88,9 Prozent der Wähler in und und um Höhr-Grenzhausen schenkten ihm ihr Vertrauen
Thilo Becker bleibt weitere acht Jahre Bürgermeister der Verbandsgemeinde
Höhr-Grenzhausen. „Angespannt, die ganze Woche schlecht geschlafen. Je mehr wir uns der 18-Uhr-Marke nähern, umso kribbeliger wird das Gefühl im Bauch.“ So beschrieb Bürgermeister Thilo Becker seine Stimmungslage wenige Stunden vor der Auszählung der Stimmen für die Bürgermeisterwahl. Der Wahl, die zwar nicht darüber entschieden hätte, ob er noch einmal Bürgermeister der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen wird oder nicht. Denn es gab nur ihn als Kandidaten. Aber der Wahl, die darüber entscheidet, wie groß die Zustimmung für ihn als Bürgermeister ist. Weder die Anspannung noch der schlechte Schlaf noch das Kribbeln im Bauch wären nötig gewesen: Fast 90 Prozent der Wähler in den zur Verbandsgemeinde gehörenden Orten Höhr-Grenzhausen, Hillscheid, Hilgert und Kammerforst wollten ihn weiter haben und machten ihr Kreuzchen bei „Ja“.
Nur ein Kandidat
Thilo Becker hatte schon damit gerechnet, dass die Wahlbeteiligung nicht allzu hoch ausfallen würde. Schließlich gab es ja nur den einen Kandidaten zu wählen. Ähnlich wie am selben Tag bei der Landratswahl. Acht Jahre hat Thilo Becker jetzt an der Spitze der Verwaltung im Rathaus von Höhr-Grenzhausen gestanden. Für ihn gilt immer noch: „Gerade bei einer Kommunalwahl sollten die Bürger ihre Stimme abgeben. Denn auf örtlicher Ebene werden noch viele Entscheidungen getroffen, die die Menschen direkt betreffen.“ Natürlich malt sich jeder in solchen Fällen einen Best Case und einen Worst Case aus. Thilo Becker sagte vor der Auszählung: „Ich bin auf das Wahlergebnis gespannt. Wenn wir eine Wahlbeteiligung von 30 Prozent haben, bin ich schon froh. Wenn ich heute als alleiniger Kandidat eine Zustimmung bekommen würde von über 80 Prozent, wäre ich hochzufrieden. Bei allem anderen, was noch höher ist, wäre ich überwältigt.“ Das wird Thilo Becker am Ende wohl gewesen sein, denn die Zustimmung zu ihm als Bürgermeister erreichte sagenhafte 88,9 Prozent. Und froh konnte er auch sein, denn die Wahlbeteiligung lag über den erwarteten 30 Prozent - bei genau 31,9 Prozent.
Bei der Bürgermeisterwahl vor acht Jahren hatte Thilo Becker 54 Prozent der Stimmen bekommen, allerdings in der Situation mit einem - wie er sagt - „kompetenten Mitbewerber Andreas Rath“. Und wo war der Gegenkandidat bei dieser Wahl? Thilo Becker lacht: „Das könnte jetzt arrogant klingen, aber vielleicht, weil ich gute Arbeit gemacht habe. Ich hoffe und denke, dass ich ein großes Vertrauen der Fraktionen im Verbandsgemeinderat habe. Und ich glaube, dass mir von den Ortsbürgermeistern ein großes Vertrauen entgegengebracht wird, von Michael Thießen, Andreas Rath, Uwe Schmidt und Margit Demuth. Wir können über alles reden. Ich setze mich auch sehr für die Gemeinden ein sowie auch für die Stadt Höhr-Grenzhausen. Ich glaube, das sind die Dinge, die mit dazu beigetragen haben, dass die Fraktionen keinen Gegenkandidaten aufgestellt haben. Aber der Souverän sind die Bürger. Die wählen, deren Meinung zählt.“ Konkrete Pläne für seine bald beginnende zweite Amtsperiode hat Thilo Becker einige: „Ich wünsche mir, für die Stadt Höhr-Grenzhausen in Zusammenarbeit mit der Stadt die Innenstadtsanierung richtig gut abschließen zu können. Dass es uns gelingt, den einen oder anderen gewerblichen Leerstand zu beseitigen. Das ist, glaube ich, für uns ein Mammutprojekt, aber dieses Problem haben alle Innenstädte. Ich möchte auch die Verwaltung weiterhin so effizient betreiben, wie es bei uns der Fall ist. Wir stehen vor einem Umbruch. Wir werden bis zum Jahr 2025/2027 fast die Hälfte der Mitarbeiter ersetzen müssen, die dann in Ruhestand gehen. In dem Zusammenhang schauen wir, welche Aufgaben wir unter Umständen effizienter erledigen können. Zum Beispiel müssen wir unsere Buchführung anpassen. Und da ist jeder dann schnell beim Thema EDV und bei der Vereinheitlichung der Datenverarbeitung in der Verwaltung, um die Effizienz zu erhöhen. Und mein größter Wunsch ist es, die Verbandsgemeindewerke, die zurzeit ausgelagert sind, wieder mit der Verwaltung unter einem Dach zu haben. Momentan haben wir dafür nicht genügend Büroräume. Zuletzt habe ich ein Interesse, dass wir das Rastal-Einkaufszentrum gut hinbekommen und weitere Gewerbegebiete in Hilgert und in Hillscheid voranbringen. In Hillscheid stehen wir jetzt kurz vor der Vertragsunterzeichnung mit der Firma Syngenta. Das ist ein ganz wichtiges Projekt für die Verbandsgemeinde in Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde. 70.000 Quadratmeter Gewerbefläche werden dort entstehen. In Hilgert sind wir dabei, das Gewerbegebiet entsprechend zu erweitern. Und in Höhr-Grenzhausen können wir noch das eine oder andere Projekt an Wohnbebauung initiieren. Wir haben also sicherlich noch ganz viel Arbeit vor uns.“
Raumplanerisches Verfahren
Für das Rastal-Center soll demnächst das raumplanerische Verfahren eingeleitet werden. Geplant ist ein Einzelhandels-Center mit den großen Discountern und einem Drogerie- und Schuhmarkt. Das Fehlen eines Drogeriemarkts in Höhr-Grenzhausen hat der Stadt nach allgemeiner Auffassung viel Kaufkraft in die umliegenden Mittelzentren abgezogen. Das soll sich bald ändern.
