Politik | 08.04.2017, 12:23 Uhr

Sinziger Werksausschuss tagte

Weiter auf der Suche nach Störfallursache

Trinkwasser Sinzig und Bad Breisig muss noch gechlort werden

Sinzig. Seit Monaten müssen die Sinziger Stadtwerke das Trinkwasser für die Bürger in Sinzig und Bad Breisig chloren. Dieser Sachverhalt war zentraler Beratungspunkt bei der jüngsten Sitzung des Sinziger Werkausschusses. Jedoch die Ursache für den Störfall in der Sinziger Trinkwasserversorgungsanlage am 12. August vergangen Jahres ist nach wie vor ungeklärt. Auch umfangreiche Untersuchungs- und Reinigungsprozesse konnten daran bislang nichts ändern. Das war letztlich das Fazit der Werkausschuss-Sitzung, bei der Stadtwerke-Leiter Bernd Lischwé erneut einen Sachstandsbericht über die bereits geschehenen und aktuellen Maßnahmen gab.

„Ende des Jahres war ich sehr zuversichtlich, dass die Chlorung aufgehoben werden kann, doch dann kam es am 9. Januar erneut zu einem Keimbefund im Tiefbehälter auf dem Ziemert“, zog der Werkleiter ein ernüchterndes Fazit. „Es waren zwar nur zwei Keime, doch eben zwei zu viel“, so Lischwé, der ein schönes Vergleichsbild bemühte: „Das ist noch nicht mal die Nadel im Heuhaufen und lässt darauf schließen, dass es keine Riesenursache für die Verkeimung geben kann.“ Der nächste Schritt wird nun sein, anstatt vor dem Tiefbehälter zu chloren, dies nun dahinter zu tun.

Damit wurde jüngst begonnen, um bis Ostern den Behälter in Ruhe beobachten zu können. Die Bürger werden dieser Zeit sauberes, aber eben gechlortes Wasser bekommen. Der Werkleiter nannte auch Grenzwerte: Die zulässige Chlorung hat eine Obergrenze von maximal 0,6 Milligramm pro Liter. In Sinzig liegt die Grenze bei maximal 0,2 Milligramm.

Die Ursachenforschung wird dabei mit immensem Aufwand betrieben. 652 Proben wurden seit dem ersten Auffinden der Keime gezogen. Doch weder in der Wasseraufbereitungsanlage noch in der Trinkwassergewinnung der Brunnen in der Niederau direkt am Rhein wurden die Fachleute fündig. „In der Niederau gab es zu keinem Zeitpunkt auch nur einen coliformen Keim – wenn es einen Zusammenhang mit der ausgebrachten Gülle auf benachbarten Feldern gegeben hätte, wären es aber tausende Keime gewesen“, betonte der Stadtwerksleiter. Dabei trat Lischwé einer oft geäußerten Vermutung entgegen.

Um Vorsorge zu treffen und Risiken zu vermeiden, hatte die Verwaltung auch ein Grundwasser-Monitoring in Auftrag gegeben. Dr. Karl-Heinz Köppen von der Wasser und Boden GmbH aus Boppard-Buchholz gab einen kurzen Überblick über das Monitoring aus dem Jahr 2016. Dabei wurden verschiedene Parameter wie Pflanzenschutzmittel, Nitrat, Chlorid, Sulfat und Schwermetalle wie Chrom, Blei, Arsen und Quecksilber an mittlerweile 33 Messstellen im Versorgungsgebiet der Goldenen Meile zwischen Sinzig und Bad Breisig untersucht.

Was die Nitratbelastung durch die Landwirtschaft angeht, stellte Köppen fest: „In Ihrem Einzugsgebiet liegen die Werte für Nitrat mit 25 Milligramm deutlich unter dem erlaubten Grenzwert von 50 Milligramm.“ Die Suche nach der Ursache der Verkeimung wird die Stadtwerke aber wohl noch einige Zeit beschäftigen. BL

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