Politik | 17.09.2019

BUND kritisiert neuen Luftreinhalteplan Koblenz

„Viel heiße Luft, kein Fortschritt für Umwelt und Gesundheit“

Kreisgruppe legt eigene Verbesserungsvorschläge für eine Stadt mit weniger Autos vor

Koblenz. Koblenz gehört zu den drei Städten in Rheinland-Pfalz mit der schlechtesten Luft. Dies dürfte auch nach Verabschiedung des neuen Luftreinhalteplans 2016-2020 noch lange so bleiben, befürchtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Koblenz. „Was wir da mit über drei Jahren Verspätung vorgelegt bekommen haben, ist viel heiße Luft, bewirkt aber kaum etwas. Permanent werden in der Innenstadt die gesetzlich verbindlichen Grenzwerte bei den Stickoxiden überschritten, mit schlimmen Folgen für die Gesundheit unserer Bevölkerung. Ursache sind die Abgase des dichten Autoverkehrs und der Dieselbusse sowie die mangelnde Bereitschaft der Stadtverwaltung, hier wirksame Gegenmaßnahmen und Restriktionen festzulegen. Die Privilegien des Autos werden auch in dem neuen Maßnahmenkatalog nicht angetastet“, so BUND-Vorsitzender Egbert Bialk. „Saubere Luft bekommt aber man nur mit weniger Autos.“

BUND zeigt Alternativen auf

In einer 20-seitigen Stellungnahme zerpflückt der BUND fast jede der aufgeführten 28 Maßnahmen der Stadt und zeigt wirksame Alternativen auf. Bei einem großen Teil handele es sich um allgemeine Appelle, unterstützende Begleitmaßnahmen oder „Kleinkram“. Weder an eine zukunftsweisende Anschaffung von emissionsfreien Bussen noch an die neuralgischen Knackpunkte, etwa eine Umweltzone mit blauer Plakette, eine flächendeckende Verkehrsberuhigung oder neue autofreie Bereiche in der Innenstadt, traue die Verwaltung sich heran.

Auch das Parkkonzept müsse völlig überarbeitet werden, denn es locke mit billigen Tickets und vielen Parkflächen immer mehr Autos in die City. „Hier muss die Stadtplanung völlig umdenken. Es ist nicht einzusehen, dass Steuergelder für teure und knappe öffentliche Flächen verschwendet werden, wo dann nutzlos private Blechkisten herumstehen. Wir brauchen diesen Raum für Bus- und Radspuren sowie für Gehwege und Plätze, wo Bäume und Insektenstauden gepflanzt werden und es den Menschen Freude macht, sich aufzuhalten.“

Einzelne Straßen sperren

Einzelne Straßen gehörten für den motorisierten Individualverkehr weitgehend gesperrt, zum Beispiel die Pfuhlgasse, die Clemensstraße oder auch die Balduinbrücke. Nur Busse, Radler und Fußgänger sollten hier erlaubt sein. Die Zufahrt zum Zentralplatz sollte hauptsächlich über den Friedrich-Ebert-Ring erfolgen. Das würde den Wöllershof und das Löhrrondell entlasten und die Luft dort sauberer und gesünder machen. Mit flächendeckenden Verkehrsberuhigungen und Fahrradstraßen könnte der sogenannte Umweltverbund gestärkt und der Anteil der Verbrennerautos wirksam reduziert werden.

Günstige Tickets einführen

„Natürlich muss man dazu attraktive und preisgünstige Alternativen ausbauen, insbesondere für die über 60.000 Pendler, für die Einkaufenden und die vielen Touristen, die in die City drängen“, so Bialk. „Wir brauchen Ein-Euro-, Koblenz-, Sozial- und Jobtickets. Und in Kooperation mit den umliegenden Kreisen und der Bahn mindestens zehn zusätzliche ‚Park & Ride‘-Plätze am Stadtrand, verknüpft mit preiswerten Shuttlebussen und -bahnen.“ Standorte an allen Hauptzubringern hat der BUND dazu aufgezeigt. Solche Maßnahmen seien von der Stadt in ihrem guten Nahverkehrs- und Verkehrsentwicklungsplan zwar angedacht, doch eine verbindliche Zeitfestlegung, wie das die EU fordert, und ausreichende Haushaltsmittel nennt der Luftreinhalteplan nicht. Bialk: „Wenn der Stadtrat das so durchwinkt, bleibt der Plan wohl wieder nur eine unverbindliche Wünsch-dir-was-Liste ohne jeglichen Effekt auf die Luftreinhaltung in unserer Stadt, wie wir das leider schon zweimal beim Klimaschutzkonzept erlebt haben.“

Pressemitteilung

der BUND-Kreisgruppe Koblenz

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Kommentare
18.09.201914:41 Uhr
Uwe Klasen

„Fahrradstraßen“ --- Was bringen diese in der Stadt Koblenz, wenn diese zuerst einmal per Fahrrad kaum erreichbar ist. Alle Phantasten dahingehend sei Beispielsweise nur die rechtsrheinische Strecke von Neuwied-Engers nach Koblenz empfohlen, diese ist für Radfahrer die z.B. in der nun beginnenden dunkeln Jahreszeit, über diesen überwiegend beschwerlichen Weg versuchen nach Koblenz zu gelangen, mehr als Gefährlich!

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