Politik | 20.09.2016

Integration durch Arbeit

Tag der Chancengarantie: Partner des Ovalen Tischs ziehen Bilanz

Koblenz. Positives Fazit zum Tag der Chancengarantie: Mitarbeiter von IHK Koblenz und den vier Arbeitsagenturen im nördlichen Rheinland-Pfalz haben kürzlich hundert Geflüchtete beraten und mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt gebracht. Alle teilnehmenden Flüchtlinge hatten im Vorfeld einen der fünf IHK-Kompetenzchecks durchlaufen, in denen die Fähigkeiten und Kenntnisse der jungen Menschen geprüft worden waren. Perspektivisch werden etwa 70 Prozent von ihnen in den kommenden Wochen ein Praktikum, eine Einstiegsqualifizierung (EQ) oder eine Ausbildung aufnehmen.

Bereits Mitte des Jahres hatte die IHK Koblenz die Bereitschaft ihrer Ausbildungsbetriebe abgefragt, Geflüchteten eine Integrationschance zu bieten. Rund 300 Unternehmen unterstrichen ihre Offenheit und stellten entsprechende Angebote zur Verfügung. „Unsere Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und bereit, ihren Beitrag zur Integration dieser Menschen zu leisten“, betonte Manfred Sattler, Präsident der IHK Koblenz. „Man darf jedoch nicht vergessen: Integration braucht Kraft und Zeit und erfordert sowohl auf Seiten der Flüchtlinge als auch der Betriebe einen langen Atem.“

Auch die Vertreter der Arbeitsagenturen sehen die berufliche Integration von Flüchtlingen als Prozess: „Aus der täglichen Praxis wissen wir, dass viele junge Flüchtlinge Potenzial mitbringen, um erste berufliche Qualifikationen für den deutschen Arbeitsmarkt zu erreichen oder Ausbildungsabschlüsse zu erwerben. Besonders die betriebliche Einstiegsqualifizierung ist ein gutes Instrument, um sich am deutschen Arbeitsmarkt beruflich zu orientieren: Über einen Zeitraum von einem halben bis zu einem Jahr können Fähigkeiten und Fertigkeiten im täglichen Arbeitsprozess erprobt und erlernt werden“, erklärten Elmar Wagner (Bad Kreuznach), Thomas Becker (Koblenz-Mayen), Dieter Knopp (Montabaur) und Karl-Ernst Starfeld (Neuwied) in einem gemeinsamen Statement.

Kompetenzfeststellung und passgenauer Einstieg in den Arbeitsmarkt

Die Partner der Ovalen Tischs – Landesregierung, Industrie- und Handelskammern, Arbeitsagenturen, Handwerkskammern und Jobcenter – hatten sich im November vergangenen Jahres auf das Prinzip der Chancengarantie verständigt. Zentrales Element ist der Anspruch, die berufliche Integration von Geflüchteten voranzutreiben, und zwar mithilfe von Kompetenzfeststellungen und passgenauen Einstiegen in den Arbeitsmarkt.

Clemens Hoch, Chef der Staatskanzlei, unterstrich anlässlich des Tags der Chancengarantie noch einmal den Stellenwert des Projekts: „Für die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die möglichst frühzeitige Integration der Flüchtlinge in alle gesellschaftlichen Bereiche und hierbei natürlich in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt eine große Bedeutung. Der Ovale Tisch der Landesregierung und der Partner hat in Form vielfältiger Initiativen einiges in die Wege geleitet, um dieses Ziel zu erreichen. Mit Projekten wie „Integration in Ausbildung – Chancengarantie für junge Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz“, einem Modellprojekt zur „Sprachförderung und Berufsorientierung für 18- bis 25-jährige Flüchtlinge“ an den Berufsbildenden Schulen, dem Projekt des Arbeitsministeriums „Ankommen, erklären, verstehen, integrieren“ oder dem Beschäftigungspiloten geben wir gemeinsam mit unseren Partnern den Flüchtlingen eine Chancengarantie, um im Arbeits- und Ausbildungsmarkt anzukommen.“

Mit Blick auf die gesellschaftliche Relevanz dieser Thematik hatte die Vollversammlung der IHK Koblenz im vergangenen Winter die „Koblenzer Erklärung“ mit einem Aktionsprogramm zur Integration von Flüchtlingen verabschiedet. Ergänzend beschlossen die Unternehmer, einen Flüchtlingsfonds in Höhe von 200.000 Euro zu bilden und zwei neue IHK-Mitarbeiter zur Koordination der Flüchtlingsarbeit einzustellen. Bereits im August 2016 konnten nach den IHK-Kompetenzchecks 33 Geflüchtete vorwiegend in Praktika oder EQ vermittelt werden.

Auch die Arbeitsagenturen im nördlichen Rheinland-Pfalz sind bestrebt, Geflüchteten den Weg in die Berufswelt so weit wie möglich zu ebnen. „Den Einstieg in die Arbeitswelt unterstützen die Agenturen für Arbeit mit Kompetenzfeststellungen, beruflichen Informationen und Orientierungsmaßnahmen, mit individuellen Beratungsgesprächen und Vermittlungen in Praktika und Ausbildungsstellen“, so Wagner, Becker, Knopp und Starfeld. „Es gibt bereits ermutigende Beispiele junger Flüchtlinge, die so den Weg in unseren Arbeitsmarkt gefunden haben. Für Arbeitgeber ist dies eine gute Gelegenheit, potenzielle Auszubildende kennenzulernen und zu schauen, ob sie in das Unternehmen passen.“

Gute Deutschkenntnisse sind der Schlüssel für die Vermittlung auf den Arbeitsmarkt

Trotz der gemeinsam erzielten Erfolge weist IHK-Präsident Sattler darauf hin, dass bei der beruflichen Integration von Flüchtlingen noch viel Handlungsbedarf besteht. „Eine Kernforderung der Wirtschaft an die Politik ist die Bereitstellung von Sprachkursen für Flüchtlinge. Eine Berufsausbildung kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Auszubildenden über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen – das Sprachniveau B2 bleibt ein Muss. Zudem sollten Kompetenzchecks landesweit durchgeführt werden, denn die Qualifikationen der Flüchtlinge lassen sich allein anhand von Erstgesprächen und der Aktenlage häufig nicht bewerten.“

Pressemitteilung der

IHK Koblenz

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