Riesenaufstand für Zwergschulen im Land
„Wer an Bildung spart, versündigt sich an der Zukunft“
Bürgerprotest vor dem Mainzer Landtag – Petition mit 26.000 Unterschriften übergeben
Kreis Cochem-Zell. Ungewöhnlich laut ging es vergangenen Woche vor dem Mainzer Landtag zu: Eltern, Kinder, Bürgermeister und Lehrer aus 30 Gemeinden gingen hier mit Radau und Sprechchören auf die Straße, um so ihren Protest gegen die geplante Schließung von so genannten Zwergenschulen auszudrücken. Das Bildungsministerium unter Leitung von Stefanie Hubig (SPD) beabsichtigt 41 solcher Schulen auf den Prüfstand zu heben, um sie eventuell wegen fehlendem Schülernachwuchs zu schließen. Dagegen haben Bürger aus ganz Rheinland-Pfalz per Unterschrift ihren Unmut erklärt und die Ministerin zum Umdenken aufgefordert. Sie sehen Kleinstklassen, in denen manchmal mehrere Jahrgänge gleichzeitig unterrichtet werden, durchaus positiv. Heinz Zilles ist Ortsbürgermeister in Lieg und sprach in Mainz davon, dass durch die Leitlinien „ohne sinnvolle pädagogische Maßstäbe, unter Einbeziehung von Inklusion und Förderunterricht, die kleine Grundschule im Dorf „plattgemacht“ und der ländliche Raum zugrunde gerichtet wird.“
Pädagogische Vorteile von Minischulen erkennen
Der engagierte Ortschef, in dessen Gemeinde 22 Jungen und Mädchen in einer Klasse gleichzeitig erfolgreich unterrichtet werden, forderte in Mainz weiter, dass „Schulen, die völlig intakt und pädagogisch gut aufgestellt sind, am Leben bleiben müssen.“ Eltern berichten im Rahmen der Demo, dass gerade in den Minischulen kein Unterrichtsausfall, weniger Lernstress und ein angenehmes soziales Klima im Unterricht herrschen. Beate Gehrhardt, Schulelternsprecherin der Hunsrückgemeinde Mörsdorf: „Die Politiker sollten mal drüber nachdenken, was sie mit solchen Leitlinien anrichten“. Diese Leitlinien wurden im Januar auf den Weg gebracht. Im Landkreis Cochem-Zell sind von einer drohenden Schließung folgende Schulen eventuell betroffen: Klotten, eine Klasse mit sieben Schülern; Müden, eine Klasse mit 13 Schülern; Lieg, eine Klasse mit 22 Schülern; Pünderich, zwei Klassen mit insgesamt 24 Jungen und Mädchen in der Grundschule und schließlich Alf mit zwei Klassen und 36 Schülern.
Dass Eltern, Lehrer und Kinder weiter kämpfen wollen, zeigte sich in der Landeshauptstadt, denn Transparente wie „Lasst die Schule im Dorf“, „ Riesenaufstand für unsere Zwergenschule“ oder „Kein Zuzug junger Familien ohne Schule“ sprechen eine deutliche Sprache.
Die Ministerin stellt sich den Demonstranten
„Wollen Sie, dass unsere Dörfer lebendig begraben werden?“, fragte Heinz Zilles die Bildungsministerin direkt. „Der Gesetzgeber hat die die Mindestgröße mit Bedacht gewählt, da sie eine wesentliche Voraussetzung für gute pädagogische und organisatorische Arbeit der Schulen ist“, entgegnete Stefanie Hubig, die trotz Plenarsitzung vor die Demonstranten getreten war. Sie versprach aber die Untersuchung im Dialog mit den Schulen und „mit Augenmaß“ anzugehen. Gegen Ende der von Trillerpfeifen und Trommeln auch akustisch unterlegten Demonstration übergaben die besorgten Bürger insgesamt 26.000 Unterschriften an Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD). Die Petition soll nicht der letzte Akt des Protestes sein. „Wir kämpfen weiter für unsere Zwergenschulen“, sagte Heinz Zilles am Ende der Protestaktion entschlossen im Gespräch mit „BLICK aktuell“. „Kinder sind mehr wert als Geld und Zahlen. Und wer an Bildung spart, versündigt sich an der Zukunft.“ TT
Bürger aus 30 Gemeinden demonstrierten in Mainz. Die Fraktion der El tern, Kinder und Lehrer aus der Gemeinde Lieg war besonders groß. Foto: TT Foto: Picasa
Ortsbürgermeister Heinz Zilles aus Lieg sprach in Mainz auch mit Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Er fordert wie alle Protestler den Erhalt kleiner Grundschulen im Land.Foto: TT
Mehrere Schulen aus dem Kreisgebiet, so auch Pünderich an der Mosel, hier mit den Eltern und Kindern sowie VG-Bürgermeister Karl-Heinz Simon, die auch zur großen Demo zum Erhalt kleinerer Grundschulen in die Landeshauptstadt gemeinsamen mit vielen anderen Kindern, Eltern, Großeltern und interessierten Bürgern gefahren war. Foto: privat
