Politik | 13.04.2026, 11:56 Uhr

Wirtschaftliche Herausforderungen für Apotheken

„Apotheken sind unverzichtbar“

Bild: v.l.n.r.: Fr. Jonen, Fr. Jakobs, Fr. Schütte, Susanne Müller
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Oberwinter. Zwischen Medikamentenregalen, der Herstellung individuell angepasster Arzneimittel und dem stetigen Kommen und Gehen der Kundinnen und Kunden wird schnell deutlich: Die Apotheke vor Ort ist weit mehr als ein Geschäft. Sie ist Beratungsstelle, Notfall-Anlaufpunkt und für viele Menschen ein fester Bestandteil ihres Alltags. Darüber sprach die Landtagsabgeordnete Susanne Müller mit der Oberwinterer Apothekerin Betina Schütte, die seit 20 Jahren selbstständig ist. Thema waren vor allem die wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen für Apotheken.

„In den letzten Jahren ist es deutlich schwieriger geworden, wirtschaftlich zu arbeiten“, berichtet Schütte. Ein zentraler Punkt ist das sogenannte Fixum. Das ist der gesetzlich festgelegte Betrag, den Apotheken pro verschreibungspflichtigem Medikament erhalten – unabhängig davon, wie teuer das Medikament ist. Mit diesem Geld müssen Beratung, Lagerhaltung, Personal und Notdienste finanziert werden. Dieses Honorar wurde seit 2014 nicht erhöht, obwohl die Kosten stark gestiegen sind. Hierbei handelt es sich um höhere Energiepreise, steigende Gehälter, Beiträge an Berufsverbände sowie teurere Arzneimittel im Einkauf. „Der Umsatz steigt zwar, aber am Ende bleibt weniger übrig“, erklärt Schütte. Besonders kleinere Apotheken im ländlichen Raum geraten dadurch unter Druck.

Folgen der wirtschaftlichen Entwicklung

Die Folgen sind bereits spürbar. „Alle 20 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke“, so Schütte. Für die Menschen vor Ort bedeutet das längere Wege, Wartezeiten und weniger persönliche Beratung.

Auch neue Aufgaben helfen wirtschaftlich kaum. Apotheken dürfen zwar inzwischen Impfungen anbieten, doch der organisatorische Aufwand ist hoch und lohnt sich oft nicht. Gleichzeitig bestellen viele Menschen frei verkäufliche Produkte wie Schmerzmittel oder Vitamine im Internet. Große Versandhändler, häufig im Ausland, können deutlich niedrigere Preise anbieten.

Bedeutung der Apotheken vor Ort

Gerade deshalb wird deutlich, wie wichtig Apotheken vor Ort sind. Sie beraten persönlich, prüfen Rezepte auf mögliche Wechselwirkungen und helfen sofort, wenn Medikamente dringend benötigt werden. Außerdem übernehmen sie Nacht- und Notdienste, sodass auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten eine Versorgung sichergestellt ist. Online-Anbieter können diese unmittelbare Hilfe nicht leisten – insbesondere dann nicht, wenn schnelle Unterstützung oder ein persönliches Gespräch erforderlich ist.

Aktuelle politische Diskussion

Die derzeitige bundesweite Diskussion über eine Erhöhung des Fixums verfolgt Schütte daher mit großer Sorge. „Ohne eine Anpassung wird es für viele Apotheken schwierig weiterzumachen.“ Die Bundesregierung hatte angekündigt, das Apotheken-Fixum zu erhöhen, um die wirtschaftliche Lage der Apotheken zu stabilisieren und die Versorgung vor Ort zu sichern. Eine konkrete Umsetzung steht jedoch noch aus, da die Finanzierung angesichts der angespannten Haushalts- und Kassenlage sorgfältig geklärt werden muss.

Für Susanne Müller ist klar: „Apotheken gehören zur Grundversorgung. Sie beraten persönlich, helfen schnell und sind oft die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen. Wenn Apotheken schließen, trifft das besonders ältere Menschen, Familien und chronisch Kranke.“ Susanne Müller wird sich um das Anliegen und gute Rahmenbedingungen für Apotheken einsetzen, damit die Versorgung vor Ort erhalten bleibt – besonders in kleineren Städten und Gemeinden.

Bild: v.l.n.r.: Fr. Jonen, Fr. Jakobs, Fr. Schütte, Susanne Müller Foto: Christina Sönksen

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