Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung Remagen
Unbedingt in den Kindergarten
Erfolgsautorin Melda Akbas las und diskutierte im Remagener Jugendbahnhof
Remagen. Sie ist heute 22 Jahre alt und hat mit 18 ihr erstes Buch angefangen. Sie hat „türkische“ Wurzeln und ist eine moderne junge „deutsche“ Frau. Die Rede ist von Melda Akbas, deren Karriere als Schülersprecherin in Berlin begann und die eines der am meisten beachteten Bücher in Deutschland zu Fragen der Integration von Migranten/innen verfasst hat. Derzeit ist ihr zweites Buch zur Analyse des deutschen Bildungssystems aus der Sich einer Studentin mit Migrationshintergrund im Druck.
Am Donnerstag trug Melda Akbas im Remagener Jugendbahnhof vor zahlreichem Publikum aus ihrem Buch „So wie ich will. Mein Leben zwischen Moschee und Minirock“ vor. Sie war extra aus Hamburg zwischen zwei Klausuren an der Universität angereist, um nachmittags mit Schülerinnen der RealschulePlus zu diskutieren und am Abend im Jugendbahnhof von Remagen ihren Vortrag zu halten. Veranstalter war der Arbeitskreis für politische Bildung e.V., der die Autorin im Rahmen des lokalen Aktionsplans Remagen zusammen mit der Initiative „are - Kultur live“ des Kreises Ahrweiler eingeladen hatte.
Das altersmäßig sehr gemischte Publikum lernte eine junge Frau kennen, die zwischen islamisch-türkischer Tradition und deutscher Großstadt-Jugendkultur aufwuchs und dabei ihren eigenen Weg gefunden hat: Einerseits Respekt gegenüber den Eltern und ihren vielleicht veralteten, aber doch Ernst zu nehmenden Vorstellungen, auf der anderen Seite der Wunsch, sich wie die gleichaltrigen deutschen Mädchen im Minirock und mit Top bekleidet in das Stadtleben Berlins zu stürzen. Interessant für die Zuhörer, dass Zustimmung und Ablehnung dieses Verhaltens quer durch die Großfamilie gingen. Während der noch in der Türkei aufgewachsene Vater auf „einwandfreie Kleidung, das heißt: lange Röcke und geschlossene Blusen“ achtete, habe der Onkel seine Nichte stets gegenüber dem Vater unterstützt. Dies sei aber keineswegs ein Phänomen bei türkischstämmigen Familien in Deutschland. Auch in der Türkei selbst gäbe es diese Diskussion zumindest in den Städten überall in den Familien.
In der Diskussion wurde lange darüber gerätselt, was denn nun einen „echten Deutschen“ oder eine „echte Türkin“ ausmachten. Einhellige Auffassung war am Ende, dass es weder „die islamische Kultur“ noch „die christliche Kultur“ gäbe, sondern in beiden Kulturkreisen Menschen höchst unterschiedlicher Auffassung gerade auch in moralischen Dingen seien. Bei der Frage nach den wichtigsten Empfehlungen zur Integration wurde Melda Akbas sehr deutlich: „Ich habe die türkische Sprache in der Familie gelernt und dann ab Besuch des Kindergartens die deutsche Sprache. Mein Ziel war, beide Sprachen gut zu beherrschen. Dies kann ich nur allen Menschen mit Migrationshintergrund ausdrücklich empfehlen. Dazu gehört unbedingt auch, dass Kinder aus Migrantenfamilien unbedingt in den Kindergarten gehen sollten“.
Für den Arbeitskreis sprach sich der Vorsitzende Frank Bliss bei der jungen Referentin im Namen von Veranstalter und Publikum aus und verwies im Zusammenhang mit den Thema Integration auf die Angebote des Arbeitskreises zum Frauenturnen: Freitags, um 18 Uhr, im Kindergarten St. Martin und zum Deutsch-Sprachkurs für Frauen, mittwochs, von 9 bis 11 Uhr, in der Grundschule St. Martin.
Pressemitteilung
Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung Remagen
