Politik | 12.11.2018

SPD-Fraktion beantragt tragbares Konzept

Wochenmarkt unter Druck

Stadtrat beschließt Beratung im Ausschuss

Bendorf. Die SPD-Stadtratsfraktion hat beantragt, das Thema Zukunft des Bendorfer Wochenmarktes im Stadtrat zu behandeln. Bürgermeister Michael Kessler informierte den Rat zunächst ausführlich zur aktuellen Sachlage des Wochenmarktes. Kessler: „Wir sind von dem plötzlichen Wegbleiben der Marktbeschicker überrascht worden. Da gab es keine Vorankündigung, deswegen konnten wir den Rat nicht vorinformieren, dass sich da was tut. Das fiel uns auf die Füße.“

Der Wochenmarkt ist am 1. August 2014 mit einem neuen Konzept eröffnet worden, der damalige Ansatz beinhaltet ein regionales Marktangebot an zentraler Stelle mit Aufenthaltsqualität. Zeitweise soll der Markt durch sogenannte Motto-Märkte mit kleinen Events belebt werden. Dieses Konzept wurde über drei Jahre erfolgreich durchgeführt, in den letzten Monaten ist der der Markt aber zunehmend unter Druck geraten. Dabei ist die Zentralität ein kritischer Punkt, weil der Bendorfer Kirchplatz aufgrund von Außengastronomie und Parkplatzfunktion keine richtige zentrale Lage des Marktgeschehens bildet. Daneben hatte die Baustellenphase in der unteren Bachstraße zur Folge, dass der Wochenmarkt teilweise auf den oberen Kirchplatz ausweichen musste. Nach Beendigung der Baustelle haben sich Markthändler dafür ausgesprochen, den Wochenmarkt vor dem VHS-Gebäude zu konzentrieren. Für den Bereich „Übergang zur mittleren Bachstraße“ waren die Markthändler nicht mehr bereit sich dort zu platzieren.

Ebenso stellte die vielfachen unangekündigten Ausfälle von Markthändlern die Marktleitung in den letzten Wochen vor große Probleme. In der Praxis besteht allerdings keine Möglichkeit, die Marktteilnehmer zu disziplinieren, da sich diese die Märkte aussuchen können und die Auswahl an guten Marktsortimenten eher gering ist. Auch das Veranstalten von sogenannten Motto-Märkten wurde von den Händlern unterschiedlich bewertet. Die Mehrheit fand zwar die Durchführung von kleinen Events als sinnvolle Ergänzung, die den Umsatz steigert, es wurde aber auch moniert, dass zu viele Besucher die Marktkulisse als Treffpunkt nutzen ohne selbst einzukaufen. Die Umsätze waren nach Aussage einiger Händler rückläufig, andere wiederum haben der Verwaltung mitgeteilt, dass ihre Umsätze stabil sind.

Weiter zugespitzt hat sich die Situation, seit im April ein neuer Wochenmarkt in Höhr-Grenzhausen eingeführt wurde, bei dem sich die Marktzeiten mit dem Bendorfer Wochenmarkt am Freitagnachmittag überschneiden. Von den hiesigen Markthändlern wurde der Verwaltung mitgeteilt, dass die dortigen Marktorganisatoren alle Marktstände in Bendorf wegen eines Wechsels nach Höhr-Grenzhausen angesprochen haben. Hierdurch sind Markthändler von Bendorf nach Höhr-Grenzhausen abgewandert. Auch zu dem am 21. September vom Freitagvormittag auf den Freitagnachmittag verlegten Wochenmarkt in Leutesdorf haben mittlerweile vier Händler den Marktstandort Bendorf verlassen und haben ihren Marktstand nach Leutesdorf verlegt.

Seitens der Verwaltung wurden halbjährliche Gespräche mit den Markthändlern durchgeführt, zuletzt fand am 22. Juni ein Gespräch im VHS-Gebäude statt. Dabei wurde über das Marktkonzept und Probleme gesprochen. Die Markthändler haben sich für eine Reduzierung der Mottomärkte ausgesprochen und familienfreundliche Angebote bevorzugt. Von einem massiven Einbruch der Einnahmen der Markthändler war nicht die Rede, es gab auch keine Andeutung, dass man zu anderen Märkten abwandern möchte. Bei weiteren Gesprächen mit den Markthändlern am 14. September haben diese der Verwaltung aber mitgeteilt, dass rückläufige Umsätze zu einem Standortwechsel nach Leutesdorf geführt hätten. Unter anderem wurden die Kaufzurückhaltung und die Stimmung in Bendorf dafür verantwortlich gemacht.

Aus diesem Gespräch wurde ersichtlich, dass die Abwanderung von Bendorf in Abhängigkeit von den Marktkollegen getroffen wurden nach dem Motto „wenn die weggehen, gehe ich auch lieber mit, da ich nicht alleine zurückbleiben möchte“. In dem Gespräch wurde aber auch eingeräumt, dass es in Bendorf viele gute Markttage gegeben hat und ebenso Wehmut über den Weggang vorhanden ist. Alle haben aber weiter ein positives Interesse an dem Standort Bendorf, wenn sich das Kaufinteresse der Kunden weiter verbessert.

Zum Ausblick führte Bürgermeister Kessler an, dass die Marktleitung große Anstrengungen unternimmt, die fehlenden Sortimente wie Obst- und Gemüse sowie Fleisch- und Wurstwaren wieder zu besetzen. Der Prozess des Neuaufbaus zeige inzwischen schon positive Entwicklung, es bedürfe jedoch Zeit den stattgefundenen massiven Umbruch wieder zu kompensieren.

Inzwischen gibt es eine Zusage für die Neubesetzung des Sortiments Obst und Obstbrände. Weiter hat ein Landwirt aus Bendorf zugesagt ab dem neuen Jahr mit Obst, Gemüse und Eiern einen Marktstand zu besetzen. Eine weitere Zusage ab Ende November für das Sortiment Essig und Öle liegt ebenfalls vor, das gleiche gilt für einen Imbissstand und Angebot an Suppen. Der Bendorfer Wochenmarkt soll zukünftig stärker beworben werden und weiterhin einen Treffpunktcharakter aufweisen. Der Bürgermeister appelliert aber auch an die Bürger, auf dem Markt zu konsumieren und vermehrt einzukaufen.

Der Stadtrat gab dem Antrag der SPD-Fraktion einstimmig statt, schnellstmöglich eine Sitzung des Wirtschafts- und Kulturausschusses einzuberufen, in dem das Thema ausführlich diskutiert und dem Rat zeitnah ein tragbares Konzept des Wochenmarktes vorgestellt wird.

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