Leserbrief zum Artikel in „Blick aktuell“, Ausgabe 11/2014 und zum Leserbrief von Jutta Fischer in Ausgabe 12/2014
Unterschiedlichen Gottesdienstformen tolerant begegnen
Dem Brief von Frau Jutta Fischer muss, wie ich meine, in einigen Punkten widersprochen werden. Messdienerinnen und Messdiener sind Kinder und Jugendliche, die einen nicht geringen Teil ihrer Freizeit opfern, um in den Gottesdiensten ehrenamtlich zu dienen. Sie sind noch keine professionell ausgebildeten, fertig erwachsenen Menschen; zudem agieren sie vor einer großen Gemeinde in Gottesdiensten mit oft mehreren Hundert Teilnehmern. Dass sie dabei hin und wieder kleine Unsicherheiten zeigen, halte ich für natürlich und menschlich durchaus verzeihbar. Wer sie deswegen, ohne für eine angemessene Ausbildung zu sorgen, als „Idioten“ bezeichnet, lässt Sensibilität und pädagogisches Geschick vermissen. Wer, statt ihren Dienst anzuerkennen und sie zu motivieren, sie auffordert, doch zu Abenteuer-pur (ein etwas negativer Seitenhieb auch auf Abenteuer-pur) zu gehen, darf sich nicht wundern, wenn sie dieser Aufforderung dann auch tatsächlich nachkommen.
Den Pallottinern ist zu danken für 40 Jahre engagierte Seelsorge - unter ihnen gab es zeitweise bis zu 150 Messdienerinnen und Messdiener. Die Kleidung ist persönliche Ausdrucksform, nach der man einen Menschen nicht beurteilen sollte. Und an Karneval ein Tänzchen zu wagen, zeigt, dass man als Priester ganz bei den Menschen ist. Jedenfalls sind mir Priester, die an Karneval in der Karnevalssitzung der KFD ein Tänzchen wagen oder in etwas extravaganter Kleidung auftreten, dabei aber Zugang zu den Menschen, ob jung oder alt, finden, lieber als Priester, die in traditioneller Priesterkleidung in Skandale verwickelt sind, von denen wir in den letzten Jahren mehr als genug gehört haben. Gottesdienstformen sind historischen Entwicklungen unterworfen.
Keiner weiß zu sagen, wie Jesus sich einen Gottesdienst vorgestellt hätte. Vor 40 Jahren haben wir im Pfarrgemeinderat heftige Debatten über die Frage geführt, ob Jugendmessen mit moderner rhythmischer Musik angemessen seien. Heute sind sie selbstverständlich, sogar bei Papstmessen. In Afrika und Lateinamerika gehören Tanz, Musik und rhythmisches Klatschen ganz selbstverständlich zu den Ausdrucksformen der Gottesdienste. Und in Italien sind die Gottesdienste wohltuenderweise viel lockerer als bei uns.
Bei der Vielzahl der Gottesdienstformen (selbstverständlich bei den
immer gleichbleibenden Kernelementen) und der heute möglichen Mobilität ist es jedem unbenommen, den Gottesdienst zu wählen, der seinem Bedürfnis nahe kommt. Allerdings sollte niemand die von ihm gewählte Form für allein selig machend halten und mit Fingern auf diejenigen zeigen, die andere Gottesdienste bevorzugen. Denn ein solches Verhalten hat nichts zu tun mit Toleranz und Barmherzigkeit und ganz bestimmt nichts mit dem Geist des Evangeliums. Es bleibt nur die Hoffnung, dass die Gemeinde wieder zu einer Gemeinschaft zusammenwächst. Ein guter Schritt waren das freundliche Zugehen auf die Kinder des Kindergotteslobes und die versöhnliche Predigt von Pater Clemens Maria im Gottesdienst am 23. März. Dr. Ernst Alfred Kirfel,
Rheinbach
