Politik | 21.07.2020

Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler beschließt Neubau von Hallenbad

Trotz Finanzierungslücke von mindestens drei Millionen Euro wird das TWIN gebaut

Altes TWIN wird ein Jahr früher als geplant geschlossen und anschließend abgerissen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Neubau des Hallenbads TWIN in Bad Neuenahr ist beschlossene Sache. Einstimmig votierte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung für die Umsetzung der Maßnahme und beauftragte die Architekten mit den nächsten Schritten. Wermutstropfen für alle Schwimm-Enthusiasten: das alte TWIN wird ein Jahr früher als geplant, nämlich schon im Mai kommenden Jahres für den Betrieb geschlossen und anschließend abgerissen. Mit dieser Maßnahme will man knapp eine Million Euro einsparen, um die aktuelle Deckungslücke von optimistisch geschätzten drei Millionen Euro für das mittlerweile auf fast 16 Millionen Euro geschätzte Projekt zu decken. Im März 2017 war man noch von gut zehn Millionen Euro Baukosten ausgegangen. Die Baugenehmigung sei bereits am 16. März erteilt worden, berichtete Bürgermeister Guido Orthen (CDU) dem Stadtrat in der Landskroner Festhalle. Die Finanzierung des Millionen Projektes sei allerdings noch bei Weitem nicht abgeschlossen, berichtete Orthen. Derzeit sei noch mindestens drei Millionen Euro nicht aus finanziert, mit dieser Differenz könne man nicht fröhlich weitermachen. Doch angesichts der Tatsache, dass der Schwimmsport der teuerste Sport überhaupt sei, weil man dafür ein Bad brauche, sei es nur fair, dass auch die Schwimmer und schwimmsporttreibenden Vereine ihren Beitrag zum Gelingen des Projektes leisteten.

940.000 Euro an Betriebskosten einsparen

„Wir wollen das Bad, aber nicht um jeden Preis“, machte Orthen noch einmal klar. Man könne auch nicht so tun, als kostet das alles nichts, gerade angesichts der finanziellen Folgen der Corona-Pandemie auf die Finanzen der Stadt. So habe man sich dazu entschlossen, vorzuschlagen, dass TWIN vorzeitig zu schließen, sozusagen als Beitrag der künftigen Nutzer zur Finanzierung des Projektes. Dadurch könne man rund 940.000 Euro an Betriebskosten für zwei volle Betriebsjahre einsparen. Nach Fertigstellung werde das „neue TWIN“ dann im April 2023 wiedereröffnet. Das Schul- und Vereinsschwimmen könnte in dieser Zeit, wenn auch in verminderter Form, im Schwimmbad des Calvarienberg oder im Freibad Ahrweiler stattfinden. Diese Vorgehensweise stimmte der Stadtrat schließlich bei zwei Gegenstimmen von Marion Morassi (Die Linke) und Dr. Jürgen Lorenz (Wählergruppe Jakobs) sowie bei zwei Enthaltungen zu.

Ob es bei den dann noch zwei Millionen Euro „Restfinanzierung“ bleiben werde, bezweifelte SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Kasel. Angesichts einer Reihe von Ungewissheiten, namentlich die nicht positiv belegten Verkaufsabsichten der Ostwiese oder die Entwicklung eines Baugebietes „Oben in der Hardt“, wachse sich die Lücke auf bis zu fünf Millionen Euro aus. Doch der Rat selbst habe 2016 vorgegeben, dass eine ausreichende Förderung und eine nachvollziehbare und auch zeitlich umsetzbare Refinanzierung des verbleibenden städtischen Anteils durch den Verkauf städtischer Liegenschaften eine zwingende Voraussetzung für ein Neubau seien. „Von dieser selbst gesetzten Vorgabe sind wir derzeit noch ein nicht unbeträchtliches Stück entfernt.“

Nachbarkommunen sollen mitfinanzieren

CDU-Sprecher Peter Ropertz sah die Aufnahme eines Kredits als vertretbare finanzielle Belastung künftiger Generationen an. Ihm sei auch bewusst, dass es für die Schwimmsport treibenden Vereine eine Herausforderung darstelle, schon ein Jahr früher als geplant auf das TWIN zu verzichten. „Aber in der derzeitigen Situation geht es nicht anders“. Wie auch die übrigen Fraktionssprecher bedankt er sich bei der Gemeinde Grafschaft und dem Kreis für ihre Förderzusagen in Millionenhöhe und forderten die anderen Nachbarkommunen auf, diesem Beispiel zu folgen. Rolf Deißler (FDP) etwa sah darin „ein Gebot der Fairness“. Auch er fand die vorzeitige Schließung zumutbar für die Schwimmsportvereine, zumal es Alternativen gebe für die Ausübung ihres Sports. Das sah auch Wolfgang Schlagwein (Grüne) so: „Schließlich gibt es mit den Ahr-Thermen noch ein weiteres Hallenbad in der Stadt.“ In der weiteren Diskussion wurden zudem Hotel- oder Sanatoriums-Bäder in der Kurstadt ins Gespräch gebracht. Vielleicht könne die Stadtverwaltung mit denen eine Kooperationsvereinbarung treffen, etwa für das Schulschwimmen in kleinen Gruppen.

Alfred Förner (FWG) lobte die realistische Kostenschätzung und forderte zugleich, schnellstmöglich mit dem Bau zu beginnen, um weiteren Teuerungen aus dem Weg zu gehen. „Nach Auffassung der FWG kann die Devise nur lauten: wenn ein neues Hallenbad, dann so schnell wie möglich.“ Allerdings unter der Voraussetzung, dass der zugesagte Bundeszuschuss in Höhe von 3,1 Millionen Euro auch fließe. Zwar widerspreche man damit dem Ratsbeschluss, dass Hallenbad nur neu zu bauen bei vollständiger Gegenfinanzierung. Doch man sei der Auffassung, dass eine Stadt wie Bad Neuenahr-Ahrweiler ein solches, sicher nicht überdimensioniertes Hallenbad, haben sollte. Danach müsse allerdings die Bäderlandschaft in der Stadt auf den Prüfstand gestellt werden mit Blick auf die Frage, was eine Stadt wie Bad Neuenahr-Ahrweiler aufweisen sollte und was davon finanzierbar sei.

Bürgerinitiative und Förderverein gefordert

Marion Morassi (Linke) regte ebenfalls die Zwischenfinanzierung mittels einer Kreditaufnahme an und wandte sich zugleich gegen eine vorzeitige Schließung des Schwimmbades. Gerade jetzt habe sich durch Corona gezeigt, dass ein kommunales Bad für viele Bürger eine kostengünstige Alternative zum Urlaub im Ausland sein könne. Dr. Jürgen Lorenz (Wählergruppe Jakobs) sah in der geplanten vorzeitigen Schließung des TWIN ein ganz schlechtes Signal für die Touristen in der Stadt, freute sich aber, dass es mit dem Neubau nun weitergehe. CDU-Fraktionschef Christoph Kniel schließlich enthielt sich der Stimme, weil der Neubau nicht ausfinanziert sei und man damit gegen eine Beschlusslage des Stadtrats stimme, für die er persönlich immer eingestanden sei. Auch er konnte sich einen Seitenhieb auf die Nachbarkommune nicht verkneifen: „Dankenswerter Weise haben der Bund, der Kreis und die Gemeinde Grafschaft sehr nennenswerte Zuschüsse zugesagt. Die übrigen benachbarten Kommunen, die teils viele Kinder, Schüler oder Klassen zum Schwimmunterricht nach Bad Neuenahr-Ahrweiler bringen lassen, bleiben in Deckung, was ich persönlich als wenig solidarisch einordne – Trittbrett eben.“ Bürgermeister Orthen bemängelte, dass auch die Bürgerinitiative „Rettet das TWIN“ und der Förderverein bis heute noch keinen Cent zur Finanzierung des Neubaus in Aussicht gestellt hätten.

JOST

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