Erschreckende Nachrichten im Rheinbacher Umweltausschuss
Zehntausende Eschen bedroht
Stadtförster Sebastian Tölle befürchtet, dass der überwiegende Teil gefällt werden muss
Rheinbach. Alarmstufe Rot im Rheinbacher Stadtwald. Nachdem bereits im vergangenen Spätsommer erste Fälle von Eschentriebsterben beobachtet worden waren, registrierte Stadtförster Sebastian Tölle in den vergangenen Wochen ein massives Absterben von Eschen im Rheinbacher Stadtgebiet.
Alleine im Rheinbacher Stadtwald seien mehrere Zehntausend Bäume betroffen, überwiegend junge Bäume im Unterstand, aber mittlerweile zunehmend auch alte Eschen. Eschenholz ist sehr hart, oft werden Axt- und Spatenstiele aus diesem Holz geschnitten. Es dürfte auch dem stärksten Mann nicht gelingen, solch ein starkes Stück zu brechen. Dafür schafft das ein mikroskopisch kleiner Schlauchpilz mit dem harmlos klingenden Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“. Die Sporen dieses Pilzes werden nach den Erkenntnissen des niedersächsischen Landesforstamtes durch den Wind verbreitet. Die befallenen Bäume zeigen zunächst eine lichter werdende Krone durch absterbende Blätter und Zweige. Weitere Holzfäulepilze und Insekten ließen die geschwächten Bäume absterben.
Neu auftretende Pilzerkrankung
Das Eschentriebsterben sei eine neu auftretende Pilzerkrankung an Eschen, die erstmals 2007 in Deutschland nachgewiesen werden konnte, so Stadtförster Tölle. Seitdem habe sich das Triebsterben auf fast ganz Europa ausgeweitet. „Es sind Bäume jeden Alters betroffen. Nach dem Befall sterben sie innerhalb weniger Jahren ab, es gibt bislang keine geeigneten Gegenmaßnahmen“, ist der Stadtförster ratlos. Einen wichtigen Beitrag wenigstens zur Entschlüsselung der schädlichen Wirkung des Erregers leisteten vermutlich Wissenschaftler vom Institut für Organische Chemie und vom Institut für Mikrobiologie der Technischen Universität Braunschweig.
Sie haben dafür den weitgehend unbekannten Sekundärstoffwechsel des Pilzes untersucht. Dabei sind die Forscher auf einen Duftstoff des Pilzes gestoßen. Dieser zeigte besonders schädliche Auswirkungen auf die Eschensamen: Er hemme die Keimbildung und zerstöre das Gewebe der Sämlinge. Diese Wirkung stelle eine besondere aggressive Schädigung dar, da der Pilz damit den eigenen Wirt und somit seine Lebensgrundlage zerstört, so der Leiter der Untersuchung, Dr. Jeroen Dickschat. Die Wissenschaftler kamen mit weiteren Tests zu dem Ergebnis, dass der Duftstoff nur die Europäische Esche schädigt, hingegen die in Asien beheimatete Japanische Esche nicht betroffen sei. Die Forschungsergebnisse legten nahe, dass der Duftstoff einen maßgeblichen Anteil an der schädlichen Wirkung des Pilzes habe. Allerdings müsse es noch weitere Faktoren geben.
Nur sehr wenige Eschen sind resistent
Aktuell habe es den Anschein, dass nur sehr wenige Eschen gegen den Pilz resistent seien. „Allerdings lässt dies zumindest hoffen, dass die Baumart nicht in Gänze ausstirbt“, so Tölle.
Für Rheinbach bedeute dies, dass im ungünstigsten Krankheitsverlauf in den nächsten Jahren der überwiegende Teil von Eschen im Stadtwald, Stadtpark und allen übrigen Parkanlagen befallen werde und dann gefällt werden müsse. Insbesondere in den Parkanlagen, in denen teilweise sehr viele Eschen stünden, könne dies zu einem ungewohnten Bild führen. „Wo es möglich ist, muss dann eine geeignete andere Baumart nachgepflanzt werden“, erläutert Tölle dem Rheinbacher Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung. „Neben der Hoffnung auf möglichst viele resistente Bäume ist dies leider aktuell die einzige Möglichkeit, mit der Krankheit umzugehen.“
