Neophyten - ein Thema nicht nur für die Region Neuwied
Springkraut erfolgreich bekämpfen
Bekämpfung und Strategien für 2013 - Aufruf zur Mithilfe - von Ulrich Müller
Neuwied/Region. Am Stausee in Neuwied - Oberbieber zeigt sich, dass die manuelle Bekämpfung des Indischen Springkrauts im vorigen Jahr erfolgreich war. Im Sommer 2012 zogen engagierte Bürger die jungen Pflanzen aus der Erde und entsorgten insgesamt vier Kubikmeter Pflanzenmaterial. Bei der zweiten Variante wurden andere Bereiche Ende Juli bei beginnender Blüte, bei der dritten Variante am 11. August bei Mitte Blüte mit einer Motorsense abgemäht. Diese Vorgehensweisen entsprachen den Empfehlungen des Landkreises Starnberg. Der Neubefall in diesem Jahr liegt lediglich im Bereich von null bis zwei Prozent, entgegen den Prognosen der Experten. Die Bekämpfung ist also erfolgreich und besonders die Varianten zwei und drei mit dem Abmähen relativ einfach. Wichtig ist wohl auch hier der richtige Zeitpunkt. Dies entspricht in etwa den Erfahrungen, die ein Förster am Feldberg gemacht hat und der einen entsprechenden Bericht ins Internet gestellt hat. Ulrich Müller, Seniorchef des Obstgutes Müller in Neuwied: „Für mich ist es verwunderlich, dass sich bisher kaum jemand um eine Bekämpfung und Strategie bemüht hat. Keine Behörde fühlt sich zuständig und auch der NABU hält sich außer kleineren Aktionen bedeckt. Da fast alle Bach- und Flusstäler Deutschlands betroffen sind, ist das schon eine ökologische Katastrophe da das Springkraut, wie auch im Aubachtal zu sehen ist, letztendlich die gesamte heimische Flora vernichtet. Nur die Brennessel ist konkurrenzfähig. An der Hochwasserlinie des Aubachs, am Einlauf in den Stausee, wurden aus dem mittleren Aubachtal neue Samen angespült, die nun aufgelaufen sind. Im unteren Aubachtal, hinter dem Stausee, wird in diesen Tagen ein im Vorjahr angedachtes Beweidungskonzept umgesetzt: Eine Herde Kühe in Ammenkuhhaltung von Arno Kroll soll den Bewuchs abfressen. Diese Variante wurde auch schon erfolgreich im oberen Aubachtal und im Jahrsbachtal eingesetzt. Hier ist jedoch durch die stärkere Ausbreitung des Sprigkrauts und der Brennessel ein wesentlich geringerer Grasanteil. Die Wiese unterhalb der Eintrachthütte, die der HVO gepachtet hat, ist auch in die Pflegearbeiten einbezogen. Sie wurde von uns im Herbst 2012 aufgeräumt und gemulcht. In diesem Jahr sind besonders die großen Brennnesselbestände zwei Mal abgemäht worden und eine Grasmischung zur Bestandsauffrischung nachgesät. Ich bin überzeugt, dass schon im Herbst an dieser Stelle wieder eine Wiese mit heimischen Pflanzen entstanden ist. Das Ziel ist nach wie vor, das Aubachtal in jetzt noch zwei Jahren springkrautfrei zu bekommen und der heimischen Flora und Fauna wieder Platz zu geben.“
Neophyten bekämpfen - heimische Pflanzen schützen
Die Bekämpfung des Indischen Springkrauts ist relativ einfach: Das Indische Springkraut ist eine einjährige Pflanze: Sie blüht und bildet Samen im selben Jahr, die bis zu fünf Meter weit springen und schwimmfähig sind. Die Pflanze stirbt im Winter ab. Aus den Samen wachsen im folgenden Jahr neue Pflanzen. Daher muss die Samenbildung verhindert werden. Nach bisherigen Erkenntnissen ist es daher wichtig, die Pflanzen im Juli bis Anfang August bei beginnender bis Mitte Blüte, vor dem Bilden einer Samenkapsel abzumähen. Wird zu früh gemäht, kann die Pflanze noch einmal Blüten bilden.
Ulrich Müller: „Am 14. Februar 2013 trafen wir uns auf Einladung der Kreisverwaltung Neuwied zu einem Runden Tisch. Die Themen waren: Beweidungskonzept unteres Aubachtal sowie die Bekämpfung an den Nebenbächen, an denen das Springkraut erst oft nur vereinzelt steht. Hierzu haben die Kommunalen Vertreter ihre Mithilfe spontan zugesagt. Auch Jagdpächter Norbert Mertgen aus Straßenhaus kümmert sich weiterhin um die Bekämpfung des Springkrautes im Oberen Aubach- und Jahrsbachtal. Ich habe weiterhin die Hoffnung, dass bis zu den diesjährigen Bekämpfungs-Maßnahmen im Juli / August der Naturpark noch einen entsprechenden Betrag zum mechanischen Abmulchen der Wegeränder zur Verfügung stellt. Dies ist wichtig, da das Springkraut auch schon über den Weg in die sturmgeschädigten Waldlichtungen geht. So wäre eine ganzflächige Bekämpfungsstrategie für das gesamte Gebiet erstellt und bei konsequenter Durchführung unter Mithilfe der westerwälder Bevölkerung wird sich der Erfolg der Maßnahme einstellen. Auch das SWR 3 Fernsehen wird in diesem Jahr wieder von unserem Pilotprojekt berichten.“
