BLICKwinkel – Pro und Contra im Fokus
Senkung des Wahlalters: Sollten 16-Jährige schon wählen dürfen?
Region. Unter der Rubrik „BLICKwinkel – Pro und Contra im Fokus“ betrachten wir regelmäßig das Für und Wider von Themen, die uns alle bewegen. Dieses Mal geht es um die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre.
Erst Mitte Mai scheiterte im rheinland-pfälzischen Landtag ein Antrag der Ampelfraktionen, mit dem das Mindestwahlalter auf Landesebene herabgesetzt werden sollte. Die Landesschüler*innenvertretung Rheinland-Pfalz bezeichnete diese Entscheidung anschließend als „Schlag ins Gesicht“ und forderte, den Jugendlichen „die Möglichkeit zu geben, unsere Zukunft mitzugestalten!“.
Aber welche Argumente führen die Befürworter einer Senkung des Wahlalters ins Feld, und welche deren Gegner?
Pro: Gebot der Generationengerechtigkeit
Diese Frage berührt einen der Kernwerte unserer Demokratie: nämlich die Gerechtigkeit. Junge Menschen sind genauso wie Erwachsene von politischen Entscheidungen betroffen. Und Beschlüsse etwa in Sachen Klimaschutz wirken sich direkt auf ihre Zukunft aus. Sie haben daher ein Anrecht auf Mitsprache!
Die Herabsenkung des Wahlalters ist ein Gebot der Generationengerechtigkeit. In Zeiten des demografischen Wandels und einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft müssen wir dafür sorgen, dass die Interessen junger Menschen im politischen Prozess nicht untergehen. Das sind wir unserer engagierten Jugend, die sich bisher mit Demonstrationen und Protestaktionen Gehör zu verschaffen sucht, ganz einfach schuldig!
Contra: „Das wäre fahrlässig!“
Es ist fraglich, ob 16-Jährige wirklich die nötige Reife vorweisen, um eine fundierte Wahlentscheidung treffen zu können. Politische Entscheidungen sind oft komplex und erfordern ein gewisses Maß an Lebenserfahrung, das Jugendlichen allein aufgrund ihres Alters noch fehlen muss. Sie befinden sich noch in der Selbstfindung und könnten leicht von populistischen Parolen verführt werden.
Wir trauen es 16-Jährigen noch nicht zu, ohne das Einverständnis ihrer Eltern Mietverträge abzuschließen, aber wollen ihnen das wichtigste Recht in einer Demokratie anvertrauen? Das wäre fahrlässig!
Fazit
Wer eine Senkung des Wahlalters befürwortet, sieht darin ein notwendiges Mittel, um den Belangen der Jugend im politischen Prozess ausreichend Gehör zu verschaffen. Die Gegenseite hegt hingegen Zweifel, ob Jugendliche schon reif genug sind, um eine vernünftige Wahlentscheidung zu treffen.
Und nun sind unsere BLICK aktuell-Leser gefragt: Wie ist Euer BLICKwinkel auf eine mögliche Senkung des Wahlalters? Lasst uns Eure Meinung wissen – auf unseren Social Media-Kanälen, unserem Webportal www.blick-aktuell.de oder mit einem Leserbrief unter Nennung des vollen Namens und Wohnorts per E-Mail an blickwinkel@kruppverlag.de
BA

"16 Jahre und größer?" Größer, Kleiner oder Älter?
Den Reifeprozess, dem heutzutage Heranwachsende ausgeliefert sind, hat unsere Gesellschaft zu verantworten, die sich allgemein in den vergangenen Jahrzehnten radikal verändert hat. Dafür verantwortlich zeigen sich nicht zuletzt die Bildung einer 3-Klassen-Gesellschaft, eine ausgeprägtere, egoistischere ICH-Mentalität, soziale Unverantwortlichkeit, fehlende/unterschwellige Bildungspolitik einhergehend mit einer steigenden Aggressions- u. Gewaltbereitschaft.
Übrigens: Das Wahlrecht mit 16 Heranwachsenden zu übertragen u. diesen damit auch gleichzeitig Eigenverantwortlichkeit aufzubürden ohne zu wissen, ob diese sich dieser überhaupt bewusst sind, indem sie wissen, WEN, WAS u. WOFÜR sie wählen, ist mit ein Grund, es bei einem Wahlalter von 18 zu belassen (das im übrigen auch kein Garant dafür ist zu wissen, ob man weiß WEN u. WAS man wählt).
Man kann ja zu allem seinen Senf geben, aber vorausgesetzt, die Thematik interessiert.
@Amir Samed: Sie haben bewusst eines vergessen: Die ideologische u. politische Beeinflussung durch die AfD, wie es unlängst der kürzlich gewählte Landrat derselben an einer Schule versucht hat - a`typisch für eine braune Politik, die diese zudem durch Social-Media-Posts unter Verwendung von Symbolik aus der NS-Zeit unterstreicht, um gerade damit den Reifeprozess, wie Sie es nennen, in eine bestimmte nationalsozialistisch denkende Richtung zu lenken, zu beeinflussen, eine in Demokratie verpackte Gehirnwäsche.
Sicherlich sind Jugendliche in diesem Alter (16 und größer) immer noch starken Schwankungen unterlegen, die einfach zum Reifeprozess dazugehören. Das sie ideologisch und politsch Beinflussbar sind zeigen "FFF" und "Letzte Generation" zur Genüge, wenn auch Negativ. Stelle sich also die Frage ob diese jungen Menschen Entscheidungen treffen können, die einer gewissen rationalen und auch zukunftsträchtiger Lebensplanung beruhen? Nichtsdestotrotz, wenn es Überlegeungen gibt, jungen Menschen dieses Alters ein Wahlrecht einzuräumen, dann muss im Umkehrschluss diesen Menschen auch weitere Rechte übertragen werden, da sie Eigenverantwortlich handeln. So ist dann nicht mehr begründbar, dass PKW-Führerschein davon ausgenommen ist, dass Tabak- und Alkoholkonsum bzw. der Verkauf von diesen Produkten und, wenn es nach Karl Lauterbach geht, bald auch Cannabis, ebenfalls ausgenommen sind. Weiterhin muss das Strafrecht umgearbeitet werden, Jugendstrafrecht ist dann ebenfalls obsolet.
Ich bin kein Fan davon.
Ja, junge Menschen sollen auch eine Stimme erhalten. Daher finde ich zum Beispiel die Initiative in Sinzig gut, dass es einen Jugendbeirat gibt. Diesem sollte meines Erachtens auch ein eigenes Budget für bestimmte Projekte zustehen und sie sollten an allen Sitzungen und Abstimmungen ebenfalls gehört werden und die Möglichkeit haben, Themen einzubringen und auf die Agenda zu setzen.
So können Jugendliche sich frühzeitig politisch engagieren und dann, wenn sie volljährig sind, auch wählen
NEIN, da sie, wie es der unlängst gewählte AfD-Landrat vormacht, sich damit einer aus Unerfahrenheit, aber auch Empfänglichkeit bewusst gesteuerten, rechtsnationalistisch gesteuerten Beeinflussung aussetzen.
Auch wenn man von einem durch den Lauf der Zeit vor allem im Hinblick auf Sexualität verursachten frühzeitigen Erwachsenensein ausgehen kann/könnte, heisst das noch lange nicht, dass damit ein konstruktives u. realistisches Denken verbunden ist.
Die AfD verbindet mit ihrem Aufwind, was sie schon immer gemacht hat, schon immer bezweckt hat - die für ihr Fortkommen einzig wichtige, präsente Form einer inhaltlich, mittlerweile nationalistisch versteckten, vertuschtn Politik auch einer Generation zugänglich zu machen, genauso, wie wir es schon einmal hatten. Der Unterschied, damals waren es 12-14jährige. Fakt ist doch, dass die AfD nichts auslässt, um auch bei denjenigen bereits das zu schüren, was ihr Hauptpotential ist ... Unzufriedenheit u. Hass.
Generell sollten wir uns doch mal damit auseinander fassen das die heutigen Generationen und die heutige Jugend viel mehr politisiert und sich im Durchschnitt auch mehr in Politik engagiert (Bsp. F4F, Klimaproteste). Jugendliche interessieren sich halt einfach mehr für die Themen, die sie persönlich in der Zukunft betreffen werden, und eine demokratische Teilhabe über die Zukunftsentscheidung von Jugendlichen kann nicht nur die politische Repräsentation für die jüngeren Altersgruppen unserer Bevölkerung stärken, sondern auch das generelle politische Bewusstsein und die demokratische Teilhabe stärken, sowas hat eher weniger mit herumschrauben an Wahlergebnissen zu tun, aber eher mehr mit der politischen Richtung unserer heutigen Jugend die dann halt bestimmte Parteien, welche sich auch gerecht für diese Gruppe einsetzen, stärkt.
Dazu könnte es auch als eine Motivation für andere Parteien mal sein sich für Jugendpolitische Themen und generelle Zukunftsthemen einzusetzen.
Ich würde es begrüßen, wenn es so bleibt wie bisher. Begründung: Ich sehe in der Politik nicht die hier genannten Pro und Contra Argumente in der Diskussion ums Wahlalter, sondern einzig und alleine die Umfragewerte in der dann evtl. dazukommenden Altersgruppe. Es läuft bei den Parteien doch so: Wählen die mich? Dann bin ich natürlich sofort dafür, und suche mir passende Gründe. Kostet mich das unterm Strich Prozente? Dann bin ich dagegen, Argumente werden nachgeliefert... Das Wahlrecht sollte als eindeutige Rahmenbedingung für demokratische Wahlen gesehen werden, und nicht als Stellschraube fürs nächste eigene Ergebnis. Das wäre dann nämlich sehr undemokratisch.
Alternativ: Man ändert es, dann aber schon mit einer Vorlaufzeit mind. erst zur übernächsten Wahl, denn dann hätte die gesamte Politik einheitlicher und länger die Chance sich auch darauf einzurichten und es wäre dann wieder mehr als Rahmenbedingung zu sehen, als das es Stellschraube wäre.