Politik | 20.01.2016, 13:47 Uhr

Flüchtlingskonferenz des DGB Bonn/ Rhein-Sieg

Vom Flüchtling zum Nachbar

Migration verstehen, Integration gestalten

Bonn. Unter dem Motto „Refugees – welcome. Flüchtlinge brauchen unsere Solidarität!“ fand im Bonner DGB-Haus die Flüchtlingskonferenz des DGB Bonn/Rhein-Sieg statt. Rund 60 interessierte Kolleginnen und Kollegen folgten der Einladung, um mit Experten aus Wissenschaft, Lokalpolitik und den Gewerkschaften die globalen Ursachen der Flüchtlingsmigration sowie die kommunalen Herausforderungen der Integration zu diskutieren. In seiner Begrüßung betonte Bernd Weede, Sprecher des DGB Bonn/Rhein-Sieg, die Bedeutung einer guten Arbeitsmarktpolitik: „Integration kann nur gelingen, wenn wir die Menschen in Arbeit bringen.“ Dabei müssten Angebote für alle gesellschaftlichen Gruppen geschaffen werden, ein Lohndumping für Flüchtlinge dürfe es nicht geben. Vor dem Hintergrund der Vorkommnisse in der Kölner Silvesternacht unterstrich Weede, dass sexuelle Übergriffe zu bestrafen seien - unabhängig von der Herkunft der Person. „Vor dem Gesetz sind alle gleich - es darf jetzt keinen Generalverdacht gegen Flüchtlinge geben.“ Die Mitglieder rief er daher zu verstärktem Engagement gegen Rassismus auf: „Wir werden nicht aufhören, uns den Rassisten entgegenzustellen!“ Ein sichtbares Zeichen hierfür war sicherlich auch die Präsenz des Anti-Rassismus-Vereins der Gewerkschaften „Mach meinen Kumpel nicht an!“, der mit einem Infostand auf der Konferenz vertreten war. Im Anschluss erläuterte Dr. Julia Leininger vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in ihrem Vortrag die komplexen globalen Zusammenhänge, die Krisen und Konflikte, die zu verstärkten Fluchtbewegungen führten, und skizzierte Lösungsansätze der deutschen Entwicklungspolitik. Flankierend zu diplomatischen Bemühungen könnten mehr Geld für das internationale Flüchtlingswerk UNHCR sowie mehr politische Bildung in den Ländern einen Beitrag zur Befriedung leisten. Nach der wissenschaftlichen Perspektive legte Daniel Weber vom DGB Bildungswerk Bund die Position der Gewerkschaften zur Flüchtlingsthematik dar. Bessere Teilhabechancen und ein hürdenfreier Zugang zu Bildung und Ausbildung seien gewerkschaftliche Kernanliegen. Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse müsse daher verstärkt werden. Weber betonte, dass gerade Gewerkschaften Ungleichbehandlungen auf dem Arbeitsmarkt verhindern müssten: „Unsere Kompetenz liegt genau da - die Schwächeren in der Gesellschaft und Schutzsuchende vor Ausbeutung zu schützen.“ Einen Einblick in die komplexen arbeitsrechtlichen Regelungen für den Zugang von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt, sowie in die konkrete Arbeitsmarktsituation in Bonn, gab der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Bonn, Manfred Kusserow. Wichtig bei der Vermittlung der Flüchtlinge in Arbeit seien vor allem die deutschen Sprachkenntnisse, weshalb auch die Agentur für Arbeit mittlerweile Einstiegskurse anbietet. Zudem sollen zentrale „Integration points“ Ressourcen bündeln, den Zugang erleichtern. Welche organisatorischen Herausforderungen die kommunalen Akteure vor Ort zu bewältigen haben, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion deutlich. Diskutanten waren die Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn, Coletta Manemann, der Sozialdezernent des Rhein-Sieg-Kreises, Hermann Alroggen, sowie Georg Fenninger vom Deutschen Roten Kreuz in Bonn. Die Moderation übernahm Rainer Bohnet, EVG-Vorsitzender in Bonn. So hätten sich, sagt Alroggen, logistische Schwierigkeiten bei der Unterbringung von mittlerweile rund 10.000 Flüchtlingen in Bonn und Rhein-Sieg vor allem aufgrund der Kurzfristigkeit ergeben, weshalb mehr Planbarkeit von der Landespolitik gefordert wurde. Ohne das Ehrenamt, da waren sich alle einig, hätte es nicht funktioniert. Fenninger betonte dabei auch die positiven Effekte für die Beschäftigung im Zuge der Flüchtlingsbetreuung. Langfristig, so die Integrationsbeauftragte Manemann, wünsche sie sich, dass „aus dem Flüchtling der Nachbar werde“. Insgesamt ging ein hoffnungsvolles Signal von der DGB-Konferenz aus – gemeinsam kann Integration gestaltet werden, gemeinsam schaffen wir das.

Pressemitteilung

Deutscher Gewerkschaftsbund

Region Köln-Bonn

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