch gutes Radverkehrsnetz

„Radinfrastruktur im Westerwald muss verbessert werden!“

Uli Schmidt kritisiert, dass die mangelhafte Infrastruktur das alltägliche Radfahren erschwert

Mitglieder der Radsportgruppe „Equipe France“ waren vor wenigen Tagen in der Region unterwegs, um bei einigen besonders kaputten Straßen zu testen, ob die noch gefahrlos mit einem Rennrad zu befahren sind (hier auf der K 172 nahe Horbach)

Westerwaldkreis. Radfahren mitten im Verkehr zwischen Autos, Lärm und Abgasen? Das ist leider im Westerwald normal, wenn man im Alltags- oder Freizeitverkehr das Fahrrad nutzen will. Beim Bau von alltagstauglichen Radverbindungen hat sich im Westerwaldkreis – im Gegensatz zu touristischen Radtouren – in den vergangenen zehn Jahren kaum etwas getan. Das muss sich ändern, damit mehr Wäller das Auto auch mal stehen lassen und auf das Fahrrad umsteigen. Zum Vorteil für das Klima und die eigene Gesundheit.

Die finanziellen Mittel sind da

Ziel muss es nach Ansicht von Uli Schmidt (Horbach) sein, ein durchgängiges, zügiges und flüssig befahrbares und sicheres Radverkehrsnetz durch den gesamten Westerwald zu errichten. „Es ist enttäuschend, dass sich im Zeitalter des E-Bikes hier so wenig tut“, so der langjährige Radsportler. Am fehlenden Geld für die notwendigen Investitionen könne es eher nicht liegen: so seien nach Auskunft der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen 2017 lediglich 4,6 von insgesamt 12 Millionen Euro für neue Radwege verbaut worden. „Die Mittel sind da, doch es fehlt offensichtlich an den Kapazitäten für Planung und Bau“, so die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag, Jutta Blatzheim-Roegler. Sie setze sich dafür ein den Bau von Radschnellverbindungen in Trägerschaft des Landes voranzutreiben.

Dies sieht der Kreisverband Westerwald des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) ähnlich. Für diesen gilt es Fahrradfahren zu forcieren und die Menschen zu ermuntern, den Drahtesel zu benutzen, wann immer es möglich ist. „Um das zu erreichen, müssen die Rahmenbedingungen für den Fahrradverkehr auch im Westerwald verbessert werden. Damit Menschen den eigenen PKW stehen lassen, muss ihnen das Radfahren erleichtert werden, beispielsweise mit mehr Radwegen an geeigneten Kreis- und Landstraßen“, so der VCD-Kreisvorsitzende Rainer Vogt, Höhr-Grenzhausen.

Manche Straßen sind in gefährdendem Zustand

Aktive Radfahrerinnen und Radfahrer weisen darauf hin, dass immer mehr Kreis- und Landesstraßen im Westerwald für Radler nicht mehr in einem durchgängig verkehrstauglichen Zustand sind. „Immer öfter höre ich Klagen vorn Radsportlern, die davor warnen einzelne Straßenabschnitte noch zu nutzen und mich auffordern, die Straßenbaulastträger auf die Gefahren hinzuweisen“, so Schmidt. So müssten beispielsweise Abschnitte der K 172 in Höhe des Waldstadions in Horbach (siehe Foto) und die K 169 ab Oberelbert bis Einmündung in die L 329 zumindest für Rennräder gesperrt werden. Besonders nach dem harten zurückliegenden Winter bestehe hier akuter Handlungsbedarf, um der Verkehrssicherungspflicht zu genügen!

Es geht in die falsche Richtung

Aber auch die Sicherheit der Radler innerorts wird immer mehr zum Thema. Im Auftrag des Bürgervereins Montabaur kümmert sich seit einem Jahr das Mitglied Sören Sander um eine Verbesserung des Radverkehrs. Trotz seiner zahlreichen Verbesserungsvorschläge sind bislang nur einige Ausschilderungen korrigiert worden. „Es gibt nach wie vor eine umfangreiche Mängelliste“, so Sander. Insbesondere, was die Straßen Alleestraße, Allmannshausen, Staudter Straße betrifft. Die Verpflichtung, die Radwege im Gegenverkehr befahren zu müssen, stelle eine Überforderung und damit Gefährdung sowohl der Radfahrer wie auch der Autofahrer dar, meint der Radaktivist. Diese Schilder gehörten abgebaut, zumal sie der gültigen Rechtsprechung widersprechen würden.

Radfahren im Alltag muss erleichtert werden

Hoffnung macht auch eine Initiative für den Neubau eines in der Region lange geforderten Radwegebaus entlang der L 326 von Holler nach Montabaur. Unter Federführung von Rita Schneider aus Holler läuft dazu derzeit eine Unterschriftensammlung. Darin wird darauf hingewiesen, dass die Notwendigkeit des Radweges bereits 2010 durch ein Gutachten des Büros Hunsrückvelo belegt wurde und seitdem schon wieder acht Jahre ergebnislos vergangen sind. „Wie lange sollen sich Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer auf dieser Straße noch der Unfallgefahr aussetzen?“, fragt Schneider. Zudem könnten viele kurze Erledigungsfahrten statt mit dem PKW durch die umweltschonende Alternative ersetzt werden. Zur Freude der Initiative hat auch der neue Bürgermeister der VG Montabaur, Ulrich Richter-Hopprich, zugesagt, sich für den neuen Radweg einzusetzen: Er hat bereits die Aufnahme des Projektes in das „Großräumige Radwegenetz“ von Rheinland-Pfalz als Voraussetzung einer Landesförderung beantragt.

Anerkannt wird von allen Beteiligten die Schaffung von überwiegend touristisch genutzten Radtouren im Westerwald. So sind erst kürzlich wieder einige vom Experten Jupp Trauth geplante schöne Strecken wie die Buchfinkenland-Gelbach-Tour ausgeschildert worden. Doch künftig muss der Schwerpunkt auf die Schaffung eines alltagstauglichen Radwegenetzes gelegt werden! Sich hierüber Gedanken zu machen ist immer sinnvoll.

Was muss konkret passieren?

Ein alltagstaugliches Radnetz muss in der Region nicht als Ganzes neu geschaffen werden. Oft genügt es, Lücken in vorhandenen Strecken zu schließen, wodurch die Durchgängigkeit herzustellen wäre.

Insbesondere sehen Radler und Experten dringlichen Handlungsbedarf bei den folgenden Netzlücken, wobei hier überwiegend das Land oder der Bund als Straßenbaulastträger in der Zuständigkeit und Verantwortung stehen. In den letzten Jahren wurden gerade diese Straßen mit erheblichen Mitteln für die KFZ-Nutzung ohne Berücksichtigung von Radführungen ausgebaut: B 255 ab Montabaur bis Niederahr mit längeren Netzlücken-Abschnitten, L 300 Großholbach für Holbachquerung und Anbindung Gelbach, Strecke am Alten Galgen für Nordanbindung Industriegebiet Heiligenroth, Montabaur – Heiligenroth ohne Höhenquerung, Siershahn – Mogendorf im Zuge der L 313, Wirges – Siershahn im Zuge der L 313, Ransbach-Baumbach – Ebernhahn im Zuge der L 303.

Uli Schmidt,

Mitglied im Verkehrsclub

Deutschland (VCD, der

Radsportgemeinschaft (RSG)

Montabaur und der

„Equipe France“ , im Kreistag

und im Verbandsgemeinderat

Montabaur

Mitglieder der Radsportgruppe „Equipe France“ waren vor wenigen Tagen in der Region unterwegs, um bei einigen besonders kaputten Straßen zu testen, ob die noch gefahrlos mit einem Rennrad zu befahren sind (hier auf der K 172 nahe Horbach)

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Kommentare
02.06.201813:57 Uhr
Monika Klhlet

Guten Tag...endlich mal packt einer das Problem an u. zeigt Mängel auf. Wir verschlafen den Trend und die Möglichkeit, etwas für die Umwelt u. d. eigene Wohlbefinden zu tun. Es ist wichtig das Thema breit aufzustellen, so dass auch Fahrradmuffel den Trend erkennen. Und die Radfahrer auf der Strasse nicht mehr anstinken, "Rentner runter von der Strasse".....So etwas ist uns weder im Norden, nich an der Mosel bisher passiert.....Danke für Ihr Engagement. Sehr viele Hobbyradler warten schon auf ECHTE Fahrradwege......

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