Volksislam und islamischer Extremismus.
Vertreter freiheitlich demokratisch orientierter Muslime in Deutschland besser unterstützen
aus Remagen
Remagen. Ein volles Haus gab es am Freitag in der Remagener Buchhandlung Geber bei einer Lesung mit Diskussion. Der Münchner Ethnologe und Islamwissenschaftler Prof. Jürgen Frembgen las Passagen aus seinem neusten Buch „Ein Ort der Zuflucht. Aufzeichnungen aus dem Ghetto einer Megacity“, um anschließend mit dem Remagener Kollegen Prof. Frank Bliss über Islam und Islamismus in Deutschland zu diskutieren.
Eindrücklich schilderte Frembgen die von muslimischen Gläubigen innig praktizierte Volksfrömmigkeit am Schrein eines Heiligen in einem Vorort der indischen Hauptstadt Delhi. Dies verbunden mit Gebeten, Koranrezitationen, Musik, Gesängen und ekstatischen Tänzen. Dieser friedlichen, mit mystischen Elementen verbundenen Religionsausübung entgegen trat im Umfeld des Heiligenschreins bereits vor Jahren der Ableger einer konservativen „Reformbewegung“. Sie predigte einen extrem puristischen Islam, womit sie sich den Praktiken der Volksreligion diametral entgegenstellte. Man gehe zwar zumindest hier weiterhin friedlich miteinander um. Aber andere islamistische Bewegungen sähen in jedem einen Feind der nicht ihren gepredigten „Ur-Islam“ akzeptiere. Dies habe zur Folge, wie in Pakistan immer wieder vorgekommen, dass sich islamistische Selbstmordattentäter an den heiligen Orten der Andersdenkenden in die Luft gesprengt und Hunderte von Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, in den Tod gerissen hätten.
Sowohl Frembgen wie auch Bliss machten aufgrund ihrer Auslandserfahrung in der anschließenden Diskussion deutlich, dass extrem konservative bis extremistische Verhaltensweisen in islamischen Ländern, aber auch dort, wo Muslime stark in der Minderheit lebten, weltweit zunähmen. Die große Mehrheit der Muslime wolle zwar ihre Religion friedlich ausüben. Auch gebe es viele Muslime, die im Alltag nichts oder nur wenig mit Religion zu tun haben wollten. Vor allem aus den Golfstaaten würden indes Milliarden von Dollar ausgegeben, um vor allem in Afrika, aber auch in Süd- und Südostasien einen ultra-konservativen, ja vielfach extremistischen Islam zu fördern. So würden Tausende von Moscheen gebaut und Moscheevorsteher bezahlt, die nicht nur in Ausnahmefällen nichts anderes als Hassprediger seien. Dies führe am Ende immer wieder zur Unterdrückung der großen Mehrheit der Muslime, die Religion als ihre Privatsache ansähen.
Fragen des Publikums führten teilweise zu konträren Diskussionen, etwa über den Umfang des Drucks seitens islamistischer Gruppen, dem junge Muslime heute sogar in Deutschland unterlägen. Wenn sich bereits in Universitäten Studentinnen von männlichen Studierenden absonderten oder in Schulen bereits in unteren Klassen Mädchen gezwungen würden, unter dem Druck etwa älterer Jungen aus islamistischen Haushalten Kopftücher zu tragen, dann sei die Freiheit der Persönlichkeit selbst im freiheitlichen Deutschland akut in Gefahr. Tendenziell bestehe die Gefahr, dass der Islamismus die Muslime in Deutschland spalte und viele gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung aufhetze. Wichtig sei es deshalb, die muslimischen Menschen, Gruppen und Verbände in Deutschland zu unterstützen, die sich für die Demokratie, die Beachtung des Grundgesetzes und die Freiheit in der Religionsausübung einsetzten.
Durchgeführt wurde die Veranstaltung vom Remagener Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung (AeB e.V.). Der Abend fand statt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ Mit dem Programm fördert das Bildungsministerium zivilgesellschaftliches Engagement auf allen Ebenen des Staates für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander sowie die Arbeit gegen Radikalisierungen und Polarisierungen in der Gesellschaft.
Schrein eines islamischen Würdenträgers in einer Moschee in Kairo Foto: © Frank Bliss 2024
Weitere Themen
Die gut besuchte Veranstaltung in der Buchhandlung Geber, Remagen Foto: © Veranstalter AeB e.V.