Politik | 03.02.2015

Würdevolle Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof

Swisttaler Bürger gedachten der Opfer des Nationalsozialismus

Ailin Hollagh, Jonas Kebir und Shu-Xin Hong (v. l.) trugen eigene Gedanken und ein Gedicht zur Erinnerung an die Holocaust-Opfer vor, Bürgermeister Eckhard Maack hielt die Gedenkansprache. Weigert

Swisttal-Heimerzheim. „Wie ist es möglich, dass Auschwitz inmitten kulturell bestimmter und grundsätzlich friedlicher Menschen geschehen konnte?“, fragte Bürgermeister Eckhard Maack in seiner Ansprache anlässlich der Holocaust-Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof in Heimerzheim. Auch drei Schüler der Klasse 10a des Realschulzweigs der Georg-von-Boeselager-Schule, die mit ihrer Lehrerin Irmgard Adolph an der Gedenkstunde teilnahmen, hatten sich dieser Frage intensiv im Religions- und Geschichtsunterricht gewidmet. „Mir ist immer noch nicht klar, wie die Verfolgung und Vernichtung von Juden von der Bevölkerung mitgetragen werden konnte“, fasste Ailin Zenainjad Holagh ihre Gedanken zu dem Völkermord zusammen. Auch Jonas Kebir trug seine eigenen Gedanken zu dem Geschehen vor: „Das Leid der Verfolgten macht uns auch heute noch fassungslos.“ Seine Mitschülerin Shu-Xin Hong trug ein Gedicht des KZ-Häftlings Peter-David Blumenthal-Weiss vor, der 1944 in Auschwitz getötet wurde.

Seit 1996 nationaler Tag des Gedenkens

Rund 50 Bürger waren zu der zentralen Gedenkstunde gekommen. Seit 1996 ist der 27. Januar der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ ein nationaler Gedenktag, an dem man in Deutschland, der EU und der Welt der über sechs Millionen Juden und der vielen anderen Opfer gedenkt, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden. Das Datum selbst erinnert an den Tag der Befreiung der Überlebenden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch Soldaten der Roten Armee. Am 3. Januar 1996 proklamierte der seinerzeitige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar als Gedenktag, der künftig „als nachdenkliche Stunde inmitten der Alltagsarbeit“ begangen werden sollte. An öffentlichen Gebäuden werden als Zeichen der Erinnerung die Flaggen auf Halbmast gehisst. Herzog mahnte damals, „die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“

Gerade mit der jährlichen Teilnahme von Schülern der Georg-von-Boeselager-Schule wird das Vermächtnis des Bundespräsidenten erfüllt. „Wir haben die gesamte Zeit des Nationalsozialismus von der Machtergreifung, der Judenverfolgung bis hin zum Ende des Zweiten Weltkrieges intensiv durchgenommen. Im Religionsunterricht war auch das Judentum ein Schwerpunkt“, erläuterte Jan-Niklas Vilz die Anstrengungen der Schule, das Wissen über diese Zeit zu vermitteln und so dazu beizutragen, dass sich solche Grausamkeiten nicht wiederholen können.

Auch in Heimerzheim wurden Mitglieder der kleinen jüdischen Gemeinde Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. „Wir schulden auch unseren jüdischen Mitbürgern, die von hier aus den Weg in die Vernichtung gegangen sind, dass wir weiter an sie denken“, so der Bürgermeister. Still im Hintergrund hatte Susana Klick zugehört. Ihren Eltern war mit den Kindern in den 30er-Jahren noch rechtzeitig die Ausreise nach Argentinien gelungen. 1957 war der Vater Jakob Schmitz zurückgekommen und hatte sich in Dünstekoven angesiedelt, 1957 war Klick mit der Mutter und dem Bruder nachgekommen. „Deutschland war eben unsere Heimat“, erklärte sie

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Ailin Hollagh, Jonas Kebir und Shu-Xin Hong (v. l.) trugen eigene Gedanken und ein Gedicht zur Erinnerung an die Holocaust-Opfer vor, Bürgermeister Eckhard Maack hielt die Gedenkansprache. Foto: Weigert

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