Prof. Dr. Stolz von der Hochschule Koblenz informierte über Balkonanlagen
Strom auf dem eigenen Balkon erzeugen
Cochem. Energie- und Stromkosten gehen derzeit durch die Decke. Um der allgemeinen Kostensteigerung entgegenzuwirken und die Bürger zu entlasten, hatte Bürgermeister Wolfgang Lambertz zu einem Vortrag mit Workshop in die Turnhalle der Grundschule Bruttig-Fankel eingeladen.
Mehr als 160 Bürgerinnen und Bürger konnten sich vor Ort darüber informieren, wie man dank einer Balkon-PV-Anlage selbst Strom erzeugen und damit Kosten sparen kann. In jeweils rund zweistündigen Seminareinheiten informierten Professor Dr. Johannes Stolz von der Hochschule Koblenz und sein Team die Teilnehmer über Technik, Möglichkeiten sowie die Grenzen von Kleinst-PV-Anlagen. Aufgrund der hohen Nachfrage musste die Veranstaltung gleich mehrfach angeboten werden. Zahlreiche Seminarteilnehmer verfügen bereits über eine PV-Anlage auf ihrem Hausdach, die es ihnen ermöglicht, Energie ins allgemeine Stromnetz einzuspeisen. Doch dank des von Professor Stolz vorgestellten Konzepts eines sogenannten Balkon-kraftwerks ist es zusätzlich möglich, eine Leistung von maximal 600 Watt zum Eigenverbrauch selbst direkt vor Ort zu erzeugen. Im theoretischen Teil des Seminars ging es auch um Anbringungsmöglichkeiten, den einfachen elektrischen Anschluss sowie die Anmeldung beim Netzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur. Das Prinzip von Balkon-PV-Anlagen ist denkbar einfach. Ein rund 1 x 1,7 Meter großes und rund 20 Kilo schweres Modul, das beispielsweise am Balkongeländer befestigt wird, wird mit einem Wechselrichter verbunden und an das normale Stromnetz angeschlossen. Das ist eigentlich schon alles. Jetzt heißt es nur noch warten, dass die Sonne scheint. Wenn es soweit ist, wird mittels des Moduls Strom für den sofortigen Verbrauch erzeugt. Das bedeutet im Klartext, wenn die Sonne scheint, sollten möglichst viele elektronische Geräte im Haushalt zum Einsatz kommen. Also Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner sollten beispielsweise laufen. Denn die durch Sonneneinstrahlung erzeugte Energie kann diese Geräte dann sozusagen kostenfrei mit Strom beliefern. „Ein Balkonkraftwerk ermöglicht nicht nur Unabhängigkeit vom Netzbetreiber, sondern man kann selbst aktiv Strom sparen“, erklärt Lambertz. Das Einzige, was nötig ist, sind Eigenmotivation und der Wunsch, etwas tun zu wollen.
Gespeichert werden kann die über die Balkonanlage erzeugte Energie allerdings nicht. Wer mehr Strom erzeugt, als er verbraucht, der verschenkt den Überschuss an den Netzbetreiber. Ein Grund mehr also, bei schönem Wetter den Eigenverbrauch möglichst hoch zu halten.
Die Anschaffung eines Balkon-PV-Moduls ist nicht teuer. Einsteigermodelle sind bereits ab rund 350 Euro erhältlich. „Das ist durchaus überschaubar und gerade in diesen Zeiten eine klasse Idee, um Kosten zu sparen“, findet eine der Teilnehmerinnen.
Es ist weder handwerkliches Geschick noch größeres technisches Verständnis notwendig, um die Module selbst zu installieren. Einzig einige bürokratische Hürden sind zu nehmen. „Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, ist es notwendig, die Balkonanlagen anzumelden“, erklärt Professor Stolz. Doch auch das ist kein allzu kompliziertes Unterfangen.
Seit rund fünf Jahren stellt Professor Stolz sein Konzept zur Eigenstromerzeugung in der Öffentlichkeit vor. Neu ist das Angebot an Workshops, um potenziellen Verbrauchern zu demonstrieren, wie einfach das Prinzip funktioniert. Ein tolles Angebot von unserer Verbandsgemeinde, dass die Bürger vor Ort über die Möglichkeit, Strom selbst zu erzeugen informiert werden. Gerade jetzt, wo alle mit steigenden Kosten zu kämpfen haben, lautet der allgemeine Tenor der Teilnehmer.
Die Verbandsgemeinde arbeitet an einer praktikablen, regionalen Möglichkeit, die erforderlichen Komponenten zur Herstellung eines Balkonkraftwerks zu beziehen. „Außer der eigenen Motivation muss der Bürger im Prinzip nichts mitbringen“, sagt Lambertz. Würden beispielsweise alle Teilnehmer des Seminars eine Anlage mit maximal 600 Watt installieren und betreiben, wäre das mit dem elektrischen Energiebedarf der Bruttig-Fankeler Grundschule vergleichbar.
Pressemitteilung VG Cochem
Ein rund 1 x 1,7 Meter großes und rund 20 Kilo schweres Modul, das beispielsweise am Balkongeländer befestigt wird, wird mit einem Wechselrichter verbunden und an das normale Stromnetz angeschlossen.
