Kirchdauner Dorf – Musikanten konzertieren mit Jazz Programm
„Swing, Soul & Dixie“ im Augustinum
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Kirchdauner hatten jüngst im Augustinum mit ihrem „Swing, Soul & Dixie“ – Sommerprogramm eine große Auswahl an Jazz-Variationen im Gepäck: Klassiker und Standards des Soul, Funk, Blues, Rhythm & Blues, Dixieland, Big Band-Werke in traditionellen und modernen Arrangements aus einem ganzen Jahrhundert. Viele Jazzbegeisterte hatten sich trotz der angekündigten Unwetterlage auf den Weg ins Augustinum gemacht. Das hatte sich gelohnt, denn das Ensemble servierte mit ihrem fast zweistündigen Konzert einen schönen Kontrast zum schlechten Wetter.
Den Auftakt bildete ein rund zehnminütiges Louis Armstrong-Medley mit sanften Balladen und fetzigen Swing-Teilen im New Orleans-Style, gefolgt vom Dixieland Evergreen „Ain’t she sweet“ und einem Battle zwischen Trompete (Albert Feltes) und Posaune (Stefan „Doc“ Frank) beim „Beale Street Blues“. Der Dirigent des Orchesters, Christian Gerling, hatte geschickt die Stärken seiner Musiker genutzt und ließ die nur 14 Musiker*innen nach deutlich mehr klingen. Zahlreiche Soloeinlagen, die sich über das gesamte Orchester verteilten, unterstrichen die Qualität der einzelnen Musiker, während der Vorsitzende der Kirchdauner, Stefan Bendel, mit seinen humorvollen Ansagen dafür sorgte, dass der Abend nicht nur musikalisch kurzweilig war. Ganz klar in Glenn Miller Big Band Tradition erklang „Little Brown Jug“ mit Solos von Nils Heise (Trompete) und Daniela Linden (Tenorsaxophon), die in Stücken wie „I wanna be like you“ auch ihre solistischen Qualitäten an der Querflöte bewies. Von Stück zu Stück passte sich das Orchester immer wieder den Genres an: Während die Big Band Werke wie „Moondance“ oder „Fly me to the moon“ im kompletten Saxophon-Satz präsentiert wurden, sorgte der Wechsel vom Altsaxophon zur Klarinette bei Stücken wie „Royal Garden Blues“ oder „That’s a plenty“ hingegen für echtes Dixieland-Feeling. Hier überzeugte Julia Fussel mit zahlreichen Soloeinlagen an der Klarinette. Selten wird in einem einzigen Konzert eine solche Bandbreite des Jazz präsentiert, wie man es im Augustinum erleben durfte. Das erfordert viel Flexibilität von den Musikern, die sich erstaunlich sicher durch die verschiedenen Genres bewegten. Auch Funky Grooves wie „Spinning wheel“ von Blood, Sweat &Tears oder „Birdland“ von Weather Report waren Teil des Programms, ebenso Souliges, wie „Ain‘t no mountain high“, ein Blues Brothers Medley und - mit einem Solo von Ute Voss am Tenorsaxophon - „Sweet home Chicago“. Nicht unbedingt typisch für ein Jazz Ensemble, auf jeden Fall aber ein Genuss mit Seltenheitswert war die sehr gefühlvolle Fagott-Improvisation von Carina Lohmer in einem Big Band Arrangement des Jazz - Klassikers „Blue Bossa“. Rudy Beset übernahm hier ebenfalls einen Solopart, genauso wie der mit 13 Jahren Jüngste der Kirchdauner, Julian Linden, der bei diesem Stück die Gelegenheit hatte, sich in einer Improvisation mit dem Altsaxophon vorzustellen. Die intensive Vorbereitung hatte sich trotz des hohen Arbeitspensums hörbar gelohnt, schien den sichtbar gut gelaunten Musikern des Orchesters, die in diesem Jahr ihr 40. Vereinsjubiläum feiern, aber auch Spaß gemacht zu haben. Diese gute Laune spürte man im Publikum, das sich davon schnell anstecken ließ. Man darf gespannt sein auf den Höhepunkt des Vereinsjubiläums: das Jahreskonzert am 4. November.
