Überbordende Bürokratie verlangt komplizierten Flächentausch zwischen Stadt und Moselgemeinde
Winninger Wein darf nicht in Koblenz wachsen
Kreistag Mayen-Koblenz stimmte Informationsvorlage zu – Projekt soll im Herbst abgeschlossen sein
Kreisgebiet/Koblenz. Wieder ein Beispiel überbordender Bürokratie, die der Kreistag Mayen-Koblenz auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig zur Kenntnis nahm. Die Hälfte aller Rebstöcke der weltbekannten Weinlage „Winninger Röttgen“ wachsen auf dem Gebiet von Koblenz-Güls.
Und das darf nicht sein, wenn der Wein weiterhin unter „Winninger Röttgen“ verkauft werden soll.
Also muss es eine Lösung geben: Die Stadt Koblenz verzichtet auf die 8 Hektar (80 000 qm) Anbaufläche, übergibt diese der Gemeinde Winningen und erhält eine gleichgroße Fläche mit Feldern und Obstbäumen auf der Höhe bei Bisholder.
Klingt einfach, ist es aber nicht: Herr des Verfahrens ist die Aufsichts- und Dienstleistungs-Direktion (ADD) in Trier, die dafür auch den Landkreis Mayen-Koblenz beteiligen muss. Schließlich ändern sich nicht nur die Grenzen von Koblenz, Winningen und der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel, sondern auch die des Landkreises.
Außerdem könnten durch den Tausch Satzungen, Bauleitplanung, Ausgleichsflächen, Beiträge, Grundsteuer, Gewerbesteuer, Gebühren, Leitungen und Leitungsrechte, Abwasserbeseitigung, Gefahrenabwehr, Brand- und Katastrophenschutz sowie bestehende Vertragsverhältnisse betroffen sein.
Die notwendigen Beschlüsse für den Flächentausch werden vom Gemeinderat Winningen und dem Verbandsgemeinderat Rhein-Mosel Ende März erwartet.
Hintergrund ist die Reform des Weinbezeichnungsrechts aus dem Jahr 2021. Denn laut damaliger Bundesregierung ist die bisherige Leitgemeindenregelung mit dem Verbraucherschutz nicht vereinbar, da sie als irreführend angesehen wird. Jedenfalls hoffen alle Beteiligten, dass der Flächentausch bei zum Herbst abgeschlossen ist, damit 2026 die Lagebezeichnung „Winninger Röttgen“ auch gesetzlich beibehalten werden darf.
Ob der einst Koblenzer Wein aus Winningen dann anders schmecken wird, ist nicht bekannt.
In der sehr kurzen Kreistagssitzung stimmte das Gremium unter Landrat Marko Boos u.a. für die Einrichtung eines Ganztagsangebotes an der Elisabeth-Schule Mayen ab 1. August 2027, für die Richtlinie „Radwege“ und für das Projekt „Interkommunale Zusammenarbeit“ (IKZ) zum Thema künstliche Intelligenz.
HEP
