Engpass bei Kindergartenplätzen
Verstärkter Zuzug junger Familien sorgt für mehr Nachfrage nach Kindergartenplätzen
In der „Rappelkiste“ in Bachem und im „Sterntaler“ in Heimersheim stehen Bauwagenprojekte an - Im neuen Baugebiet St. Pius-Straße könnte ein Kindergarten entstehen
Kreisstadt. Bei den Kindergartenplätzen in der Kreisstadt droht in absehbarer Zeit ein Engpass, das erfuhr der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Der Erste Beigeordnete Peter Diewald erläuterte dabei, wie die Stadtverwaltung den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für die Ein- bis Sechsjährigen auf der Grundlage einer aktuellen Bedarfsermittlung sicherstellen möchte.
Demnach gibt es in der Stadt derzeit 704 Betreuungsplätze für die Drei- bis Sechsjährigen, für Kinder unter drei Jahren stehen 278 Plätze zur Verfügung. Demnach gäbe es statistisch gesehen bis zum Ende des laufenden Kindergarten-Jahres 46 freie Plätze, in Wahrheit aber seien diese aber bereits verplant. Grund hierfür seien organisatorische Verzögerungen bei der Platzvergabe und den Eingewöhnungen (auch bedingt durch die Corona-Pandemie) sowie Anwendungsprobleme der Einrichtungen mit „Ahrlini“.
Platzkapazitäten vollständig erschöpft
Mündliche Anfragen der Stadtverwaltung bei allen Kindertagesstätten im Stadtgebiet hätten zudem und ergeben, dass die Platzkapazitäten in den Einrichtungen nach aktueller Meldung bis Ende des Kindergartenjahres 2020/2021 vollständig erschöpft sein werden. Auf den Wartelisten verbliebe somit bis zum Ende des Kitajahres ein aktueller Fehlbedarf von 377 Betreuungsplätzen. Da aber bereits zu Ablauf des Kita-Jahres 225 Schulkinder die Einrichtungen verlassen würden und 46 Plätze unbesetzt wären, würde somit theoretisch zu Beginn des neuen Kita-Jahres noch 106 Plätze fehlen. Darüber hinaus belegten derzeit 23 Kinder, die nicht im Stadtgebiet wohnen, Plätze in städtischen Kindertagesstätten. Die Platzbelegungen mit ortsfremden Kindern soll sukzessive abgebaut werden, was auf Dauer zu einer Reduzierung der Fehlplätze beitrage.
Bedarf wird weiter steigen
Zwar habe man in der Vergangenheit schon sehr viel für eine bedarfsorientierte Ausweisung neuer Kindergartenplätze getan, so CDU-Sprecherin Dr. Annette Gies. „Dennoch - und auch vor dem Hintergrund der Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz sowie der weiteren Ausweisung von Bauland für junge Familie - sieht die CDU-Fraktion zusätzlichen Handlungsbedarf.“ Die Schaffung weiterer Kindergartenplätze sollte jedoch auf Grundlage eines Konzeptes verfolgt werden. In diesem Zusammenhang soll auch untersucht werden, ob man im Rahmen der Baulandentwicklung in der St. Pius-Straße auch eine Kindertagesstätte errichten könne. Hier sei man in guten Gesprächen, kommentierte Diewald. Auch Annalena Di Carlo (SPD) fand es sehr erfreulich, dass geeignete Maßnahmen zur Deckung des Fehlbedarfs an Betreuungsplätze gefunden worden seien. „Es ist es wichtig, diese Maßnahmen möglichst zeitnah umzusetzen und sich auf diesen nicht auszuruhen, denn der Bedarf an Betreuungsplätzen wird weiter steigen“, sagte sie voraus.
Fachpersonal und Betriebserlaubnis fehlen
Diewald erläuterte auch den Stand der Dinge: Durch die Umwandlung einer Krippengruppe in der Kindertagesstätte Sausewind in Ramersbach in eine kleine Altersmischung habe man ab August fünf zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen. In der „Rappelkiste“ in Bachem und im „Sterntaler“ in Heimersheim stünden Bauwagenprojekte an, die eigentlich bereits zum laufenden Kindergartenjahr hätten starten soll. Allerdings habe der Auftrag erst nach Klärung der Förderung durch das Land und den Kreis Anfang September 2020 erteilt werden können. Voraussichtlich sollen die Bauwagen Ende Januar 2021 geliefert werden - vorausgesetzt, dass bis dahin auch das entsprechende Fachpersonal zur Verfügung steht sowie die Betriebserlaubnis erteilt wird.
Anfang 2022 soll die Kindertagesstätte Sankt Pius erweitert werden.
Im integrierten Mehrgenerationen-Quartier gleich nebenan werden drei neue Gruppen für insgesamt 55 Kinder errichtet. Ins Stocken geraten ist hingegen die geplante Erweiterung der Kindertagestätte „MIKI“ im Krankenhaus Maria Hilf.
Schließlich hat die in Trägerschaft der Caritas stehende Kindertagestätte Sankt Hildegard in Bachem angekündigt, aufgrund des hohen Bedarfes an Betreuungsplätzen die Einrichtung um eine weitere, zunächst temporäre integrative Gruppe erweitern zu wollen, was weitere zehn Plätze bedeutet.
Fachbüro soll Planungsgrundlagen aktualisieren
Trotz aller Bemühungen werde die Stadt weitere Plätze schaffen müssen, sagte Diewald voraus. Anfang 2021 soll eine Aktualisierung der städtischen Planungsgrundlagen im Bereich der Kindertagesstätten durch ein Fachbüro vorgenommen werden. Neben vorhandenen statistischen Daten fließen hier auch Bauvorhaben und neue Baugebiete ein. Er gehe jedoch davon aus, dass neue Bedarfe identifiziert und kurz- oder mittelfristig gedeckt werden müssen. Gruppenumwandlungen, bauliche Erweiterungen sowie dauerhafte oder temporäre bauliche Lösungen müssten dann mit der Kreisverwaltung Ahrweiler als Bedarfsplaner diskutiert und entwickelt werden. JOST
