Politik | 17.07.2021, 13:01 Uhr

Mehr als 200 Feuerwehrleute aus dem Kreis Neuwied im Hochwassereinsatz an der Ahr

„Verheerende Situation“

Brand- und Katastrophenschutz-Inspekteur Holger Kurz spricht vom „schlimmsten Einsatz, den wir je hatten“ Landrat Achim Hallerbach lobt Ehrenamtliche: „Wir werden Sie auch nachher damit nicht allein lassen“

Die Feuerwehren des Kreises Neuwied bei der Einsatzbesprechung.Fotos: Kreisverwaltung Neuwied

Kreis Neuwied/Ahrweiler. Holger Kurz ist nicht gerade ein unerfahrener Feuerwehrmann. Der Brand- und Katastrophenschutz-Inspekteur (BKI) des Kreises Neuwied hat einiges gesehen. Aber der aktuelle Hochwassereinsatz im Nachbarkreis Ahrweiler macht auch ihn fassungslos. „Vom Gefühl her ist es der schlimmste Einsatz, den wir je hatten“, sagt er und vergleicht die Situation „mit den Elbehochwassern, die man im Fernsehen gesehen hat“.

In Altenahr beispielsweise soll der Fluss bis auf sieben Meter Höhe angeschwollen sein. „Genau weiß man es nicht. Der bisherige Höchststand lag bei 3,16 Metern, bei 5,50 Metern ist der Pegel dann ausgestiegen“, erzählt er und führt weiter aus, dass das Stadtbild von Ahrweiler aussehe „wie im Krieg“: übereinandergestapelte Autos, eingeschlagene Hauswände. Die Situation sei „verheerend“, bringt Kurz es auf den Punkt und berichtet, dass allein die Neuwieder Feuerwehrleute um Wehrleiter Kai Jost 50 Menschen vor den Wassermassen retten mussten.

Insgesamt, schätzt Kurz, sind aktuell 200 bis 250 Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreis Neuwied zur Unterstützung der Kameraden an der Ahr im Einsatz. Zunächst waren am Mittwochabend aus dem vier Landkreise umfassenden Bereich der Rettungsleitstelle Montabaur 150 Kräfte alarmiert worden. Im Lauf der Nacht seien dann immer mehr Feuerwehrleute hinzugezogen und vor allem Spezialfahrzeuge sowie Boote aus den Wehren der Rheinschiene nachgeordert worden. „Die Welle rollt weiter“, sagt Kurz am Donnerstagvormittag. Er selbst ist am Bad Neuenahrer Feuerwehrhaus stationiert, seine Kameraden sind in der gesamten Region verteilt. Natürlich habe man bei allem auch darauf geachtet, die Einsatzbereitschaft im Kreis Neuwied nicht zu gefährden. „Wir haben keine Standorte komplett leergefahren“, hält Kurz fest.

Landrat Achim Hallerbach steht mit seinem Brand- und Katastrophenschutz-Inspekteur in regelmäßigem Kontakt – so die wackeligen Mobilfunkverbindungen es zulassen. Nach einem Telefonat zeigt er sich geschockt von den Katastrophenschilderungen. „Meine Gedanken sind vor allem bei den Menschen, deren Leben bedroht ist und bei denen, die leider schon Angehörige verloren haben. Und natürlich haben auch viele Hab und Gut verloren“, sagt er und dankt den Feuerwehrleuten für ihren unermüdlichen Einsatz. „Die Kameraden aus dem Kreis Neuwied sind sämtlich Ehrenamtliche. Frauen und Männer, die sich nachts aus dem Bett holen lassen, um dann rund um die Uhr anderen zu helfen“, lobt Hallerbach und betont, dass ihm bewusst ist, dass dieser Einsatz nicht nur physisch Kräfte zehrt, sondern für viele auch psychisch belastend ist. „Wir werden unsere Leute damit nicht allein lassen“, verspricht er Hilfsangebote in der Nachbereitung des Einsatzes.

Pressemitteilung

Kreisverwaltung Neuwied

Im Lauf der Nacht wurden immer mehr Feuerwehrleute hinzugezogen und vor allem Spezialfahrzeuge sowie Boote aus den Wehren der Rheinschiene nachgeordert.

Im Lauf der Nacht wurden immer mehr Feuerwehrleute hinzugezogen und vor allem Spezialfahrzeuge sowie Boote aus den Wehren der Rheinschiene nachgeordert.

Die Feuerwehren des Kreises Neuwied bei der Einsatzbesprechung. Fotos: Kreisverwaltung Neuwied

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Monatliche Anzeige
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Magazin "Rheinbacher Ausbildungsmesse"
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Magazin Rheinbacher Ausbildungsmesse
Messezeitung Rheinbacher Ausbildungsmesse
Empfohlene Artikel
Die politische Bilanz von Norbert Hansen ist in Kettig an vielen Stellen bis heute sichtbar.Foto: privat
20

Kettig. Mehr als 300 Bäume gepflanzt, rund 250 neue Bauplätze geschaffen, das Gewerbegebiet erschlossen, Kindergarten und Grundschule weiterentwickelt und neue Orte für Sport und Begegnung geschaffen: Die politische Bilanz von Norbert Hansen ist in Kettig an vielen Stellen bis heute sichtbar. Am 21. September wird der ehemalige Ortsbürgermeister 80 Jahre alt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Pixabay.com
2853

Für rund zweieinhalb Stunden blieb es dunkel:

05.09.: Langer Stromausfall in Remagen und Sinzig

Sinzig/Remagen. Am Samstagabend kam es um 20.07 Uhr zu einem Kurzschluss im Bereich der Umspannanlage Sinzig. In der Folge fiel im Bereich von 31 Netzstationen der Strom aus. Betroffen waren Haushalte in Sinzig und Remagen.

Weiterlesen

Nach der Flut bewiesen Gisela Dieringer und Brigitte Gafinen Durchhaltevermögen.
1350

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach mehr als 150 Jahren endet eine außergewöhnliche Familien- und Unternehmensgeschichte: Das traditionsreiche Schuhhaus Rollmann in Bad Neuenahr schließt seine Türen. Damit verliert die Innenstadt ein Geschäft, das für Generationen von Kundinnen und Kunden weit mehr war als nur ein Ort zum Schuheinkaufen, sondern einen Platz für Begegnungen und Gespräche. Nun haben sich die...

Weiterlesen