Wegen Entschärfung einer 1000 kg-Bombe in Weitersburg mussten 6000 Bürger evakuiert werden
Vallendar war eine Geisterstadt
Vallendar/Region. Einer Geisterstadt glichen am Sonntag das Zentrum von Vallendar, der gesamte Ort Weitersburg, der südliche Teil von Bendorf und der nördliche Teil der Insel Niederwerth. Keine Menschenseele weit und breit, kein Auto, keine Radfahrer, außer leeren Häusern mit herunter gelassenen Rollläden einfach nichts. Aber auch auf der Autobahn 48, der Bundesstraße 42, der rechtsrheinische Bahnstrecke und auf dem Rhein herrschte gähnende Leere wegen Vollsperrungen.
Verantwortlich für diesen Zustand waren etwa 650 Einsatzkräfte, die wegen der Entschärfung der amerikanischen 1000-Kilo-Fliegerbombe in Weitersburg den Bereich entvölkert hatten. 6000 Bürger in einem Radius von 1,8 km rund um den Blindgänger mussten Wohnungen, Seniorenheime, Klinik, Hotels und Gaststätten verlassen. Denn so weit wären bei einer Explosion der Bombe die Splitter geflogen.
Doch dazu kam es glücklicherweise nicht. Denn der fünfköpfige Kampfmittelräumdienst unter dem erfahrenen Frank Bender hatte ganze Arbeit geleistet und am Nachmittag innerhalb von etwa 30 Minuten den Zünder rausgeschraubt und damit die Bombe unschädlich gemacht. „Wir sind erleichtert, denn es war völlig unproblematisch“, freute sich Frank Bender, nachdem der Bagger das tonnenschwere Ungetüm auf den Lkw geladen hatte. Die Bombe wird jetzt in der Nähe von Koblenz zwischen gelagert, um dann irgendwann einmal in einem sicheren Bunker von Maschinen zersägt zu werden.
Der Blindgänger lag in Weitersburg in etwa 3 Metern Tiefe auf dem Grundstück, auf dem ein Kindergarten gebaut werden soll. Um den Zustand des Bodens zu überprüfen, waren Satellitenpläne ausgewertet worden, die den Verdacht nährten, dass hier eine Bombe liegen könnte. Die Sonde des Kampfmittelräumdienstes bestätigt das und so wurde vor etwa eineinhalb Wochen die Bombe mit einem kleinen Bagger vorsichtig freigelegt.
Evakuierung
Um 11 Uhr sollte der Gefahrenbereich absolut entvölkert und auch die Verkehrswege leer sein, damit um 16 Uhr mit der Bombenentschärfung begonnen werden konnte. Den langen Vorlauf erklärte Stefan Vogt (Bendorf), stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur des Landkreises Mayen-Koblenz: „Die Feuerwehrleute klingeln an jeder Wohnung, um festzustellen, ob dort noch jemand ist. Und auf der Autobahn hätte es einen Unfall geben können, dessen Aufnahme das alles verzögert hätte.“
Als die Wehrleute in Bendorf „Klingelmännchen“ machten, landeten sie einen Treffer, den sie eigentlich nicht wollten. Ein etwas desorientierter allein lebender Senior wusste von alledem nichts und wollte seine Wohnung auch nicht verlassen. Ein Ordnungsamtsmitarbeiter wies auf die Konsequenzen hin, dass er zur Not in Handschellen aus der Wohnung geführt werde, da es sich hier um eine polizeiliche Maßnahme handelt. Schnell hatte der Mann das eingesehen, verließ freiwillig die Wohnung und wurde zu einem sogenannten Sammelplatz gefahren, die es in der Bendorfer Schule bzw. an der Vallendarer Stadthalle gab. Das galt auch für einige Bewohner der Seniorenheime, die hier von DRK-Helfern und Johannitern betreut und mit Essen und Getränken versorgt wurden.
Andreas Erdmann, Leiter des AWO-Seniorenheims Vierwindenhöhe in Bendorf, lobte die Evakuierung: „Die Zusammenarbeit mit der Einsatzleitung ist eine Supersache. Wir haben die Bewohner u.a. in unseren Heimen in Neuwied, Weißenthurm, Koblenz und Höhr-Grenzhausen untergebracht und dort das Personal verstärkt, da die Senioren hier durch den Ortswechsel mehr Betreuung brauchen.“
Ca. 650 Kräfte waren permanent im Einsatz
An diesem Sonntag waren permanent ca. 650 Kräfte, im Einsatz, deren Zahl am Nachmittag kurzfristig auf bis zu 800 aufgestockt wurde. Chef der Aktion war der Vallendarer VG-Bürgermeister Fred Pretz, der mit einem kompletten Stab von einem Logistik-Zentrum im Mallendarer Berufsbildungswerk aus das Ganze leitete. Das waren u.a. ca. 120 Polizisten, etwa 40 Organisatoren und Logistiker und als ehrenamtliche 170 Feuerwehrleute, 100 THWler sowie 220 Helfer von DRK und Johanniter.
„Ich bin mit allem, besonders mit den Einsätzen sehr zu frieden“, erklärte Fred Pretz gegenüber BLICK aktuell und weiter: „das liegt wohl auch an der guten Vorbereitungszeit, da wir ab Montag bereits die Bürger informiert hatten. Die hatten dann ihren Sonntag außerhalb geplant. So gibt es in den Sammelstellen viel weniger Bürger als erwartet.“ Für die Evakuierten hatte die Verwaltung auch noch ein Bonbon: Der Eintritt ins Mallendarer Freibad war frei und der Neuwieder Oberbürgermeister Nikolaus Roth hatte seinem Vallendarer Kollegen mitgeteilt, dass die Betroffenen zum halben Eintrittspreis den Neuwieder Zoo und Museum Monrepos besuchen können.
Die Evakuierung brachte laut Stefan Vogt sehr viel an Erfahrung: „Hier konnten Leitung und Einsatzkräfte zeigen, dass das Geübte funktioniert und man lernte sich kennen, was im Ernstfall sehr wichtig ist, denn dann weiß man, auf den kann ich mich verlassen.“
Die Experten konnten mit der Entschärfung rund eine Stunde früher beginnen als geplant, da die Evakuierung des gefährdeten Gebietes zuvor besser gelaufen war, als man erwartet hatte. So begannen die „Kampfmittelräumer“ schon um 14.45 Uhr mit ihrer gefährlichen Arbeit, denn der Zünder der Bombe war laut Frank Bender noch in einem sehr guten Zustand und hätte die Bombe problemlos zur Explosion bringen können. Um 15.15 Uhr kam dann die Erfolgsnachricht: Die ist Bombe ist entschärft und alles atmete auf. Die Verkehrswege wurden wieder freigegeben, die Absperrungen entfernt, die Bürger durften wieder in die Häuser und die Heimbewohner kamen wieder in ihr gewohntes Zuhause gebracht.
Mehr dazu inBLICK aktuell TV
Einen aktuellen Filmbeitrag zu diesem Thema finden Sie unter www.blick-aktuell.tv. Reinschauen lohnt! Viel Spaß. HEP
Vor der Entschärfung schaute sich ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes die gefährliche Bombe noch einmal genau an
Vor der Entschärfung schaute sich ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes die gefährliche Bombe noch einmal genau an
