Politik | 18.03.2025

Die beiden Kandidaten Jörg Lempertz (CDU) und Ralf Kraut (SPD) kamen nun zum BLICK aktuell-Redaktionsgespräch mit Chefredakteurin Susanne Tack.

Wer wird der nächste Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig?

Ralf Kraut (SPD) und Jörg Lempertz (CDU) im Redaktionsgespräch mit Chefredakteurin Susanne Tack.Foto: WP

VG Mendig. Am 6. April wird gewählt und die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, ob Jörg Lempertz (CDU) weiterhin der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis Mayen-Koblenz bleibt oder ob sein Herausforderer Ralf Kraut (SPD) ihn im Rathaus ablöst. Geschäftsführerin Susanne Tack lud die beiden Kontrahenten ins Krupp-Medienzentrum nach Sinzig zum Redaktionsgespräch.

Wer steht zur Wahl? Susanne Tack lässt die Kandidaten sich selbst vorstellen. Ralf Kraut ist 60 Jahre alt, verheiratet, hat drei Kinder. Er bezeichnet sich als „Ur-Mendiger“. Beruflich startete der Beamte bei der Post, wechselte dann nach Bonn, war zwischenzeitlich freigestellter Personalrat. Ralf Kraut arbeitet heute bei der Bundesnetzagentur in Bonn. Kommunalpolitisch ist er seit fast 20 Jahren tätig, sagt er. Er hätte es als „Verrat“ angesehen, würde er nicht kandidieren, denn er bevorzugt das „politische Ungleichgewicht“, wenn Stadtbürgermeister und Verbandsbürgermeister aus verschiedenen Parteien stammen.

Jörg Lempertz wurde 2002 erstmals zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig gewählt. Der 53-Jährige hat zwei Kinder und lebte bereits in beiden Teilen Mendigs (diesen Wink werden die Mendiger am besten verstehen). Nach seinem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt startete er zunächst eine Karriere im gehobenen Dienst bei der Stadt Koblenz, wo er für die Umsetzung der Senioren- und Sozialpolitik zuständig war. 2001 hatte er den Mut, gegen den damaligen Amtsinhaber zu kandidieren. Im Jahr darauf wurde er der jüngste Bürgermeister in Rheinland-Pfalz.

Herausforderungen eines harten Strukturwandels

Wie steht die Verbandsgemeinde Mendig heute da? Jörg Lempertz hat eine lange Liste: Die „Herausforderungen eines harten Strukturwandels“, von der ehemaligen Bau-Steine-Erden-Industrie und dem Ende des Bundeswehrstandorts, gelangen „durch viele effiziente Strukturentscheidungen“. Die Verbandsgemeinde sende die „Kernbotschaft Familienfreundlichkeit“ aus und biete Familien eine Gemeinde. Aus „beiläufigem Tourismus“ entwickelten sich der Lava-Dome, Rieden, die Traumpfade, die Tourist-Info Maria Laach, der Zweckverband Ferienregion Laacher See. Jörg Lempertz berichtet von Maßnahmen für Senioren zur „Unterstützung, die sie benötigen“, von Maßnahmen in der Bildung – die Grundschulen wurden saniert und digitalisiert, Ganztagsbetreuung eingeführt. Ab 2026 werde eine Ganztagsschule gebaut für fünf Millionen Euro. Die Feuerwehr („Helden der Region“) erhielt sukzessive einen neuen Fuhrpark und neue Häuser. Im Haushalt wurde die Verschuldung halbiert, das Eigenkapital um acht Millionen Euro gesteigert. Im Rathaus seien die Öffnungszeiten „bürgerfreundlicher“, ein Bürgerbüro wurde laut Verbandsbürgermeister „gegen den Widerstand der SPD“ eingeführt. Bei Wasser und Abwasser kämpfe man für moderne Anlagen und eine Ersatzwasserversorgung. Aktuell gebe es Energieeinsparmaßnahmen von 400.000 Euro. Es seien Bachläufe renaturiert worden. Zwischen Bell und Mendig wird eine große Solaranlage geplant.

„Mehr Sachverstand“ benötigt!

Findet der Herausforderer auch Dinge, die gut laufen in der Verbandsgemeinde Mendig? Susanne Tack übergibt Ralf Kraut das Wort. „Das Bürgerbüro läuft sehr gut“, bestätigt er. Den Seitenhieb auf den von Lempertz genannten Widerstand seiner Partei zur Gründung des Bürgerbüros greift er allerdings noch einmal auf; wer das denn gewesen sei, fragt er. Auch dass bei der Feuerwehr vieles erneuert wurde, weiß er zu würdigen. Allerdings wünscht er sich einen „langfristigen Bedarfsplan“, Wirtschaftspläne, auch um den Entscheidern mehr Informationen an die Hand zu geben. Ralf Kraut bemängelt, dass die Refinanzierung durch das Land zu lange brauche. Für die First Responder werde zu wenig getan. Bei der Quartierspflege (Stichwort Gemeindeschwester) „muss mehr getan werden“. Er nennt das Projekt „Zeit schenken“, um mehr für Menschen der Verbandsgemeinde zu tun. Ralf Kraut will, dass Wirtschaftsförderung und der Bereich Energie getrennt werden, da im Bereich Energie „mehr Sachverstand“ benötigt werde. „Solar auf jedes Dach“ ist ihm „zu einfach“.

Nachfrage nach Gewerbeflächen weiterhin hoch

Sieht denn auch der amtierende Bürgermeister noch Verbesserungspotenzial? Jörg Lempertz nimmt zunächst auf seinen Vorredner Bezug: Die Förderung der First Responder habe er selbst eingefügt; für ihn sei es „kein Problem, die Förderung zu verdoppeln“. Quartierspflege? „Super Sache!“ Wirtschaftsförderung und Klimaschutz trennen? Bisher habe es andere Signal von der SPD gegeben. Er selbst will den Strukturwandel fortsetzen und damit die „Lebensqualität in allem Zukunftsfeldern verbessern“. Durch den E-Bike-Boom sieht Lempertz die „große Chance“, durch Radwege, dies in den Tourismus zu integrieren. Der Lavakeller soll „nach 20-jähriger Erfolgsgeschichte“ erneuert werden. Am ehemaligen Flugplatz sei die Nachfrage nach Gewerbeflächen „sehr hoch“, sagt er. Das Potenzial des Gewerbepark spiegele sich auch in den Steuereinnahmen.

„Alles kostet Geld“

Ob er Ideen für die Wirtschafts- und Tourismusstandort habe, fragt Susanne Tack den SPD-Kandidaten. Beim Tourismus laufe es „sehr gut, antwortet Kraut. Und er sieht noch viel Potenzial. Aber: Man müsse aufpassen, „bevor wir immer neu machen“, denn „alles kostet Geld“. Ralf Kraut will einen „Kümmerer“, der Verbindung hält zu den Wirtschaftsunternehmen in der Verbandsgemeinde. „Mit der Bündelung von Energie und Wirtschaft kommen wir nicht weiter.“

Hier hakt Jörg Lempertz ein. Es gebe den Plan für einen Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsmanager. Dazu müsse erst ein Konzept vorgelegt werden, damit die Stelle förderfähig ist und so für die Kommunen finanzierbar wird.

„Gelebte interkommunale Zusammenarbeit“

Kommen wir zum Verwaltungsapparat. Susanne Tack möchte erfahren, wie die Kontrahenten darauf sehen und welche Potenziale hier liegen. Die Verwaltung könnte immer mehr machen, antwortet Ralf Kraut. Bei der interkommunalen Zusammenarbeit sieht er Potenzial, etwa beim Datenschutz. Den Personalkörper könnte man „in einigen Punkten“ umgestalten.

Der amtierende Bürgermeister sieht als Chef der Verwaltung naturgemäß nur positive Seiten. Er sei dem Team der Verwaltung „sehr dankbar“. Er weiß um Mitarbeitende, „die nicht auf die Uhr sehen“ und „mit Leidenschaft“ ihrer Arbeit nachgehen. Das Rathaus biete ein „modernes, bürgerfreundliches Umfeld, innovativ und effektiv. Interkommunale Zusammenarbeit indes erlebe er schon lange in vielen Bereichen, Jörg Lempertz spricht von „gelebter interkommunaler Zusammenarbeit“.

Wie sieht die VG Mendig in acht Jahren aus?

Kommen wir zum Schluss. Susanne Tack möchte von den beiden Kandidaten eine Vision hören. Wie könnte die Verbandsgemeinde Mendig in acht Jahren aussehen mit dem jeweiligen Kandidaten als Bürgermeister?

„Ich hätte eine Vision“, so Ralf Kraut, „der wir schon 15 Jahre nachlaufen: Das ist eine Umlagesenkung.“ Da müsse „mehr passieren“. Alles, auch lieb gewonnene Dinge, müsse auf den Prüfstand. „Wenn wir weitermachen wie bisher, geht den Ortsgemeinden die Puste aus.“ Unabhängig von der Parteienfarbe solle dies im Blick behalten werden.

Jörg Lempertz fasst sich wie zuvor gewünscht kurz: „Meine Vision ist, dass die Verbandsgemeinde in acht Jahren liebenswert, lebenswert, menschennah und zukunftsorientiert ist.“.

WP

Ralf Kraut (SPD) und Jörg Lempertz (CDU) im Redaktionsgespräch mit Chefredakteurin Susanne Tack. Foto: WP

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