„60 Minuten - SPD im Dialog“
Romeo Franz MdEP beim SPD Dezember Dialog
Koblenz. Sinti und Roma sind Teil unserer Kultur und Gesellschaft Romeo Franz, Grüner Abgeordneter des Europäischen Parlaments, Musiker und Komponist war gemeinsam mit Django Reinhardt Gast in der November Veranstaltung der „60 Minuten - SPD im Dialog“. Der gebürtige Lauterer lebt in Ludwigshafen-Oggersheim und setzt sich politisch für die Rechte und Interessen von Sinti und Roma in Deutschland und Europa ein.
Diesbezüglich stellte er der Stadt Koblenz und den hier politisch verantwortlichen ein positives und gutes Zeugnis aus: Koblenz könne Integration und sei in einem ständigen Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen. Diese Art der Gleichberechtigung und Einbeziehung von in Koblenz lebenden Minderheiten sei nicht selbstverständlich.
Für Franz, Sohn einer Holocaust-Überlebenden, war es der schwierige und zum Teil ungleiche Kampf der Mutter und Großmutter um Anerkennung ihres Leids bei den deutschen Behörden und der damit verbundenen Entschädigung, weshalb er Politik machen wollte. Dabei sieht er gerade mit Blick auf sein europäisches Mandat das Parteibuch zweitrangig an. Für alle Demokraten müsse gelten, Rechtspopulisten aus den Parlamenten zu drängen - in den Kommunen, im Land, im Bund und eben auch in Europa!
Laut einer Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 1994 hatten in Deutschland rund 64 Prozent Vorbehalte gegenüber Sinti und Roma. Diese Zahl hat sich nicht wesentlich verändert. Das zumindest sagt eine Studie aus dem Jahr 2016, nach der 60 Prozent der Befragten offen die Auffassung vertreten, Sinti und Roma sollten das Land verlassen. Dies sei nach Auffassung von Franz auch deshalb möglich, weil sich Konservative in Politik und Gesellschaft schwertäten, diesen Anti-Ziganismus als vorhanden anzuerkennen. Hier müsse noch viel Aufklärung geleistet werden.
Es war auch die Bildungsarbeit, die Romeo Franz zu den Grünen führte. Auch, dass die Grüne Partei aus seiner Sicht emphatisch für den Minderheitenschutz war, gab mit einen Ausschlag, sich parteipolitisch zu engagieren. Hierfür musste er sein Engagement im Zentralrat der Sinti und Roma ruhen lassen - was aber nicht bedeutet, dass er sich nicht auch auf europäischer Ebene, für deren Anliegen einsetzt - ganz im Gegenteil. Eindrucksvoll erzählt Franz von seinen Besuchen in Ungarn und den Lebenszuständen, unter denen dort Sinti und Roma leben müssen und der dort vorherrschenden, systematischen Abschottung dieser Volksgruppe vom alltäglichen Leben. Als Abgeordneter des Europäischen Parlaments war er mehrmals vor Ort und stellte Verantwortliche zur Rede, konnte Verbesserungen erreichen - ein erster Schritt.
Franz sieht Potenzial für einen Staatsvertrag nach Vorbild von Baden-Württemberg zwischen dem Land und dem Zentralrat der Sinti und Roma. Hierin könnte auch in Rheinland-Pfalz viele Meilensteine einer stärkeren Integration und gegenseitigen Anerkennung gelegt werden. Denn noch immer sei es für Sinti und Roma schwieriger, Ausbildungsplätze zu erhalten oder generell Arbeitsplätze.
Trotz all dem sei man auf einem guten Weg. Django Reinhardt ist sich auf jeden Fall sicher, dass Koblenz als ein Vorbild für eine gelungene Integration auch und gerade von Sinti und Roma auszeichnungswürdig sei.
Pressemitteilung
Detlev Pilger, MdB
