Politik | 19.11.2018

Niedererbacher Anwohner sollen bis zu 140.000 Euro für ihre Sackgasse bezahlen

Straßenbau treibt Bürger auf die Barrikaden

Anlieger sollen Tausende Euro für die Beendigung eines Provisoriums zahlen – Verwaltung sieht wenig Spielraum

In der Obererbacher Straße von Niedererbach rumort es: Die Straße soll im Rahmen einer Erschließungsmaßnahme bebaut werden. Auf die Anlieger kommen große Beitragsforderungen zu. Das Thema wurde mittlerweile auch schon im Fernsehen behandelt. Politiker bis in den Landtag hinein haben sich auch dazu geäußert. KER

Niedererbach. In der Westerwaldgemeinde Niedererbach stehen sich Recht und Rechtsempfinden unversöhnlich gegenüber. Die 14 Anwohner der provisorisch gebauten Obererbacher Straße sollen für die Erschließung Beiträge von bis zu 140.000 Euro zahlen. Dagegen gehen sie im wahrsten Wortsinn auf die Straße – und protestieren: Der Beitrag von 30 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche sei zu hoch. Die Straße könne auch später gebaut werden, wenn die Preise niedriger sind. Die Verwaltung sagt: Die Erschließung ist vom Gemeinderat beschlossen, der Quadratmeterpreis von 30 Euro liegt im unteren Mittel.

Bedrohlich hohe Beiträge

Tatsächlich könnte das Projekt einige Anwohner in ihrer Existenz bedrohen. Die Grundstücke sind zum Teil sehr groß. In einem Fall ist von 5.000 Quadratmeter die Rede. Sollte der Eigentümer mit der gesamten Größe veranlagt werden, käme sogar ein höherer als der bisher genannte Betrag von 140.000 Euro heraus. Dem Vernehmen nach ist keins der 14 Anliegergrundstücke kleiner als 1.000 Quadratmeter.

Die betroffenen Bürger in der Obererbacher Straße sagen, bisher habe niemand in Niedererbach mehr als 14 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche für die Erschließung seiner Straße gezahlt. VG-Bürgermeister Ulrich Richter-Hopprich sagt im Gespräch mit „BLICK aktuell“: „30 Euro Erschließungsbeitrag liegen im Mittelmaß in der Verbandsgemeinde Montabaur. In anderen Gemeinden waren es auch schon 37 Euro.“ Der Bürgermeister versichert, die Verwaltung arbeite momentan mit Hochdruck daran, die Belastung für die Anlieger so gering wie möglich zu halten. Der ursprünglich auf acht Meter Breite mit Wendehammer geplante Bau der Straße sei auf sechs Meter ohne Wendehammer reduziert worden. Da es sich um eine Sackgasse handele, seien sechs Meter Breite das unterste rechtlich und technisch mögliche Maß für die Straße.

Wert der Grundstücke hat sich gesteigert

Der Bau der Straße sei auf Wunsch der Bürger immer wieder verschoben worden – und das bereits seit 50 Jahren. Die Grundstücke hätten in dieser Zeit eine Wertsteigerung vom Wert für einfache Grünflächen auf nunmehr 80 Euro pro Quadratmeter Fläche erfahren, ohne dass die Anlieger einen Cent für die Straße gezahlt hätten. Eine weitere Verschiebung der Erschließung, so Bürgermeister Richter-Hopprich, sei nicht möglich. Sie soll 2019 gemeinsam mit der Sanierung der angrenzenden Bergstraße erfolgen. Durch die gemeinsame Ausschreibung von Obererbacher- und Bergstraße würden die Arbeiten günstiger. Eine Verschiebung der Sanierung der Bergstraße sei nicht möglich. Auch sei nicht zu erwarten, dass durch ein Abwarten in Zukunft die Baupreise sinken, so Richter-Hopprich.

Richter-Hopprich: „Der Spielraum ist gering“

Der Bürgermeister erklärt: „Wir prüfen alle Möglichkeiten, wie man den Bürgern vielleicht noch entgegenkommen kann. Wir reden da über sehr viele Details.“ Zwei dieser Details sind ein Verzicht auf ein Trennwassersystem, zu dem die Anlieger eigentlich verpflichtet werden müssten. Und die Erhaltung eines talseitig gelegenen Abwasserkanals, damit dort keine Pumpwerke installiert werden müssen. Der Verwaltungs-Chef zu „BLICK aktuell“: „Wir werden nicht mit Gewalt an den Leuten vorbei arbeiten! Aber eine Verschiebung der Maßnahme würde es für die Bürger nur teurer machen. Der Spielraum der Gemeinde ist denkbar gering.“

Abschaffung von Ausbaubeiträgen ist Thema

Mittlerweile hört man, dass zwei Hausbesitzer ihre Immobilien wegen der zu erwartenden Straßenerschließungskosten bereits verkauft haben sollen.

Hohe Erschließungsbeiträge sind immer wieder ein Thema in Deutschland. Die Höhe des zu zahlenden Betrages stehe aber immer im direkten Zusammenhang mit der Größe der Grundstücke. In Niedererbach sei es auch so, dass nicht jeder Betroffene nur ein Haus in dieser Straße besitze.

Aus einer anderen Gemeinde im Westerwaldkreis hat sich aufgrund der Vorfälle in Niedererbach ein Ortsbürgermeister zu Wort gemeldet. Andreas Rath aus Hillscheid schreibt: „Seit diesem Sommer wird in den rheinland-pfälzischen Landtagsparteien lebhaft darüber diskutiert, ob zukünftig weiterhin Anliegerbeiträge für Straßenausbaumaßnahmen erhoben werden sollen. Ich selbst habe mich schon im Sommer in diese Diskussion eingebracht und werbe für ein Ende dieser Beiträge. Die Erhebung überfordert viele Grundstückseigentümer finanziell.“ Der Hillscheider Gemeinde-Chef will seinem Gemeinderat bis zur endgültigen Klärung dieser Frage keine Straßen zum Ausbau vorschlagen, die über Anliegerbeiträge finanziert werden müssten. Allerdings handelt es sich in Niedererbach nicht um einen Ausbau, sondern eine Erschließungsmaßnahme.

Gar von „ruinösen Straßenausbaubeiträgen in Niedererbach“ spricht der AfD-Landtagsabgeordnete Dr. Jan Bollinger: „Natürlich ist der großzügige Ausbau einer Sackgasse fragwürdig. Hier kann auch das Vorgehen der Kommune hinterfragt werden.“ Der Fall Niedererbach zeige sehr deutlich, dass erst die Straßenausbaubeiträge „den einen oder anderen kommunalen Entscheidungsträger dazu veranlassen, so großzügig zu planen“. Denn bezahlen müssten es letztlich die Anwohner. Anliegergebühren von bis zu 140.000 Euro seien ruinös für die Anwohner. Bollinger: „Welcher Normalbürger kann derartige Summen ohne weiteres kurzfristig beibringen? Eine derartig unmäßige Belastung der Bürger ist vollkommen inakzeptabel!“ Die Konsequenz könne nach Ansicht des Landtagsabgeordneten nur heißen: „Weg mit den Straßenausbaubeiträgen!“ Dazu habe seine Fraktion im Landtag einen Gesetzentwurf eingebracht.

Die Straße ist jetzt sehr schmal und soll auf sechs Meter Breite ausgebaut werden, damit Autos auch im Begegnungsverkehr aneinander vorbei kommen.

Die Straße ist jetzt sehr schmal und soll auf sechs Meter Breite ausgebaut werden, damit Autos auch im Begegnungsverkehr aneinander vorbei kommen.

In der Obererbacher Straße von Niedererbach rumort es: Die Straße soll im Rahmen einer Erschließungsmaßnahme bebaut werden. Auf die Anlieger kommen große Beitragsforderungen zu. Das Thema wurde mittlerweile auch schon im Fernsehen behandelt. Politiker bis in den Landtag hinein haben sich auch dazu geäußert. Fotos: KER

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Dauerauftrag
Image Anzeige
Kleinanzeigen
Maifest in Gönnersdorf
Maifest in Gönnersdorf
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Gesundheit im Blick
Innovatives rund um Andernach
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
21

„Saubere Flüsse bieten Schutz vor Hochwasser“ lautete die Überschrift eines Berichts in der Ausgabe 14/2026 des BLICK aktuell. Darin hieß es u.a.: „Während die Verbandsgemeinde Bad Breisig die öffentlich-rechtliche Verpflichtung zur Gewässerunterhaltung wahrnimmt, obliegt den Grundstückeigentümern die zivilrechtliche Verkehrssicherungspflicht für Uferbereiche und Bewuchs.“

Weiterlesen

Der marode Zustand der L 83 ist in Kempenich Dauerthema.  Foto: Jochen Seifert
364

Der Artikel zeigt deutlich das Dilemma mit der Sanierung von Landes- und Kreisstraßen im Kreis Ahrweiler. Dem LBM ist der Zustand der L 83 von der K 18 bis nach Kempenich bekannt – das freut mich. Offensichtlich nicht bekannt ist der miserable und verkehrsgefährdende tatsächliche Zustand, denn dann hätte man die Straßen längst saniert. Der benannte Abschnitt der L 83 stand schon im Investitionsplan Landesstraßen der Landesregierung von 2019 – 2023 mit insgesamt 1,934 Millionen Euro.

Weiterlesen

Die CDU Rheinbreitbach freut sich auf viele Gäste beim Burgfest am 26. April.  Foto: Heinz-Werner Lamberz
39

Rheinbreitbach. Der CDU-Ortsverband Rheinbreitbach lädt ein zum Burgfest am Sonntag, 26.04.2026 ab 15:00 Uhr in und um die Obere Burg, Schulstraße 7a in Rheinbreitbach. Angeboten werden leckere, von Mitgliedern gebackene Kuchen, selbstverständlich auch Kaffee, Tee sowie andere alkoholische und alkoholfreie Getränke. Natürlich besteht Gelegenheit zu Gesprächen untereinander sowie mit Abgeordneten und Kommunalpolitikern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
37

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
39

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Ralf Schweiss
Dienstleistungen
Heizölanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Save the Dates
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Titelanzeige
Angebotsanzeige (April)
Innovatives rund um Andernach
Verwaltung Immobilien
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 17
100 Jahre Eifelverein Dernau