Politik | 30.08.2018

Heftige Diskussion im Stadtrat

Wird Bendorf Ausrichter der Landesgartenschau 2026?

Entscheidung über Bewerbung erst nach Bürgerbefragung

Das könnte bald die Kulisse für einen Teil der Landesgartenschau in Bendorf sein. Fotos: GM

Bendorf. Eine Landesgartenschau könnte ein bedeutender Impulsgeber für die Stadtentwicklung sein, so sehen es neben Bürgermeister Michael Kessler alle im Stadtrat vertretenen Parteien. Einig war man sich, dass eine Landesgartenschau eine enorme touristische Strahlkraft hat und Bendorf dabei dauerhaft von den Chancen einer forcierten Stadtentwicklung profitieren kann. Ein solches Projekt kann aber nur mit den Bürgerinnen und Bürgern gelingen, auch darin ist sich der Stadtrat einig, lediglich bei der beabsichtigten Form der Bürgerbeteiligung gingen die Meinungen auseinander und gaben Anlass zu heftigen Diskussionen.

Obwohl es in der jüngsten Stadtratssitzung zunächst einmal nur darum ging, ein Vorkonzept in Auftrag zu geben und entsprechende Angebote einzuholen forderte Manfred Bauer von der SPD-Fraktion, bereits jetzt im Vorfeld einen Bürgerentscheid herbeizuführen um auszuloten, ob die Einwohner von Bendorf hinter einer Bewerbung zu der Landesgartenschau stehen und somit die dann zu treffenden Entscheidungen mittragen werden. Bei einer negativen Resonanz der Bevölkerung könne sich die Stadt die Kosten für dieses angedachte Vorkonzept einsparen. Demgegenüber argumentierte Bürgermeister Kessler, dass die Bürger zunächst einmal umfassend und transparent darüber informiert werden müssen, welche Themen und Konzeptionierung die Grundlage der Stadt für ihre Bewerbung zur Ausrichtung der Landesgartenschau bildet. Dafür sei es unumgänglich, die Aufstellung eines Vorkonzepts im Rahmen eines Leistungswettbewerbes mit interessierten Beratungsbüros nach Angebotserstellung zu vergeben. Auf diesem Fundament hätten die Bürger dann die Möglichkeit, ihre Vorstellungen und Ideen in das Projekt einzubringen, ein Bürgerentscheid zum jetzigen Zeitpunkt ohne erkennbares Ziel mache keinen Sinn.

Der Bürgermeister weiter: „Für den Fall, dass Bendorf bei der Landesgartenschau nicht berücksichtigt werden sollte, war die Arbeit der Sachverständigen nicht umsonst, weil wir dieses Konzept für die touristische Strukturentwicklung sowieso benötigen.“ Ähnlich begründete Christoph Helling von der CDU-Fraktion seinen Vortrag und FDP-Stadtrat Herbert Speyerer wies auf die positive Triebfeder einer beschleunigten Gesamtstadtentwicklung durch ein Großereignis wie eine Landesgartenschau hin.

Kulisse des Kulturparks Sayn als Kern

Nach dem weiteren Vortrag von Bürgermeister Kessler spielen viele Themen eine Rolle, zum Beispiel Nachhaltigkeit und Umweltbildung. Fast alle Bereiche und die Infrastruktur würden nach einer Landesgartenschau für die touristische Nutzung erhalten bleiben, die Investitionen wären somit langfristig. Dabei könnte die Kulisse des Kulturparks Sayn mit dem Schlosspark, dem Burg Berg, dem Gelände Sayner Hütte sowie der Abtei Sayn mit dem Prälatengarten der Kern des Gartenschaugeländes bilden.

Dabei gebe es in Sayn einen nicht zu unterschätzenden Kostenvorteil da dort bereits mit Förderung von Land und Bund reichliche Vorleistungen vorhanden sind, die nur noch relativ geringe Investitionen erfordern. Investiert werden müsste vor allem in die Rahmenbedingungen wie Parkplätze, Mobilität und Verkehrslenkung. Ein Großteil dieser Investitionen wäre für die erfolgreiche Entwicklung des Tourismus ohnehin notwendig, aber ohne Förderung für die Stadt nicht leistbar. Auf einen Einwand der SPD-Stadträte Haakon Herbst und Christoph Mohr, es sei nur vom Stadtteil Sayn die Rede relativierte Bürgermeister Kessler seinen Vortrag, natürlich würde ganz Bendorf mit allen Stadtteilen in die Gartenschau mit einbezogen. Auch hierzu seien Einzelheiten in dem in Auftrag zu gebenden Vorkonzept zu erarbeiten.

Am Ende stimmten CDU, FDP und Grüne mehrheitlich für die Beauftragung eines Vorkonzepts zur Ausrichtung der Landesgartenschau 2026 für die ganze Stadt Bendorf und gegen einen sofortigen Bürgerentscheid, den SPD und WUM gefordert hatten. Nach Vorlage des Konzepts sollen sich dann die Bürger in Foren und Workshops mit ihren Fragen, Wünschen und Ideen einbringen können, bevor die Stadt sich dem Bewerbungsverfahren anschließt.

Die Abtei mit Prälatengarten soll in die Landesgartenschau integriert werden.

Die Abtei mit Prälatengarten soll in die Landesgartenschau integriert werden.

Das könnte bald die Kulisse für einen Teil der Landesgartenschau in Bendorf sein. Fotos: GM

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