Deutsche Bahn: Interne Diskussion über neues Zugleitsystem an der Ahr
„Wenn neue Technik, dann wie bei der Rurtalbahn“
Remagen/Walporzheim/Ahrbrück. Wie bereits berichtet, hat die Deutsche Bahn (DB) AG Netze am 28. August auf ihrer Internetseite veröffentlicht, dass sie statt des zunächst vorgesehenen Verfahrens für einen Zugleitbetrieb nach „FV-NE“ (Fahrdienstvorschrift für die nichtbundeseigenen Eisenbahnen) auf der Strecke Walporzheim - Ahrbrück nun eine Umstellung auf Zugleitbetrieb nach der DB-Vorschrift „Ril. 436“ (ZLB-Vorschrift) plant. Demnach soll dieses Verfahren zum 11. Dezember 2016 eingeführt werden. Diese Veröffentlichung erfolgte nur zur vorsorglichen Fristwahrung, unter anderem gegenüber den Kunden. Allerdings ruhen die Planungen derzeit, wie BLICK aktuell erfuhr. Es sollen weitere technische Varianten untersucht werden. Zu welchem Ergebnis die internen Überlegungen führen, ist dabei noch offen. Bei der Informationsveranstaltung von Deutsche Bahn Netze am 20. Juli in Dernau gaben die DB-Vertreter unverblümt zu, dass es bei dem Vorhaben (auch) um personelle Rationalisierungsmaßnahmen gehe. Insgesamt sei die Maßnahme für die Ahrtalbahn-Strecke jedoch durchaus geeignet. Und durch verschiedene Maßnahmen (unter anderem kleinere Blockabschnitte zwischen Dernau und Kreuzberg) sowie die Beschrankung des Bahnübergangs Dernau/Steinbergsmühle würden auch Fahrzeiten eingespart.
Negativ für Fahrbetrieb
Dietmar Litterscheid ist Betriebsleiter der Schönbuchbahn der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft. Auf dieser Strecke verkehren Züge ebenfalls im Halbstundentakt. Litterscheid kennt daher die Problematik des DB-Vorhabens hautnah. Die Einführung der Systeme „TuZ“ oder auch „Ril. 436“ würde sich nach seiner Ansicht nach nicht optimal auf den Fahrbetrieb der Strecke auswirken. Als Gründe nennt der erfahrene Bahner insbesondere die damit einhergehenden ständigen Rangierarbeiten zwischen Gleis 1 und 2 in Dernau (Richtungsbetrieb), Rangiervorgänge am Bahnhof Kreuzberg bei der Zugbereitstellung und -abstellung sowie eine höhere Belastung der Triebwagenführer. An Spitzentagen sei an der Ahr „einfach zu viel los“: Einfache Betriebsverfahren wie ein TuZ benötigen bei Fahrplanabweichungen längere Prozessabläufe im Gegensatz zu einer konventionellen Signalisierung. Dietmar Litterscheid hat durchaus Verständnis dafür, dass die Deutsche Bahn (Netze) Kosten einsparen will. „Aber wenn schon, sollten die Investitionen in eine bessere, für die gesamte Ahrtalbahn zeitgemäße Technik, erfolgen - zumal die Verkabelungen an der Ahrtalbahn-Strecke bereits vorhanden sind. Diese wurden in Dernau vor zwei Jahren ohnehin vollständig erneuert, in Kreuzberg vor rund fünf Jahren.
Positivbeilspiel Rurtalbahn
Für Litterscheid ist die Rurtalbahn Düren - Kreuzau - Nideggen - Heimbach (Nationalpark Eifel) - mit einem vergleichbaren Spitzen-Touristenaufkommen wie an der Ahr - ein gutes Beispiel, wie dies funktionieren kann. Für ihn wäre es daher schlüssig, zwischen Remagen und Ahrbrück ein gesamtheitliches, integriertes Streckensicherungssystem (Stellwerk) wie an der Rurtalbahn zu errichten. Mit einem regional besetzten Bedienplatz - damit das Gespür des Fahrdienstleiters für die Strecke nicht verloren geht, etwa in Kreuzberg oder einem Bahnhof im unteren Streckenteil. „Zur ortsnahmen Wahrnehmung der Strecke“, begründet Litterscheid diese Notwendigkeit. Die aktuelle Internetveröffentlichung der DB über die Einführung von „Ril. 436“ zum 11. Dezember 2016 erfolgt nach Litterscheid`s Überzeugung nur zur vorsorglichen Fristwahrung gegenüber den Eisenbahnverkehrsunternehmen.
