Politik | 11.12.2018

Diskussionsveranstaltung in Remagen

Religiöse Funktionäre als Vorbilder

Ulrich Nitschke referierte auf Einladung des Arbeitskreises für entwicklungspolitische Bildung e.V.

Arbeitskreis-Vorsitzender Frank Bliss freute sich, mit Ulrich Nitschke (l.) einen ausgewiesenen Experten zum Thema begrüßen zu können. privat

Remagen. „Dass der Wechsel in Südafrika von einem rassistischen Regime zu einem demokratischen Staat unter Einbezug aller Hautfarben, politischen Einstellungen und Religionen so friedlich vonstattengehen konnte, ist vor allem dem schwarzen Bischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu zu verdanken. Hier hat ein religiöser Würdenträger eine unübertreffbar positive Rolle gespielt, um eine friedliche Entwicklung voranzutreiben“, so der gelernte katholische Theologe und Philosoph Ulrich Nitschke jüngst in Remagen.

Über die positive Rolle von Religionen bei der Lösung von Konflikten und der Landesentwicklung vor allem in armen Staaten ging es bei der Diskussionsveranstaltung des Arbeitskreises für entwicklungspolitische Bildung (AeB) e.V., die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ stattfand. Der Vereinvorsitzende und Moderator des Gesprächsabends im evangelischen Gemeindehaus, Frank Bliss, konnte dazu Ulrich Nitschke von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bonn als Gesprächspartner begrüßen. Nitschke leitet derzeit das Sektorvorhaben „Werte, Religion und Entwicklung“, das im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung daran arbeitet, den Einfluss religiöser Akteure auf die deutsche und internationale Entwicklungszusammenarbeit zu untersuchen. In dieser Eigenschaft ist Nitschke auch Leiter des Sekretariats der „Internationalen Partnerschaft von Religion und Nachhaltiger Entwicklung“, in der sich weltweit über 80 religiös verankerte Organisationen zusammengefunden haben, um gemeinsam Möglichkeiten der Entwicklung und Armutsbekämpfung zu finden und zu nutzen.

Wissen um Religion fördert die Lösung von Problemen

Im Rahmen des Gesprächs ging es vor allem um gute Beispiele, bei denen das Wissen um die Religion der Beteiligten und ihre ethische Grundlage sowie die Mitwirkung religiöser Funktionäre sich besonders positiv auf die Lösung von Problemen auswirken konnte. So war der Ausbruch und die Verbreitung der gefährlichen und fast immer tödlichen Ebola-Krankheit in Westafrika vor allem dadurch begünstigt worden, dass die Angehörigen die Körper ihrer toten Familienangehörigen stets persönlich beerdigen wollten und dabei berührten. Nicht die Ermahnungen des staatlichen Gesundheitspersonals seien es dann gewesen, die die Menschen bewogen hätten, ihre Toten aus der Hand zu geben, sondern das Gespräch mit den religiösen Führern der betroffenen Menschen, ob Christen, Muslime oder Angehörige afrikanischer Religionen. Mit deren Hilfe habe man durchsetzen können, die Toten sofort für eine Beerdigung freizugeben und damit schließlich die Verbreitung des Virus zu beenden.

Der Dialog mit islamischen Würdenträgern (Imame) habe in Jordanien dazu geführt, dass in dem trockenen und wasserarmen Land die gereinigten Abwässer aus Kläranlagen zur Bewässerung von Obstbäumen genutzt werden konnten. Jahrzehntelang haben falsch verstandene religiöse Vorschriften dies aus der Sicht der religiös wenig aufgeklärten Bevölkerung verhindert. Erst mit der Beteiligung der Imame konnten so Arbeitsplätze und Einkommen für viele Menschen zusätzlich geschaffen werden. Inzwischen sei das Gespräch mit den islamischen Funktionären in Jordanien auf mehr als 4.000 Personen und auf weitere wichtige und entwicklungsrelevante Themen ausgeweitet worden, so Ulrich Nitsche.

Entwicklung in einigen Ländern löst Skepsis aus

Nicht überall seien allerdings religiöse Funktionäre besonders hilfreich, wenn es um die gemeinsame Armutsbekämpfung gehe. So gebe es leider Fälle, wo religiöse Gemeinschaften um einzelne Führer sich strikt von anderen Religionsgruppen abgrenzten und gemeinsame Aktionen verhinderten. Mit besonderer Skepsis beobachtet der Religionsexperte die Entwicklung zum Beispiel in Tansania oder Brasilien, wo evangelikale Extremisten an die Macht gekommen seien und eine homophobe Politik verfolgten.

In der Diskussion kam anschließend auch die Rolle des Hinduismus und Buddhismus bei der Suche nach entwicklungspolitischen und friedensbezogenen Ansätzen zur Sprache. In jedem Fall sei es immer und überall wichtig, genau hinzuschauen, welche Religion und religiöse Ethik bei den Menschen eine Rolle spiele und wie man sie zur Stärkung des Gemeinwohls nutzen könne, so der Gast.

Pressemitteilung des

Arbeitskreises für

entwicklungspolitische Bildung

Remagen

Arbeitskreis-Vorsitzender Frank Bliss freute sich, mit Ulrich Nitschke (l.) einen ausgewiesenen Experten zum Thema begrüßen zu können. Foto: privat

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